Maschinenbau 22.08.2008, 19:36 Uhr

Für die Kunden muss noch mehr getan werden  

VDI nachrichten, Bonn, 22. 8. 08, Fr – Die Situation in der Maschinenbaubranche stellt sich sehr unterschiedlich dar. In einzelnen Bereichen sind, vor allem im Inlandsgeschäft, erste Sättigungseffekte erkennbar. Allerdings, so der VDMA, sind panische Ansätze beim Blick in die Zukunft nicht angebracht.

Das war ein schwerer Gang für Bernhard Schreier. Ein durchwachsenes Jahr musste der Chef der Heidelberger Druckmaschinen AG auf der diesjährigen Jahreshauptversammlung Mitte Juli konstatieren. Die Prognosen seien nicht erreicht worden, „wir haben viel Vertrauen verloren“. Zwei Gewinnwarnungen binnen zwei Wochen, eine Börsenkurs-Talfahrt von über 33 € im vergangenen Oktober auf nur noch knapp über 10 € im Juli, ein Aushängeschild des deutschen Maschinenbaus im Sinkflug.

Und der passte vielen Experten ins Bild, die mit ihren skeptischen Vorhersagen für die deutsche Gesamtwirtschaft einen Stimmungsaufschwung heraufbeschworen, der Ralph Wiechers, Chefvolkswirt beim Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) in Frankfurt, allerdings mächtig überrascht hat: „Bei einigen hat sich ja eine regelrechte Panik breitgemacht, die für mich nicht nachvollziehbar ist.“ Schon gar nicht im deutschen Maschinen- und Anlagenbau. Auch wenn der Auftragseingang im Juni 5 % unter dem Vorjahr lag, entwickelte sich die Produktion im zweiten Quartal 2008 so positiv, dass Wiechers hier erneut, diesmal positiv überrascht wurde. Die Abkühlung beim Auftragseingang habe sich dagegen für seinen Verband schon 2007 anhand der Frühindikatoren abgezeichnet, gleichwohl halte man an der Wachstumsprognose für den Maschinenbau 2008 von plus 5 % weiter fest. Wiechers: „Damit hätte die Branche binnen fünf Jahren um insgesamt 38 % zugelegt.“

Ein wenig weiter schaut eine aktuelle, allerdings umstrittene Studie der Unternehmensberatung McKinsey in die Zukunft, und auch pessimistischer. Danach verliert der deutsche Maschinenbau bis 2020 sein bisher hohes Wachstumstempo. Zudem drohe der Branche mit ihren rund 935 000 Beschäftigten der Verlust von bis zu 160 000 Jobs. Die Gründe hierfür seien Produktivitätssteigerungen, die Schließung unrentabler Unternehmen und die Verlagerung der Produktion in Niedriglohnländer.

Hier spielen allerdings eher Markterschließungsgründe als Einspareffekte bei den Löhnen eine Rolle, da sie auch aufgrund der hohen Automatisierungsgrade von immer geringer werdender Bedeutung sind. So konnte die Trumpf-Gruppe, eines der weltweit führenden Unternehmen der Fertigungstechnik, im letzten Geschäftsjahr als erster deutscher Werkzeugmaschinenhersteller die Inbetriebnahme einer Produktionsstätte in Japan vermelden. Auch bei Trumpf wird sich übrigens das Wachstumstempo verlangsamen. Firmenchefin Nicola Leibinger-Kammüller erwartet das Umsatzplus 2008/2009 „im mittleren einstelligen Prozentbereich“ nach einem Plus von 10 % im Vorjahr.

„Wir erleben aktuell eine stärkere Spreizung bei der wirtschaftlichen Entwicklung unserer Mitgliedsunternehmen“, beobachtet Ralph Wiechers. Weiter positiv gestimmt sind etwa die Firmen der rohstoffnahen Bereiche, während den Herstellern von Bau-, Textil- und Druckmaschinen der Gegenwind erstmals wieder stärker ins Gesicht bläst. Während bei den Auslandsmärkten die USA weiterhin große Sorgen bereiten, reißen die Geschäftsabschlüsse deutscher Maschinenbau-Firmen mit ihren Kunden aus Russland, Indien und China nicht ab. „Hier stellt sich die große Frage, wie lange das weiter anhält oder ob auch hier eine Klimaverschlechterung eintritt“, so Wiechers.

Ein ernstes Problem der Branche bleibt unterdessen der Fachkräftemangel. So rechnet der VDMA damit, dass dem Maschinenbau gegenwärtig immer noch rund 10 000 Ingenieure und mehrere tausend Facharbeiter auf dem zu engen Bewerbermarkt fehlen. Um so erstaunlicher ist es, dass eine aktuelle Studie der atenta Personalberatung in Hamburg bei 833 untersuchten mittelständischen Maschinenbaufirmen herausfand, dass nur 71 % von ihnen über einen eigenen Internetauftritt verfügen. Noch irritierender ist, dass nur 28 % dieser Internetseiten eine eigene Stellenrubrik auswiesen, die als wertvolle Hilfe für die Suche nach geeigneten Bewerbern für den vielzitierten Fachkräftemangel der Branche gilt. Ein Potenzial, das bislang ungenutzt bleibt.

Dazu passt, dass auch das Hineindenken in Kunden als eine der großen Zukunftsaufgaben der Branche gilt, mit anderen Worten, verbesserungsfähig bleibt. Um die Erfolgsgeschichte der letzten Jahre allen Unkenrufen aus der Beraterbranche zum Trotz fortsetzen zu können, empfiehlt eine Studie der European Business School in Oestrich-Winkel den Maschinenbaufirmen vor allem, „ihre Kundenorientierung weiter zu erhöhen“. Nicht hochtechnische Innovationen, „sondern anwendungsorientierte Weiterentwicklungen, die sich unmittelbar an den Kundenanforderungen orientieren, sind der zentrale Erfolgsfaktor für weiteres Wachstum“, mahnt Autor Ronald Gleich. So hält er z. B. die engere Zusammenarbeit von FuE-Abteilung und dem Vertrieb für zukunftsweisend.

Bei der Heidelberger Druckmaschinen AG hat der jüngste Sparkurs zumindest dem Aktienkurs auf die Beine geholfen. Dazu zählt auch die Streichung von 500 der weltweit rund 19 600 Stellen. In Deutschland sind allein 250 Beschäftigte betroffen. „Als Traditionsunternehmen sind wir mit dem konjunkturellen Auf und Ab vertraut“, machte Vorstandschef Bernd Schreier seinen Aktionären Mut. Nicht gespart werden soll dagegen bei neuen Service-Dienstleistungen. Auch hier gilt die stärkere Hinwendung auf die Wünsche der Kunden als Hoffnungsträger.

Von Andreas Leimbach

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