Anlagenbau 08.04.2005, 18:38 Uhr

Die Kompressorstation wird online überwacht  

Unabhängig vom Standort und zu jedem Zeitpunkt lassen sich Druckluftanlagen per Internet prüfen und optimieren. Ein solcher Teleservice bietet natürlich auch neue Marktchancen für die Anlagenhersteller und clevere Dienstleister. Die nötige technische Ausrüstung jedenfalls steht in Hannover bereit.

Druckluft muss heute lückenlos auf Bedarf zur Verfügung stehen. „Der Kommunikationselektronik kommt im Druckluftbereich daher künftig eine bedeutende Aufgabe zu“, glaubt Luc Hendrickx, Leiter des Atlas-Copco- Konzernbereichs Kompressortechnik. „Mit unserem Produkt Airconnect können wir den aktuellen Betriebszustand einer Kompressoranlage via Internet überwachen.“ Auf diese Weise erhält der Nutzer Fernzugriff auf die Anlagen. Außerdem lässt sich so leicht eine vorbeugende Instandhaltung verwirklichen. Bedenken, dass die Zunahme der Elektronik wie im Automobilsektor wegen ihrer Anfälligkeit nicht unbedingt nur zu freudigen Gesichtern führe, zerstreut Hendrickx: „Wir wollen dafür sorgen, dass die Elektronik die gleiche hohe Verfügbarkeit wie die Mechanik aufweist.“

Ebenso geht der Trend zur wachsenden Computerisierung von allen angeschlossenen Maschinen und Werkzeugen. Was „Microsoft Office¿ fürs Büro ist, soll künftig ToolsNet als erstes Standard-Netzwerkprogramm für die Schraubmontage sein. So jedenfalls sieht es der Entwickler des Software-Paketes, Druckluftspezialist Atlas Copco Tools in Essen. Wer diese Programme braucht? „Jeder, der seinen schlechtesten Schrauber nicht kennt¿, antwortet Felix Maier, Software-Experte von Atlas Copco. Seine präzisere Antwort: „Jeder, der mit seinen Schraubern auf einfache Weise kommunizieren will, die Prozesssteuerung im Null-Fehler-Griff haben muss und jederzeit von seinem PC aus eingreifen möchte, wenn etwas nicht so läuft, wie es soll.¿

Zudem lässt sich ein weiters Problem per Computerisierung leichter in den Griff bekommen: Heute sind in einem Betrieb häufig mehrere Kompressorstationen im Einsatz, die unabhängig gesteuert werden. Die unangenehme Folge: Oft arbeiten mehrere Aggregate gleichzeitig im Leerlauf. Eine übergeordnete Steuerung, die alle Kompressoren erfasst, schafft hier Abhilfe.

Auch der Anbieter Kaeser Kompressoren bietet unter der Bezeichnung „Sigma Tele Care“ eine Kombination aus Ferndiagnose und bedarfsorientierter, vorbeugender Wartung für seine Anlagen an. Mit der auf der Messe präsentierten und gemeinsam mit Siemens entwickelten Kompressorensteuerung „Sigma Control“ kann die Kompressorleistung exakt an den jeweiligen Druckluftbedarf angepasst werden. Jeder mit dieser Industrie-PC-Steuerung ausgestattete Kaeser-Kompressor lässt sich via Telefonmodem oder Profibus DP in das weltumspannende Kaeser-Datennetz einloggen. Dadurch sind Betriebszustände und -parameter des Kompressors, wie momentaner Druckluftbedarf, Druckveränderungen, Luftverbrauchswerte und die Temperaturkurven aller Maschinen als HTML-Seiten per Webserver mit einem handelüblichen Browser abrufbar. Servicefachkräfte können so per Laptop direkt mit der Druckluftstation kommunizieren und im Fall einer Fehlfunktion per Datenleitung präzise Diagnosen stellen. Und mit dem Kaesers Druckluft-Managementsystem Sigma Air Manager kann der Nutzer die Frage, wie viel ein m3 Druckluft kostet, quasi per Mausklick beantworten. Dass Teleservice zu den 15 Zukunftstrends in der Drucklufttechnik zählt, betätigt ebenfalls Wolf D. Meier-Scheuven, Chef des Kompressor-Herstellers Boge, Bielefeld.

In diese Richtung entwickelt auch Alup Kompressoren in Köngen und stellt auf der Hannover Messe die verbrauchsabhängige Verbundsteuerung „Multi Control 3“ vor. Diese externe, eigenständige Lösung verwaltet über ein Bussystem alle Kompressoren einer Druckluftstation. „Sie arbeitet mit höchster Flexibilität ausschließlich bedarfsabhängig ohne Vorgabe von starren Zeitfenstern“, hebt Produktmanager Volker Thomassen hervor. So gehe es beim Einsatz der neuen Steuerung primär um das Reduzieren der teuren Leerlaufzeiten und damit um erhebliche Einsparungen an Energiekosten. Als optionales Highlight biete die Steuerung eine aktive Druckregelung. „Dann wird die Station über maximal vier zusätzliche Drucksensoren besonders versorgungs- und kostenoptimal gefahren“, ergänzt Volker Thomassen. Die Steuerung erkenne dabei alle Einflüsse auf den Druck innerhalb des Leitungssystems und korrigiere entsprechend den Betriebsdruck in zwei Richtungen: Steigt der Druckverlust im Netz, wird der Betriebsdruck der Kompressoren erhöht. Sinkt der Druckverlust, wird der Betriebsdruck der Kompressoren automatisch abgesenkt. Dazu wählt die Steuerung aus allen Kompressoren der Station immer aktuell die Konfiguration aus, welche die Druckluft mit höchstmöglicher Energieausnutzung produziert.

Doch auch am Kompressor selber schreitet die Elektronikintegration fort. So präsentiert das italienische Unternehmen Ceccato Aria Compressa aus Brendola einen Kompressor mit intelligenter Abschaltfunktion, welche die Leerlaufzeiten verringern soll. Durch Überwachung der Betriebszyklen werden die minimalen Leerlaufzeiten ständig neu ermittelt und angepasst. Dass sich durch die Reduzierung der Leerlaufzeiten beträchtliche Energie- und Kosteneinsparungen realisieren lassen, ist für den italienischen Aussteller mit Sicherheit ein starkes Werbeargument aus der kommenden Hannover Messe. EDGAR LANGE/KIP

Ein Beitrag von:

  • Dietmar Kippels

    Redakteur VDI nachrichten im Ressort Produktion. Fachthemen: Maschinenbau, CAD, Lasertechnik

  • Edgar Lange

    Freier Fachjournalist in Düsseldorf. Schreibt vor allem über IT-Themen.

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