Bleihaltige Bauteile 02.12.2013, 13:48 Uhr

Erhöhte Bleiwerte in Espressomaschinen nach dem Entkalken

Espressomaschinen können nach dem Entkalken deutlich erhöhte Mengen Blei ins Kaffeewasser abgeben. Das ergab eine aktuelle Pilotstudie des Bundesamtes für Risikobewertung. Die Bleibelastung übersteigt den vom Europarat festgelegten Grenzwert. Erstaunlich: In Espressomaschinen werden offenbar bleihaltige Bauteile eingesetzt.

In Kaffeevollautomaten werden offenbar bleihaltige Bauteile verwendet. Jetzt haben Forscher festgestellt, dass einige Maschinen nach dem vorschriftsmäßigen Entkalken hohe Bleikonzentrationen abgeben.

In Kaffeevollautomaten werden offenbar bleihaltige Bauteile verwendet. Jetzt haben Forscher festgestellt, dass einige Maschinen nach dem vorschriftsmäßigen Entkalken hohe Bleikonzentrationen abgeben.

Foto: De Longhi

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Berlin hat in einer Pilotstudie festgestellt, dass manche Espressomaschinen besonders nach dem ordnungsgemäßen Entkalken Blei in Mengen freisetzen, die deutlich über dem von Europarat festgesetzten Grenzwert liegen. Acht verschiedene Kaffee- und Espressoautomaten hatten die BfR-Wissenschaftler für ihre Pilotstudie im Einzelhandel gekauft. Darunter drei Maschinen, in denen Kapseln verwendet wurden, zwei weitere, die mit Kaffeepads arbeiten und drei teure Siebträgermaschinen, bei denen der frisch gemahlene Espresso in einem Sieb unter die Maschine geklemmt wird.

Säure der Entkalkungsmittel könnte Blei freigesetzt haben

Ausgerechnet zwei der teuren Apparate gaben im Test überraschend viel hochgiftiges Blei ins Prüfwasser ab. Oliver Kappenstein, Lebensmittelchemiker am BfR, sagte dazu im Deutschlandfunk: „Bei der einen Siebträgermaschine war es im Bereich 250 Mikrogramm pro Kilogramm. In der zweiten Siebträgermaschine hatten wir eine Konzentration im Bereich von 1000 Mikrogramm pro Kilogramm.“ Die Spitzenbelastung bei den beiden auffällig gewordenen Kaffeemaschinen liegt damit um bis zu hundertmal höher als der Richtwert, den eine Expertengruppe des Europarates in den „Technischen Leitlinien für die Abgabe von Metallen an Haushaltsgegenstände“ formuliert hat.

Besonders auffällig war, dass der hohe Bleigehalt gemessen wurde, nachdem die Maschinen entsprechend der Angaben der Hersteller entkalkt worden waren. Die Bleikonzentrationen habe sich dann, nachdem mehrmals Kaffee zubereitet worden war, langsam wieder auf Werte zwischen 10 und 40 bis 50 Mikrogramm pro Kilogramm gesenkt, sagte Kappenstein.

Aber selbst diese Werte liegen über dem vom Europarat festgelegten Freisetzungsrichtwert für Blei von zehn Mikrogramm pro Kilogramm. Bei den anderen Gerätetypen, die mit Kapseln und Pads arbeiten, konnten die Wissenschaftler keine hohen Bleikonzentrationen finden. Die Konzentration habe zwar im Nachweisbereich gelegen, sie aber unbedenklich, so Kappenstein.

Als Grund für die hohe Schwermetallbelastung vermuten die Wissenschaftler, dass die Säure in den Entkalkungsmitteln Blei aus den Bauteilen der Geräte freigesetzt hat. „Wenn man sich das Innenleben von solchen Siebträger-Espressomaschinen anschaut, dann sieht man verschiedenste Verbauungen von Kupferrohren, Kupferkesseln, Messing-Verbindungsstücken und dergleichen. Es gibt entsprechende Heizelemente, es gibt entsprechende Pumpen. Wo möglicherweise auch die Summe von mehreren Freisetzungen zu dieser Bleiabgabe führen könnte“, vermutet Kappenstein.

Auch frühere Untersuchungen fanden Bleibelastung durch Kaffeemaschinen

Herstellernamen und Modellbezeichnungen möchte der Laborleiter nicht nennen, da es sich vorerst nur um wenige Stichproben handele. Die betroffenen Firmen sollten aber auf jeden Fall klären, aus welchen Bauteilen das Blei stamme und sie durch qualitativ hochwertigere ersetzen. Verbrauchern rät der Lebensmittelchemiker, nicht gleich einen Espresso zu kochen, wenn die Siebträgermaschine gerade entkalkt wurde oder länger nicht gelaufen ist. Die Kaffeegenießer sollten zunächst Wasser über eine längere Zeit ablaufen lassen.

Bereits 2007 und 2011 hatte es in Deutschland Untersuchungen darüber gegeben, inwieweit Kaffee- und Espressovollautomaten Blei und Nickel in den zubereiteten Kaffee abgeben. 2007 hatte das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart (CVUA) in einer Untersuchungsreihe mit 17 Kaffeemaschinen deutlich erhöhte Nickel- und Bleiwerte festgestellt. Damals gab es noch keine verbindlichen rechtlichen Regeln für die Abgabe von Nickel und Blei aus Gegenständen, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen. Der Grenzwert für Blei in Trinkwasser lag nach der damaligen Trinkwasserverordnung bei 0,025 Milligramm pro Liter.

Die Untersuchungsergebnisse des Stuttgarter Instituts führten 2011 zu einer entsprechenden DIN-Norm (DIN 10531). Danach darf die Abgabe von Blei in das Prüfwasser 0,05 Milligramm pro Liter und die Abgabe von Nickel in das Prüfwasser 0,1 Milligramm pro Liter nicht überschreiten. Der Richtwert für Blei wurde vom Grenzwert für Trinkwasser abgeleitet. Ausgehend von einem durchschnittlichen Kaffeekonsum von einem Liter pro Tag wurde der doppelte Trinkwassergrenzwert für Blei in die Norm DIN 10531 aufgenommen.

Ende 2011 untersuchte das CVUA dann erneut sechs Kaffeevollautomaten verschiedener Hersteller auf die Abgabe von Nickel und Blei. Bei dieser zweiten Untersuchungsreihe konnten die Prüfer weder Blei noch Nickel im Prüfwasser finden. Das Fazit der Prüfer, dass die Qualität der Geräte durch die DIN-Norm nachweislich verbessert worden und nun „ungetrübter Kaffeegenuss möglich“ sei, kann nach der neuen Pilotstudie aus Berlin wohl nicht mehr gelten.

Außerdem ist der Grenzwert für Blei im Trinkwasser gesenkt worden. Seit dem 1. Dezember 2013 gilt ein Wert von 0,01 Milligramm pro Liter. 

Von Gudrun von Schoenebeck

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