Maschinenbau 25.01.2002, 17:32 Uhr

Gute Perspektiven für Ingenieure

Kein Personalabbau, weil bei einem kurzfristigen Produktionsrückgang die Beschäftigungssituation unverändert bliebe. Ingenieure gelten ohnehin als Rückgrat der Branche.

US-Forscher haben soeben einen Mini-Kettenantrieb aus Silizium entwickelt, deren Kettenglieder schmaler als ein Menschenhaar sind und die demnächst für den Antrieb zum Beispiel in winzigen Kameras sorgen sollen. Kollegen aus Japan gelang es, Lasermodelle in der Größe eines Blutkörperchens herzustellen. Das Verfahren wird bereits als Vorstufe zu Mikromaschinen gefeiert, die demnächst Medikamente durch die Blutbahnen chauffieren könnten. Der Trend ist eindeutig: Maschinen schrumpfen. Und Spötter meinen, auch der deutsche Maschinenbau liegt hier im Trend. Denn den Erwartungen für 2002 stehen erstmals wieder Minuszeichen voran.

„Wir erwarten in diesem Jahr minus 2 % für die reale Produktion im deutschen Maschinenbau“, sagt Ralph Wiechers vom Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) in Frankfurt. Und weil er dieses Unheil exakt in dieser Größenordnung bereits im letzten Jahr kommen sah, musste er sich so manchen bösen Kommentar gefallen lassen, „ob ich denn den Abschwung herbeireden wolle“, erinnert sich der VDMA-Chefvolkswirt. Nun ist dieser Negativtrend allgemein anerkannt und Ralph Wiechers sieht sich längst nicht als Schwarzseher, „denn in dieser Zahl steckt auch eine kleine Hoffnung“. Nämlich Hoffnung darauf, dass das Geschäftsklima wirklich im Frühjahr nach oben dreht, sprich die Geschäftserwartung der Firmenzentralen sowohl in den USA als auch in Europa wirklich hoffnungsvoller wird. Das wäre dann der vergangenheitsbewährte Indikator dafür, dass die Auftragseingänge mit einer rund viermonatigen Verzögerung anziehen und noch einmal vier Monate später auch produktionswirksam werden.

Einen weiteren Trost hält der Blick auf die Beschäftigungssituation im Maschinenbau bereit. Noch reagiert die Branche nicht mit den gefürchteten Anpassungsmaßnahmen, wie Entlassungsschreiben höflich genannt werden. Wiechers: „Denn solange der Auftragsrückgang nur ein Jahr anhält, werden die Firmen versuchen, die Produktion etwa durch den Abbau der gut gefüllten Arbeitszeitkonten zu drosseln.“ So kann es nicht verwundern, dass auch die Lage für die Ingenieure im Maschinenbau noch unverändert mit „gut“ eingeschätzt wird. Die Entlassungswelle schwappt bislang noch an ihnen vorbei: Obwohl die Zahl der Ingenieure im Maschinenbau seit 1982 um 50 % auf mittlerweile rund 131 000 gestiegen ist, ist ein Ende ihrer steigenden Bedeutung für die Branche immer noch nicht abzusehen. Gerade für viele ältere Ingenieure ist dies allerdings ein schmerzlicher Prozess, denn für sie verschlechtert sich die Chance auf Wiedereinstellung im Falle einer Entlassung trotzdem kontinuierlich. Sie leiden vor allem unter dem hohen Innovationstempo im Maschinen- und Anlagenbau, eine Entwicklung, die den Wettbewerb nur um die jüngsten und besten Bewerber immer stärker anheizt.

Der Ausweg heißt für immer mehr Ingenieure: investieren in die eigene Weiterbildung, um auf dem neusten Stand zu bleiben und sich so unersetzlich zu machen. Das beobachten auch die Initiatoren des berufsbegleitenden Fernstudiums „Lasertechnik“ am Technischen Institut der Universität Jena: „Vor sechs Jahren waren viele unserer Teilnehmer arbeitslos, heute stehen fast alle in Lohn und Brot und wollen vorsorgen“, sagt Hochschuldozent Gisbert Staupendahl. In diesem Semester hat sich die Zahl der Fernstudenten mit 35 fast verdoppelt. Viele schon erfahrene Ingenieure aus dem Maschinenbau sind diesmal dabei, „die meisten von ihnen kommt aus Eigenmotivation“, betont Staupendahl. Lasertechnik sei eben ein Zukunftsfeld, und mit der Spezialisierung versuchen viele, ihre künftigen Jobchancen zu verbessern.

Hier schlagen sich die Branchenforderungen nach Internationalisierung und Spezialisierung nieder, die auch Master- und Bachelor-Abschlüsse immer begehrter machen sowie die Suche nach neuen Anforderungsprofilen beschleunigen. Ein Beispiel ist der Mechatroniker, der auch als Ausbildungsberuf zweistellige Wachstumsraten schafft, während traditionelle Berufe wie Industriemechaniker rückläufige Zahlen bei den Ausbildungsverträgen verdauen müssen. Auch an den Unis gehört das Fach Mechatronik als Kombination aus Mechanik, Elektronik und Informationstechnik zu den beneideten Senkrechtstartern der Ingenieurwissenschaften.

Die Vorhersage der Trends im Maschinenbau selbst fällt da schon schwerer. Denn nicht wenige überraschte, dass von den 38 Fachzweigen des VDMA im vergangenen Jahr diesmal nicht die Newcomer das beginnende Ab der Konjunkturzyklen am besten verdauen konnten, sondern zum Beispiel mit der Fördertechnik ein eher traditioneller Bereich. Hier sorgten neue Entwicklungen und Serviceangebote etwa bei Angeboten von Gabelstaplern inklusive Transportleistungen für Wachstumssprünge, während die bisherigen jungen Branchenstars wie „Robotik und Automation“ diesmal Federn lassen mussten. „Mit Bestückungsautomaten für Handies wird man vom plötzlich rückläufigen Mobilfunkmarkt natürlich voll erwischt“, so Ralph Wiechers. Auch der Werkzeugmaschinenmarkt musste sich 2001 erstmals wieder von seinen gewohnt rasanten zweistelligen Steigerungsraten der Vorjahre verabschieden – immerhin ein „Schrumpfen auf hohem Niveau“, wie der VDMA-Volkswirt findet. ANDREAS LEIMBACH

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Branche im Überblick

– Zahl der Unternehmen: 5 700

– Beschäftigte: 907 000

– Zahl der Ingenieure: 131 000

– Umsatzentwicklung 2001: + 3 % (rd. 139 Mrd. €)

– Exportquote 2000 (1999): 64 % (69 %)

– wichtigste Exportmärkte 2000: USA 13 %, Frankreich 9,2 %, Großbritannien 7,6 %

Quelle: Stand 2001, VDMA Frankfurt

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