Maschinenbau 30.03.2007, 19:27 Uhr

Entkoppeln spart Rüstzeiten  

VDI nachrichten, Offenbach, 30. 3. 07, swe – Letzte Woche gab sich MAN-Roland-Chef Gerd Finkbeiner bei der Bekanntgabe der Zahlen zum Jahresergebnis 2006 optimistisch. Er brachte dabei im Gepäck eine neue Maschinengeneration für den Bogenoffsetbereich mit, die erstmals direkt angetriebene Plattenzylinder nutzt, um Rüstzeiten zu minimieren.

Rund eine Stunde an Rüstzeit vergeht, wenn ein Drucker in Deutschland eine durchschnittlich automatisierte Achtfarben-Bogenmaschine auf den nächsten Job umrüstet, hat der Bundesverband Druck und Medien errechnet.

„Es geht erheblich besser“, behauptete Markus Rall, Vorstand Bogenmaschinen von MAN Roland, bei der Vorstellung einer runderneuerten Bogenmaschine letzte Woche in Offenbach. Der Clou der Roland 700 Directdrive: Die Plattenzylinder sind elektrisch direkt angetrieben.

Nur noch zwischen 20 min und 25 min benötigt die Directdrive, wenn sie bestmöglich automatisiert beim Kunden steht. „Sie ist für die Hochleistungsspitze der Druckindustrie konzipiert, die nach weiteren Rationalisierungspotenzialen sucht“, erklärte Rall.

Die direkt angetriebenen Plattenzylinder lassen sich vom Hauptantrieb komplett entkoppeln. So können Rüstvorgänge der Druckjobs gleichzeitig ablaufen, die vorher nur nacheinander abgewickelt werden konnten. Bei einem Jobwechsel braucht das Austauschen von Druckplatten rund 8 min. Diese lassen sich jetzt einsparen.

Üblich ist im Bogenoffset die Krafteinspeisung des Antriebsmotors über Längswelle und Räderzug. MAN Roland nimmt bei der Roland 700 Directdrive den Antrieb der Plattenzylinder heraus. „Nur der Plattenzylinder ist aus diesem Verbund herausgelöst und wird von je einem eigenen Motor angetrieben. Das Farbwerk kann mechanisch wahlweise an den Hauptantrieb oder an den Plattenzylinderantrieb angekuppelt werden“, erklärte Holger Wiese, Leiter Technische Berechnung bei MAN Roland. Druckzylinder, Transferter, Gummizylinder usw. sind weiterhin über einen Zahnräderzug und parallel dazu über eine Längswelle angetrieben.

Aus technischen Gründen beschränkte sich MAN Roland auf den Direktantrieb des Plattenzylinders – anders als beim Zeitungsmaschinendruck. Fehlfunktionen verschiedener Antriebe verursachen beim Rollendruck allenfalls einen Bahnriss. Beim Bogenoffset kann dies zur Zerstörung der Mechanik führen, da die an der Bogenführung beteiligten Komponenten ständig mechanisch in Kontakt sind.

Kooperiert hat MAN Roland mit dem Antriebsspezialisten Baumüller aus Nürnberg, der auch Systemlieferant für die Bogen-Hauptantriebstechnik ist. Daher sei die Entwicklungszeit recht kurz gewesen, so Wiese. Vorgestellt hatte MAN Roland den Bogen-Direktantrieb als Entwicklungsobjekt 2004 auf der Drupa in Düsseldorf.

Beendet ist das Projekt noch nicht. „Wir arbeiten am fliegenden Plattenwechsel ohne Produktionsunterbrechung oder an der Korrektur der Drucklänge während des Drucks“, sagte Hartmut Hübner, verantwortlich für die Technik.

„Jeder Plattenzylinderantrieb hat am Gummizylinder ein Drehgebersystem (reale Leitachse), auf welches sich die Plattenzylinderachse bei Bedarf aufsynchronisieren kann“, erläuterte Wiese den Synchronisationsprozess der Antriebe. „Für die Vernetzung der einzelnen Drives mit der Maschinensteuerung wurde der in der Automatisierungstechnik weit verbreitete CAN- open-Standard verwendet.“

Mit dieser Maschine und dem Bruder Roland 700 Hiprint möchte MAN Roland den neuen Schwung im ehemals angeschlagenen Bogengeschäft verstärken. Das Volumen der Maschinen, so Bogen-Vorstand Markus Rall, werde jedoch nicht bei der Directdrive, sondern auf der Hiprint liegen. „Das ist unser Allrounder“, so Rall.

MAN Roland setzte im Bogengeschäft 2006 rund 11 % mehr um als 2005, nämlich 942 Mio. €. War der Bogenbereich 2005 mit 6 Mio. € im Ebit (Einkommen vor Steuern) erstmals im grünen Bereich, so stieg dieser Betrag auf 37 Mio. € im Jahr 2006.

„Wir haben unseren Break-even-Punkt substanziell verringern können, so dass wir uns im Bogenbereich jetzt auch für einen eventuellen Abschwung gerüstet sehen“, sagte MAN-Roland-Chef Gerd Finkbeiner. Ein wichtiger Punkt, denn der Druckmaschinenbau ist traditionell ziemlich konjunkturabhängig.

„Unsere Zahlen für 2006 sind mit das Beste, was wir vorzuweisen haben“, war Finkbeiner insgesamt zufrieden. 2,052 Mrd. € setzte der Druckmaschinenhersteller im vergangenen Jahr insgesamt um – nur 2001 waren es mehr. „Das waren 18 % mehr als im Vorjahr. Und beim Ebit haben wir mit 118 Mio. € das beste Resultat überhaupt erzielt“, sagte Finkbeiner. swe

Ein Beitrag von:

  • Stephan W. Eder

    Stephan W. Eder

    Redakteur VDI nachrichten
    Fachthemen: Energie, Energierohstoffe, Klimaschutz, CO2-Handel, Drucker und Druckmaschinenbau, Medien, Quantentechnologien

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