Werkzeugmaschinen 23.06.2006, 19:22 Uhr

Deutscher Werkzeugmaschinenbau geht fremd  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 23. 6. 06, käm – Zu viele Heimspiele, so würde man es in der Fußballbranche sagen. Eine analoge Situation sieht die IKB Deutsche Industriebank bei der deutschen Werkzeugmaschinenbranche. Denn Europa, der Markt vor der Haustür, ist mit 50 % bevorzugtes Absatzgebiet. Jetzt sei Globalisierung angesagt, mahnen die Banker. Dieser Ansicht ist auch der Herstellerverband VDW, wie dieser Tage auf der Metallbearbeitungsmesse Metav in Düsseldorf diskutiert wurde.

Endlich, endlich: „Der Knoten scheint geplatzt, der Investitionsstau im Inland löst sich auf“, freut sich Detlev Elsinghorst, Vorsitzender des Metav-Komitees. Mit Ausnahme der Automobilindustrie würden alle wichtigen Kunden des deutschen Werkzeugmaschinenbaus auch in Deutschland im laufenden Jahr kräftig investieren, so Elsinghorst bei der Eröffnungskonferenz zur Messe Metav vom 20. bis 24. Juni in Düsseldorf. In den vergangenen Jahren seien In- und Auslandsnachfrage erheblich auseinander gelaufen. Aufgrund der dynamischen Auslandsnachfrage habe sich die Branche in den Jahren 2004 und 2005 dennoch sehr positiv entwickelt.

„Im laufenden Jahr sorgen nun auch die inländischen Abnehmerbranchen dafür, dass die Nachfrage stärker steigt als zunächst erwartet in den ersten vier Monaten legte sie um 17 % zu“, erläutert Elsinghorst und betont: „Die Auslandsbestellungen laufen weiter stabil auf hohem Niveau.“ In diesem positiven Umfeld sieht der Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken (VDW) eine erfolgreiche Metav Düsseldorf.

Dieses Jahr zeigen 925 Aussteller aus 21 Ländern ihre Produkte, Lösungen und Dienstleistungen für die industrielle Fertigung. Sie belegen in sieben Hallen über 56 000 m² Nettoausstellungsfläche. Fast ein Viertel der Aussteller kommt aus dem Ausland. Gemessen an der Fläche sind Fräsmaschinen und Bearbeitungszentren, Präzisionswerkzeuge, Drehmaschinen sowie Peripherie und Dienstleistungen die bedeutendsten Bereiche.

Deren Konjunktur läuft: Im 1. Quartal 2006 stiegen die deutschen Ausfuhren um 12 %. Die Verkäufe nach Europa, dorthin gingen im vergangenen Jahr über die Hälfte der Exporte, wuchsen fast doppelt so stark. Unter den Top-Absatzmärkten für den deutschen Werkzeugmaschinenbau sind zehn europäische Abnehmerländer. Besonders gut entwickelten sich die Ausfuhren nach Österreich, Großbritannien und Schweden.

Bereits seit Mitte 2003 stieg die Industrieproduktion in Deutschland überproportional im Vergleich zur übrigen EU. Davon profitiert nun der Werkzeugmaschinenbau mit einem Zeitverzug, denn die Abnehmer lasten zunächst die vorhandenen Kapazitäten aus, bevor sie in deren Ausbau und Modernisierung investieren – eine günstiger Zeitpunkt also für die Metallbearbeitungsmesse Metav, diese Woche in Düsseldorf. „Für den deutschen Werkzeugmaschinenbau, der den größten Ausstellungsbereich auf der Metav abbildet, läuft der Konjunkturmotor rund, in Deutschland ebenso wie in Europa“, sagt Elsinghorst. Doch es gibt noch weitere Horizonte .

Mehr denn je überwögen die Möglichkeiten des weltweiten Agierens die Risiken, stärkt Heinz-Jürgen Büchner gerade mittelständischen Herstellern das Kreuz. Der Industriestandort Deutschland sei sogar gefährdet, würden sie sich der Internationalisierung verweigern, sagte der Direktor Volkswirtschaft und Research bei der Präsentation der neuen Studie „Globalisierung der Abnehmermärkte: Chancen für den Werkzeugmaschinenbau“ der IKB Deutsche Industriebank AG am 21. Juni auf der Messe Metav. Büchner unterstrich, dass die zunehmend weltweite Arbeitsteilung die Wertschöpfungsketten nur vordergründig durcheinander brächten. „Durch Investition in ausländische Märkte wird ein oft unvermeidlich scheinender Stellenabbau im eigenen Unternehmen gestoppt. Mehr noch: „Solche Investitionen eröffnen sogar die Chance auf mehr Beschäftigung, weil die zentralen Koordinations- und Lenkungsaufgaben und auch die Innovationstätigkeit zunimmt.“

