Maschinenbau 07.08.2009, 19:42 Uhr

Die Fallgeschwindigkeit verringert sich  

Bessere Zeiten, auf die hofft der Maschinen- und Anlagenbau in Deutschland bislang vergeblich. Doch es gibt Bereiche, denen geht es gut, andere leiden dafür umso mehr. Der Unternehmer Bernd Münstermann hatte seinen Tiefpunkt in der vorangegangen Krise und daraus gelernt. Deshalb verkraftet er den Umsatzeinbruch von 50 % – zumindest bis zum Jahr 2010. VDI nachrichten, Düsseldorf, 7. 8. 09, jul

Der Maschinen- und Anlagenbau befindet sich im freien Fall. Im Mai 2009 sind die Auftragseingänge im Vergleich zum Vorjahresmonat um 48 % eingebrochen. Das ist dramatisch, denn der Maschinen- und Anlagenbau ist mit 956 000 Beschäftigten der größte industrielle Arbeitgeber in Deutschland.

Rund 50 000 neue Stellen sind allein im vergangenen Jahr entstanden. Und genau so viele Beschäftigte müssen nach Angaben vom Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau VDMA um ihre Arbeitsplätze fürchten. Selbst wenn die erhoffte Trendwende doch noch kommen sollte. Die charakterisiert der Chefvolkswirt des Branchenverbandes, Dr. Ralph Wiechers so: „Wir fallen langsamer.“

Im Jahr 2008 erwirtschaftete die Branche rund 205 Mrd. € und damit 8,2 % mehr als im Vorjahr. Für das laufende Jahr erwartet der Verband einen Umsatzrückgang von zehn bis 15 %. Doch was die Zeit darüber hinaus anbelangt, gibt sich VDMA-Hauptgeschäftsführer Hannes Hesse zuversichtlich, allerdings nicht über alle Zweige der Branche hinweg. „Energie- und Ressourceneffizienz sowie alles rund um das Thema Wasser werden aus unterschiedlichen Gründen immer wichtiger werden.“ Am unteren Ende rangieren nach seinen Angaben derzeit Unternehmen, die von Aufträgen aus dem Automobil-, Stahl- und Werkzeugbau leben.

„Um die Krise zu überstehen, ist Liquidität notwendig, damit Rechnungen, Löhne und Gehälter bezahlt werden können“, mahnt Hesse. Dass eine solide Ausstattung mit Finanzmitteln ebenso unerlässlich ist, scheinen die Betriebe inzwischen erkannt zu haben. Nach einer Verbands-Umfrage haben die Betriebe ihre Eigenkapitalquote in den Jahren 2005 bis 2007 um etwa zehn auf 34 % erhöht. Hesse ist überzeugt: „Wenn es den Unternehmen gelingt, Strukturen und Arbeitsabläufe zu optimieren, sowie den Ertrag von morgen durch intelligente Zusatzinvestitionen vorzubereiten, dann kann man in der Tat gestärkt aus der Krise hervorgehen.“

Der Unternehmer Bernd Münstermann, Inhaber der Bernd Münstermann GmbH & Co. KG, ist ein Paradebeispiel dafür. „Wir müssen einen Umsatzrückgang von 50 % verkraften. Das ist zwar deutlich mehr als bei der Rezession im Jahr 2003. Doch die Krise damals beutelte uns deutlich heftiger als jetzt. Denn aus den Fehlern der Vergangenheit haben wir gelernt“, sagt Bernd Münstermann. Damals musste er zur Bank, wollte Geld und bekam keines, wenn er seinen Betrieb fortführen wollte wie bisher. „Zunächst war ich auf den Banker stinksauer, bis mir nach zwei Tagen klar war, dass er mir zurecht den Spiegel vorgehalten hatte.“

