Maschinenbau 12.10.2001, 17:31 Uhr

Elektrik drückt in die Pneumatik

Zum 75 jährigen Firmenjubi­lä­um startet der schwäbische Fa­brikausrüster Festo durch mit einem neuen Tech­­­nologie­zen­trum am Stammsitz in Ess­lingen, weiterer Re­gionali­sie­­rung auf den wichti­gen Märk­­ten der Welt und intelligenten Produkten für die speziellen Bedürfnisse der Kunden.

Betont schwäbisch, bodenständig und weltoffen zugleich, „sen“s g“hockt“ am 2. Oktober in Essingen-Berkheim: Management und Mitarbeiter, Prominenz und Presse feierten das Jubiläum und zugleich das neue „TechnologieCenter“, mit 75 Mio. DM die bisher größte Einzelinvestition in der Geschichte des Multis vom Neckarstrand.

Die gewollt kühle und sachliche Industriearchitektur birgt auf 34 000 m² eine neue Büroumgebung und effektive Kommunikationsstrukturen für viel „Lust am kreativen Schaffen“, denn nach Ansicht des Vorstandsvorsitzenden Wilfried Stoll „sind die Motivation und die Qualifikation der Mitarbeiter die wichtigsten Erfolgsfaktoren“.

Damit sind die Weichen für weiteres Wachstum gestellt. Im neuen F&E-Zentrum finden jetzt mehr als tausend Mitarbeiter Platz, die zuvor auf zahlreiche Betriebsstätten im Raum Esslingen verteilt waren. Mehr Zentralismus bedeutet das nicht in jedem Fall, denn Unternehmenspolitisch baut der Vorstand grundsätzlich auf Regionalisierung. In der Schweiz etwa wurde gerade eine neue Gesellschaft zur Produktion des „künstlichen Muskels“ gegründet, einer mit vielen Preisen ausgezeichneten Neuentwicklung, die die Funktion eines menschlichen Muskels technisch nachahmt.

Konkret heißt das Ziel der Regionalisierung: exakt gleiche Leistungsfähigkeit im Euroraum, in Amerika und auf den asiatischen Märkten. So baut Festo im nächsten Jahr in den USA – nach dem Vorbild des Werks Rohrbach in St. Ingbert – ein Zentrallager und Vertriebsstrukturen auf. Zugleich gibt es freilich Bemühungen, die DV-Strukturen zu zentralisieren: Damit das System weiß, wo gerade ein exotisches Teil liegt, wenn es sofort irgendwo auf der Welt gebraucht wird.

Das Produktspektrum des Pneumatik-Spezialisten ist riesig. Beispielsweise sind 60 % aller Ventilinseln, die Festo herstellt, so individuell, dass die gleiche Konfiguration höchstens zwei Mal im Jahr benötigt wird.

Die Grenze zwischen Katalogware und kundenspezifischen Produkten ist aber fließend, weil im Prinzip alles aus Katalogteilen individuell zusammengestellt wird. Als Faustregel gilt: 70 % geht vom Lager, 30 % wird angepasst. Dabei erwirtschaftet Festo die Hälfte des Umsatzes im klassischen Komponentengeschäft – wo man sich direkt mit der Konkurrenz messen muss.

Für die Zukunft erwartet Festo ein Verhältnis von zwei Drittel pneumatischer zu einem Drittel elektrischer Antriebe. Viel Zukunft sieht man auch für „hochintelligente“ Pneumatikprodukte: Das wird möglich dank kleiner Industrie-PC, wie sie die 100-%-Tochter Beck in Wetzlar herstellt sie erreichen nicht einmal die Größe einer Streichholzschachtel und sollen Zug um Zug in die Festo-Produkte integriert werden.

Bei einer theoretischen Vielfalt von 10 40 Varianten lassen sich kurze Durchlaufzeiten und kundenbezogene Montage nur durch hohen Automatisierungsgrad unter einen Hut bringen. Basis ist die Baukastenstruktur: Aus sechs unterschiedlichen Aluminium-Druckgußgehäusen werden neun mechanisch bearbeitete Gehäusevarianten in der Ventilmontage entstehen 30 Ventilvarianten in der Ventilinselmontage lässt sich daraus schließlich unter Ausnutzung aller Konfigurationsmöglichkeiten inklusive elektronischer Grundeinheiten die riesige Variantenvielfalt erzeugen. BERND EUSEMANN/KÄM

Learning Company: Ideen liegen in der Luft

.Pneumatisch schnell

„Ganz wichtig in der Pneumatik ist Schnelligkeit“, sagt Rudi Menrad, im Vorstand des Esslinger Multis Festo zuständig für das Vertriebsmanagement. Deshalb unterhält das Unternehmen eine eigene Logistik und testet seit Dezember 2000 mit einem Pilotprojekt in den USA auch E-Commerce. Das extrem kurze Geschäft spiegelt sich nach Menrads Worten auch im Ausliefervolumen von 29 000 Positionen pro Tag. Schon jetzt sei man zudem eingebunden in die Prozesskette beim Kunden. Die Hinwendung zum Systemlieferanten entspricht einem Megatrend im Maschinenbau. Aus dieser Situation überrascht Festo aber mit einer hohen Fertigungstiefe – „und das ist gegen den Trend“, betont Menrad. beus

Vom Käufer- zum Partnermarkt

„Luft gibt’s überall“, beantwortet Festo-Vertriebsleiter Rolf Storr die Kernfrage nach der künftigen Entwicklung des Unternehmens ganz global, schiebt die strategische Frage aber selbst hinterher: Wie können wir uns in die Prozesskette des Kunden einbinden? Zwar wird Maschinenbau weiter Kernsegment bei Festo bleiben, erklärtes Ziel ist es aber, die Pneumatik auch in andere Bereiche hinein zu entwickeln. Als sich der Käufermarkt zum Verkäufermarkt wandelte, habe man mit Diversifikation reagiert. Jetzt sei der Übergang zum Partnermarkt zu beobachten. Für die Praxis – und damit auch für Festo – heißt das: Lieferanten werden integraler Bestandteil von Kunden und Kunden umgekehrt von Lieferanten. beus

Globalisierung von F&E

Weltmarktführer ist ein Titel, der dem Kunden wenig nützt. Daher will der Automationsspezialist Festo, so Eberhard Veit, im Vorstand des schwäbischen Multis zuständig für Forschung/Entwicklung und Strategisches Produktmanagement, lieber als Technologieführer gelten – hier aber dann schon das weltweit führende Unternehmen der Branche sein. Um das zu erreichen, werden neben der zentralen Forschung in Esslingen auch regional dezentrale Engineering-Centers aufgebaut: Das bedeutet neben dem selbstverständlichen Service vor Ort und der Berücksichtigung lokaler Standards eben auch weltweites Abschöpfen von Engineering rund ums Automatisieren mit Druckluft. beus

Von Beus
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