Engineering 05.10.2001, 17:31 Uhr

Fertigungs- und Prozessautomation „all in one“

In der Automatisierung dominieren ganzheitliche Ansätze, wie die Messe Interkama vorige Woche zeigte. Birgit Vogel-Heuser, Expertin für Automatisierungstechnik an der Gesamthochschule Wuppertal, fasst Technik und Trends der größten Messe für Prozessautomatisierung zusammen.

Komponenten rücken in den Hintergrund: Mit der ganzheitlichen Betrachtung der Automatisierung traf die Düsseldorfer Interkama die Aufgabenstellung der 42 000 Besucher und Fachkunden aus aller Welt: Einspar- und damit Wettbewerbspotentiale liegen heute im wesentlichen in der Optimierung des Engineerings entlang des gesamten Systemlebenszyklus vom Basis Engineering über den Vertrieb bis zur Instandhaltung. Damit zeigte sich die Interkama als Spiegel des enormen Wandels in der Automatisierungsbranche.

Gleichzeitig wird sich das Vorgehen beim Engineering in den nächsten Jahren drastisch verändern und vereinfachen, datentechnische Systembrüche zwischen den verschiedenen Planungswerkzeugen, CAE-Werkzeugen oder Programmier- und Diagnoseumgebungen sollen verschwinden.

Die Ideen sind nicht neu, aber es sind die ersten Umsetzungen gezeigt worden, sowohl bei den CAE-Systemen als auch bei den Konfigurations- und Programmiertools. Ein Beispiel hierfür ist das Konzept FDT/DTM (Field Device Tool/Device Type Manager), welches nunmehr von allen Anbietern unterstützt wird. Mittels einer Standardsoftwareschnittstelle können Remote I/O-Systeme (Feldbusmodule) oder intelligente Feldgeräte in die verschiedenen Prozessleitsysteme oder Engineering-Umgebungen der Speicherprogrammierbaren Steuerungen eingebunden werden. Dieser Integrationsprozess ist noch nicht abgeschlossen, aber es zeigt sich die Bereitschaft zu Gunsten der Anwender, einen Basisstandard zu schaffen und einzuhalten. Die Vision der Durchgängigkeit und Transparenz verschiedener Systeme unterschiedlicher Hersteller setzt sich durch. Die Anwender der Prozesstechnik sind der treibende Innovationsmotor. Ein zweiter Trend ist das Zusammenrücken von Fertigungs- und Prozessautomatisierung, wie die Interkama zeigte. Natürlich sind spezifische Forderungen in beiden Bereichen weiterhin zu unterstützen: Stückgutprozess versus Chargenprozess, die Art und Anzahl der Ein-/Ausgänge, die Anforderungen hinsichtlich einer dynamischen Positionierung in der Fertigungstechnik oder die Vielzahl komplexer Regelungen in der Prozesstechnik. Dabei legen die Leistungsfähigkeit heutiger Prozessoren und der notwendige Invest bei der Neuentwicklung einer Systemfamilie den Versuch der Integration nahe.

Dieser Trend setzt sich in der Feldbusebene fort; erste Vorstellungen von kombinierbaren Ex- und Nicht-Ex-fähigen Feldbusmodulen in einer Busstation an einem Buskoppler bestätigen dies. Für den Anwender steht hierbei eine Flexibilität zur Verfügung, die er aus dem Bereich der Fertigungstechnik bereits kennt: Der Prozess bestimmt die Verteilung und Dezentralisierung der Automatisierungstechnik und nicht etwa eine mangelnde Verfügbarkeit der Produkte.

Die Diskussion über den „richtigen“ Feldbus wird dagegen kaum mehr geführt. Im Blick steht vielmehr die Möglichkeit der Kopplung verschiedener Feldbusse. Die Kombination verschiedener Feldbusse der Prozesstechnik konnte ebenfalls – zumindest prototypisch – gezeigt werden.

Und: Der Vormarsch von Ethernet als Technologie zeigt sich deutlich. Dass das Thema Internet in der Automatisierung immer interessanter wird, wurde unter dem Aspekt des E-Procurement und der Marktplätze im Forum der Interkama deutlich, wo das Thema vertieft behandelt wurde.

XML (eXtensible Markup Language) als „Dokumentationsverarbeitungsstandard“ war der wesentliche implizite Standard hinter den meisten Produktpräsentationen. Eine Festlegung von XML für die Automatisierungstechnik ist noch zu erarbeiten und zu verabschieden. Das Potential von XML als Metasprache reicht vom Datenaustausch zu Zwecken des Dokumentenaustausches, dem Datenzugriff auf Geräte unterschiedlichster Hersteller zu Diagnosezwecken bis zur Bereitstellung von Geräteinformationen für CAE-Systeme oder für ERP-Systeme.

Für die Errichtungs-, Inbetriebnahme und Maintenance-Phase wurden eine Reihe von weniger spektakulären, aber äußerst interessanten Neuheiten gezeigt, wie etwa die Konfiguration von Geräten ohne Kabel mittels eines Palm Tops, die Vorstellung einer Asset Box zur Registrierung der verschiedenen Sensoren-/Aktoren in einer Anlage und zum Speichern aller gelieferten Werte.

Wesentliche Einsparungen in der Errichtungsphase wiederum ermöglichen die Schnellanschlusstechnik mittels selbsttätiger Schneidtechnologie, welche den Verkabelungsaufwand und die daraus resultierenden Kosten reduzieren soll. Diese Schnellanschlusstechnik wurde bereits im Profibus-DP „Verteilerkasten“ eingesetzt und verspricht insbesondere für Sensor- und Aktorhersteller interessant zu sein.

Die oft geforderte engere Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft – auf der Interkama wurde sie ein gutes Stück weit präsentiert. Viele deutsche wissenschaftliche Einrichtungen zeigten neue Technologien und Konzepte, die als Vorentwicklung für die Industrie dienen können.

Zudem wurde das Interkama-Forum unter dem Stichwort „Innovation Marketplace“ mit seinem weiten Themenspektrum durchweg gut angenommen. Dazu gehörten unter anderem funkgestützte Kommunikation, Mikrosensoren, Feldgeräte & Leitsysteme, Ferndiagnose, E-Procurement und Supply Chain. Die Diskussion mit den Spezialisten zu den verschiedenen Fachthemen war immer gut besucht und hat gegenüber den vorherigen Veranstaltungen an Lebendigkeit deutlich gewonnen.

Trotz oder gerade wegen des Ausbleibens einiger Aussteller hat sich die Interkama durch Fokussierung und hohe vertikale Thementiefe das Profil einer Spezialmesse gegeben. Zudem sei es dank des hohen Niveaus der Fachbesucher und der intensiven Gespräche gelungen, den Grundstein für eine einheitliche technische Sprache zu legen, welche die bisher kontroversen BUS-Kommunikationsstandards herstellerneutral zusammenführt, wie die Düsseldorfer Messeleitung hervorhebt. BIRGIT VOGEL-HEUSER/Kip

Von Birgit Vogel-Heuser/Dietmar Kippels
Von Birgit Vogel-Heuser/Dietmar Kippels

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