Produktpiraterie 23.12.2011, 12:02 Uhr

Hacker-Risiko im Maschinenbau wird oft unterschätzt

Deutsche Maschinen- und Anlagenbauer sind in vielen Bereichen Weltmarktführer und damit umso mehr begehrtes Ziel für Produktpiraterie inklusive Diebstahl von Fertigungs- und Engineeringdaten. Besonders kleine und mittelständische Unternehmen seien bedroht, da hier Risiken oftmals bagatellisiert oder überhaupt nicht wahrgenommen werden, warnt das Bundesamt für Verfassungsschutz.

Produktpiraterie und Know-how-Verlust kostet deutsche Maschinen- und Anlagenbauer viel Geld: „In Summe beträgt der Schaden durch Plagiate, Produktfälschungen und illegalen Vertrieb von Produkten jährlich 6,4 Mrd. € oder 4 % Umsatzverlust „, betonte Steffen Zimmermann, beim Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), Frankfurt, zuständig für Produkt- und Know-how-Schutz.

VDMA erstellt Leitfaden zur Informationssicherheit

„Gerade die vielen Weltmarktführer aus unserer Branche benötigen Unterstützung, sowohl um das Kern-Know-how im Unternehmen selbst zu sichern als auch in den zu exportierenden Produkten“, so Zimmermann kürzlich auf der VDMA-Podiumsdiskussion „Know-how-Schutz in Automation und Produktion“ während der Messe SPS/IPC/Drives 2011 in Nürnberg. Deshalb habe der Verband einen Leitfaden zur Informationssicherheit erstellt, dessen Risikoabschätzungen und -minimierungsmethoden speziell auf die Branche zugeschnitten worden seien. „Auch versuchen wir, mit der Arbeitsgemeinschaft ‚Produkt- und Know-how-Schutz‘ die Unternehmen zu sensibilisieren, zu beraten und herstellerunabhängig Lösungsmöglichkeiten anzubieten“, so der Produktschutzexperte.

„Gleichzeitig sollte man aber die technischen Maßnahmen für die Mitarbeiter so gestalten, dass sie einfach anzuwenden sind“, ergänzte Oliver Winzenried, Vorstand bei Wibu-Systems, Karlsruhe. Denn immer mehr sensible Daten befänden sich auf einem ganzen „Zoo“ höchst unterschiedlicher mobiler Geräte. Da genüge es nicht, einfach alle USB-Ports zu sperren. Sinnvoller sei es, so Winzenried, für Dokumente temporäre Schlüssel zu vergeben, nach deren Ablauf der Servicetechniker das Dokument nicht mehr nutzen kann. Eine weitere Möglichkeit sei, die USB-Sticks durch eine individuelle Seriennummer nur einem bestimmten Benutzer zuzuordnen.

Die Schwachstelle im Maschinenbau sind die Maschinen selbst

Eine Schwachstelle für Know-how-und Datensicherheit aber sind die Maschinen selbst: „Bei Stickmaschinen liegen die Programme für Fadenschaltung und Stickmuster in aller Regel im Klartext vor“, sagte Winzenried. Man könne einfach in der Fabrik oder auf dem Datenweg dorthin diese Daten abfangen und damit Plagiate herstellen. Gleiches gelte auch im Werkzeugmaschinenbau, da hier auch die CNC-Daten griffbereit vorliegen. „Wir müssen das Know-how, das in der Maschine steckt, wirkungsvoll vor Reverse-Engineering schützen“, so Winzenried weiter. Als Beispiel nannte er in Nürnberg die neue Version des Programmiersystems Codesys von 3S-Smart Software Solutions, Kempten. Mit diesem System könnten Maschinenbauer beim Erzeugen der Steuerungssoftware angeben, ob die Steuerungssoftware als verschlüsselter Code und für eine einzige Zielplattform erzeugt werden soll. So sei sichergestellt, dass der Code nicht mehr von einer Plattform auf die nächste übertragen werden kann.

Die größten Informationsträger im Maschinenbau sind die Mitarbeiter

Allerdings bereitet dieses Konzept Probleme im Anlagenbau: „Wir können unsere Anlagen nicht mit hochkomplexen Verschlüsselungsalgorithmen ausstatten. Dies geht schon aus Performance-Gründen nicht“, so Rolf Strehle, bei Voith in Heidenheim, zuständig für die weltweite IT-Sicherheitsorganisation. Deshalb schütze man seine technischen Anlagen mit Firewalls zwischen den Produktionsnetzen, zwischen Entwicklungssystemen und zwischen den Internetverbindungen. Gemessen würden Anomalien im Netzwerk und die Rechenzentren würden rund um die Uhr überwacht: „Gleichzeitig hacken wir unsere eigenen Produktionsmaschinen, um Schwachstellen schon im Vorfeld zu beseitigen.“

Doch die größten Informationsträger seien auch die größten Risikoträger, ergänzte Peter Mnich, Senior Consultant für internationalen Know-how-Schutz bei der Viccon Unternehmensberatung, Ettlingen: „Das sind Mitarbeiter, vor allem älteren, die das Unternehmen verlassen. Sie nehmen Know-how mit, das man nicht wiederbekommt.“ Deshalb gebe es nichts Sicheres in einem Unternehmen als zufriedene, motivierte und sensibilisierte Mitarbeiter. Und hier sei das Management gefragt, nicht nur technisch, sondern auch organisatorisch zu reagieren.

  • Roland Hensel

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