Das hat gewirkt! Münstermann verabschiedete sich von den Strukturen handwerklicher Unternehmensführung, in der alle Macht beim Chef liegt hat und führte eine mittelständische Unternehmensstruktur mit eindeutiger Kompetenzregelung und Arbeitsteilung ein. Die unerwartete Überraschung: Innerhalb von fünf Jahren stieg der Umsatz von 18 auf 46 Mio. € und die Eigenkapitalquote von fünf auf 50 %. „Was besseres, als Macht abzugeben, hätte mir gar nicht passieren können“, sagt Münstermann heute. „Einfach war das nicht. Ich habe gelitten wie ein Hund.“

Bernd Münstermann hat nach einer Lehre zum Schmied Maschinenbau studiert und anschließend den elterlichen Betrieb übernommen. Aus der Zwei-Mann-Hufschmiede wurde unter seiner Regie ein 230 Mitarbeiter starkes Unternehmen mit Sitz in Telgte bei Münster, das sich mit Trocknungsanlagen einen guten Ruf in der Industrie erarbeitet hat.

Im Laufe der Zeit erweiterte Münstermann seine Produktpalette um die Bereiche Fördern und Entstauben, ganz im Sinne des Systemdenkens. „Damit konnten wir vor- und nachgelagerte Prozessschritte bei unseren Kunden mitabdecken.“ Das Konzept ging auf und das Unternehmen wuchs beständig bis zum besagten Jahr 2003 als der Umsatz um vier auf 18 Mio. einbrach. Im Vergleich zu heute war das bescheiden, doch damals stand die Firma auf der Kippe.

„Bis zu etwa 70 Mitarbeitern und einem Umsatz unter 10 Mio. € kann man auch als Ingenieur ein Unternehmen allein erfolgreich führen. Darüber hinaus sollte man eine spezialisierte Führungscrew einbinden.“ Mit dieser Einsicht, ausgelöst durch den Banker, strukturierte Münstermann seinen Betrieb um.

Heute gibt es eine sechsköpfige Führungscrew. Münstermann hat sich zudem nach außen geöffnet: Obwohl es die Firma nicht müsste, werden Bilanzen sowie Gewinn- und Verlustrechnungen auf der amtlichen Plattform www.unternehmensregister.de veröffentlicht. „Das schafft Vertrauen bei Partnern, Kunden und Mitarbeitern.“

Ab dem Zeitpunkt seiner Entscheidung zur Neustrukturierung hat Münstermann keine Post mehr gesehen und sich aus dem operativen Geschäft vollständig zurückgezogen. „Wäre immer noch mein Zeichen an jedem Schriftstück, würden die Mitarbeiter meinen: Wenn es Probleme gibt, kümmert sich schon der Chef darum. Wie früher eben.“ Doch das war mal. Münstermann hat sich schrittweise von dem Machtinstrumentarium Wissen gelöst, zugleich Verantwortung auf mehrere Schultern verteilt und die Erkenntnis gewonnen: „Unter dem Strich machen das speziell ausgebildete Leute ohnehin besser als einer allein.“

Münstermann ist 56 Jahre und der notwendige Umbau war für ihn keine Frage des Alters, sondern des Wachstums. „Für uns ging es eindeutig zu schnell, und wenn man immer den Kopf voll hat mit dem Tagesgeschäft, bleibt für Strategien keine Zeit.“ Im neuen Geschäftsmodell hat er sie und konnte so den Auslandsanteil am Umsatz in den zurückliegenden Jahren von zehn auf 60 % ausbauen.

Münstermann hat freiwillig Macht abgegeben, die Entscheidungsvollmacht aber ist bei ihm geblieben. „Wir sind betriebswirtschaftlich super aufgestellt mit entsprechender Liquiditäts- und Finanzplanung sowie einer dicken Eigenkapitaldecke, sodass wir beruhigt nach vorne schauen können.“ Sollte die Wirtschaft Mitte 2010 wieder anziehen, hätte Münstermann keine nennenswerten Probleme, um die Zeit bis dahin zu überbrücken.

Ein Beitrag von:

  • Peter Ilg

    Peter Ilg ist freier Journalist und verfasst Texte über Arbeitsmarkt und Berufe, Mobilität und Fahrberichte, Wirtschaft und Märkte.

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