Anlagenbau 08.08.2003, 18:26 Uhr

Dormann will ABB im Eiltempo aus der Krise führen

In den 90er Jahren konnte sich ABB noch mit General Electric und Siemens messen. Wenig später wurde das Unternehmen zum Sanierungsfall. Nun scheint der einstige Börsenriese seine Krise zu meistern.

Das Industriekonglomerat ABB ging 1988 aus der schwedischen Asea und der Schweizer Brown Boveri Company hervor. Chef der neuen Gruppe wurde der ehemalige Asea-Lenker Percy Barnevik. Unter seiner Leitung wurden in den Wachstumsmärkten Osteuropa und Asien rund 100 Unternehmen aufgekauft.
Bis Mitte der 90er Jahre avancierte ABB zum wachstumsstärksten Anlagenbauer der Welt und genoss einen ausgezeichneten Ruf. Nach dem Ende des Wirtschaftsbooms liefen Barnevik jedoch die Kosten aus dem Ruder. Sinkende Umsätze, Überkapazitäten, hoher Personalbestand, setzten der zersplitterten Gruppe zu. Doch es kam noch schlimmer: ABB flatterte eine Asbestklage aus den USA ins Haus. Die 1990 erworbene US-Tochter Combustion Engineering hatte in den 70er Jahren Heizkessel für Kraftwerke hergestellt. Das dabei verwendete gesundheitsschädliche Asbest kann bei den betroffenen Arbeitern Lungenkrebs auslösen, die daraufhin auf Schadenersatz klagten. Mittlerweile zählen die Anwälte mehr als 100 000 Kläger.
Dem Elektrotechnikkonzern gelang ein Vergleich, der die Zahlung von 1,3 Mrd. $ vorsieht, die mit 800 Mio. $ teilweise aus der Insolvenzmasse der US-Tochter Combustion beglichen werden sollen. Einige Asbest-Geschädigte gingen dennoch in Berufung, denn die Combustion-Tochter Lummus Global steht im Mittelpunkt des Verfahrens, gehört aber mittlerweile zur ABB-Sparte Öl, Gas & Petrochemie (OGP), die aber nun zum Verkauf steht.
In zweiter Instanz wurde der Asbest-Vergleich schließlich Ende Juli gebilligt, worauf einige Geschädigte eine abermalige Berufung ankündigten, der allerdings wenig Chancen eingeräumt werden. Unter dem Strich kann der derzeitige ABB-Chef Jürgen Dormann einen wichtigen Punktsieg feiern. Dormann kam im Herbst 2002 als Retter in der Not. In den 90er Jahren hatte der Top-Sanierer bereits den Chemiekonzern Hoechst aufgeteilt und durch eine Fusion mit Rhône-Poulenc das Pharmaunternehmen Aventis geschaffen. Nun plant er eine Sanierung im Eiltempo.
Um die Schuldenlast zu drücken und die Konzernstruktur zu entschlacken, muss ABB einzelne Sparten versilbern. Der Asbest-Vergleich macht nun insbesondere den Weg für den Verkauf des Bereichs OGP frei, der bis zu 1,5 Mrd. $ in die Kasse spülen dürfte. Zudem wird die verlustträchtige Gebäudetechnik-Sparte abgestoßen. Immerhin soll der Schuldenstand bis Ende 2003 auf rund 6,5 Mrd. $ sinken. Ende Juni beliefen sich die Verbindlichkeiten noch auf 8,3 Mrd. $, wovon 2004 rund 2 Mrd. $ fällig werden.
Durch den Umbau des Industrieausrüsters dürfte die Mitarbeiterzahl bis Mitte 2004 von 133 000 auf 95 000 sinken. Am Ende der Schrumpfkur wird sich ABB auf Energietechnik und Automationstechnik konzentrieren. Die flüssigen Mittel bezifferte ABB zuletzt auf 4,1 Mrd. $. Eigentlich genügend Spielraum für Dormann, um den hochverschuldeten Konzern zu sanieren, zumal auch das operative Geschäft wieder besser läuft. Die ABB-Aktie kommt dennoch nur auf einen Bruchteil ihres früheren Wertes – zu tief sitzen die Ängste vor einem Fiasko.
Fazit: Nach den jüngsten Kurszuwächsen bietet sich die laufende Konsolidierung zum spekulativen Einstieg an, denn auf längere Sicht sind durchaus wieder zweistellige Kurse realistisch. Das Tal der Tränen dürfte ABB – dank eines exzellenten Managements – hinter sich haben. FRANK SZILLAT

Der Autor ist Analyst beim Finanzportal www.instock.de

 

Von Frank Szillat
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