Transportsystem für Paletten 06.11.2013, 16:24 Uhr

Ein Gabelstapler reduziert auf zwei Gabeln

Von Gabelstapler kann keine Rede mehr sein: Nur noch die beiden Kufen sind  übrig geblieben bei einem neuen Transportsystem für Paletten, das die TU Stuttgart und der Anlagenbauer Eisenmann entwickelt haben. Ganz ohne Fahrer können die Kufen Waren transportieren.

Einen Gabelstapler ohne Fahrzeug und Fahrer haben die TU Stuttgart und der Anlagenbauer Eisenmann entwickelt. Die beiden Stapler steuern sich autonom, fahren alleine unter eine Palette und bringen die Ware an den gewünschten Ort.

Einen Gabelstapler ohne Fahrzeug und Fahrer haben die TU Stuttgart und der Anlagenbauer Eisenmann entwickelt. Die beiden Stapler steuern sich autonom, fahren alleine unter eine Palette und bringen die Ware an den gewünschten Ort.

Foto: Eisenmann

Die Gabel ist noch da, der Stapler einschließlich Fahrer dagegen verschwunden. Trotzdem funktioniert das Gerät mindestens ebenso gut wie ein konventionelles Transportmittel für Paletten. Allerdings fühlt man sich an eine Geisterhand erinnert, wenn die beiden Kufen unter eine Palette rollen, sie anheben und an ihr Ziel rollen.

Gabeln heben Lasten von bis zu einer Tonne

Die gesamte Technik des Gabelstaplers ohne Fahrzeug und Fahrer befindet sich in den beiden Gabeln, die nur virtuell miteinander verbunden sind. Sie kommunizieren miteinander, damit sie sich synchron bewegen und immer den gleichen Abstand halten. Bei einem Eigengewicht von 80 Kilogramm stemmen sie Lasten von maximal einer Tonne.

Die Gabeln fahren eigenständig komplett unter die Palette und heben sie leicht an. Mit Hilfe von elektronischen Augen orientieren sie sich an zwei parallelen Klebebändern auf dem Boden und Barcodes, die an bestimmten Stellen kleben. Diese melden dem Computersystem, das die Gabeln und die Aufgaben steuert, den Standort. Die Gabeln können insbesondere in Produktionshallen Maschinen und Arbeitsplätze mit Material versorgen. Einen Lkw be- oder entladen oder ein Regallager bestücken können sie nicht.

Orientierung an Streifen auf dem Boden

An Kreuzungen können sich die Gabeln auf der Stelle um 90 Grad drehen, weil die Achsen, auf denen die Antriebsräder sitzen, in alle Richtungen schwenkbar sind. „Später können wir auf den zweiten Klebestreifen verzichten, weil die Gabeln ohnehin stets den gleichen Abstand halten“, sagt Markus Schröppel vom Institut für Fördertechnik und Logistik der Technischen Universität Stuttgart, der die Entwicklung leitete.

Gebaut wird das System vom Böblinger Anlagenbauer Eisenmann, der maßgeblich an der Entwicklung des Doppelkufensystems, wie Insider es nennen, beteiligt war. Im nächsten Jahr soll es auf den Markt kommen. Geplant ist bereits eine weitere Version, die sich völlig autonom bewegt, also ohne Orientierungsstreifen und Barcodes auskommt. „Das ist natürlich viel teurer“, sagt Schröppel – und für viele Anwendungen auch nicht nötig. Gedacht ist es vor allem für den innerbetrieblichen Transport, etwa zur Versorgung von Montagestationen oder Maschinen mit Bauteilen.

Entwicklung aus Eigenmitteln des Instituts

Die Kufen werden von Lithium-Ionen-Batterien mit Strom versorgt. Die Gabeln rollen mit einer Geschwindigkeit von einem Meter pro Sekunde durch die Werkshallen. Stolz ist Professor Karl-Heinz Wehking, Leiter des Stuttgarter Instituts, dass die Entwicklung komplett aus eigenen Mitteln finanziert worden ist. Das Technologie-Lizenzbüro der Hochschule vermittelte das System an Eisenmann. „Es handelt sich um einen der größten Lizenzverträge für die Universität Stuttgart“, sagt Wehking. Er ist sicher, dass die sperrigen und teuren Gabelstapler, die Waren nur horizontal bewegen, mit der Zeit vom preiswerteren Doppelkufensystem abgelöst werden.

Von Wolfgang Kempkens

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