Eindeutigen Beweis dafür, dass die Beschäftigtenzahl gerade wegen einer massiven Internationalisierung für neue Arbeitsplätze in Deutschland sowie für eine Stärkung der Marktposition sorge, liefert laut Büchner die Automobilindustrie: Seit 1995 habe die Zahl der Beschäftigten dieser Branche um rund 110 000 zugenommen. Auch die 20 größten Werkzeugmaschinenbauer deutscher Herkunft produzierten heute samt und sonders international. Rechne man die damit erbrachte Wirtschaftsleistung dem Branchenumsatz hinzu, ergebe sich ein globaler Umsatz von 11,6 Mrd. €. Ohne Werkzeugmaschinen sei keine industrielle Produktion möglich. Rund 30 % des rund 165 Mrd. € Umsatz starken Weltmarkts für Fertigungstechnik seien heute durch Werkzeugmaschinen bestimmt, betonte Büchner auf der Metav.

„Obwohl die Werkzeugmaschinenbranche derzeit das dritte Wachstumsjahr in Folge erlebt, sollte jedem klar sein, dass der nächste Zyklus bevorsteht“, warnt IKB-Chefvolkswirt Büchner. Die Internationalisierung auch mittelständischer Firmen – durch neue Vertriebsstützpunkte oder auch durch die Gründung neuer Produktionsstandorte – sei daher mehr als bloß ein „Plan B“. Die Unternehmen müssten zur Kenntnis nehmen, dass mit jedem eigenen Erfolg vor allem im asiatischen Markt die Zahl der dortigen Wettbewerber steige.

Carl-Martin Welcker, Vorsitzender des Metav-Veranstalters VDW, sieht die Chancen der deutschen Branche vor allem in der Schaffung und Pflege nicht kopierbarer Produkte sowie dem zum Produktionssystem gehörigen Service. „Bereits heute machen diese Leistungen 17 % unseres 10,4 Mrd. €€großen Weltumsatzes aus.“ Proprietäre Leistungen wie das Ersatzteilwesen, Montage, Inbetriebnahme, Schulung und Teleservice seien genau so wenig in Gefahr plagiiert zu werden wie exzellente Anwendungsberatung. Hier müsse die Branche auf jeden Fall globaler denken und handeln. WOLFGANG FILI/KÄM

Von Wolfgang Fili/Käm
Von Wolfgang Fili/Käm

Stellenangebote im Bereich Maschinenbau, Anlagenbau

Borsig Service GmbH-Firmenlogo
Borsig Service GmbH Projektleiter Anlagenbau (m/w/d) Berlin
SEW-EURODRIVE GmbH & Co KG-Firmenlogo
SEW-EURODRIVE GmbH & Co KG Internationaler Projektleiter Systemlösungen (w/m/d) Bruchsal
BAUER KOMPRESSOREN GmbH-Firmenlogo
BAUER KOMPRESSOREN GmbH Leiter Vertrieb Atemluftkompressoren (m/w/d) München
Abfallwirtschaft GmbH Halle-Lochau-Firmenlogo
Abfallwirtschaft GmbH Halle-Lochau Projektmanager Vertragsmanagement und Maßnahmenüberwachung (m/w/d) in der Abteilung Umwelt- und Sicherheitscontrolling Schkopau
Zurich Gruppe Deutschland-Firmenlogo
Zurich Gruppe Deutschland Risk Engineer (m/w/d) Haftpflicht für unsere Industriekunden Frankfurt am Main
ifm electronic gmbh Vertrieb Deutschland-Firmenlogo
ifm electronic gmbh Vertrieb Deutschland Vertriebsmitarbeiter / Sales Engineer Sensorik und Steuerungstechnik (m/w/d) Region Bayern
Minimax GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Minimax GmbH & Co. KG Product Launch Manager (m/w/d) Bad Oldesloe
Total Deutschland GmbH-Firmenlogo
Total Deutschland GmbH Leiter (m/w/d) Produkttechnik & Rangemanagement Berlin
AGCO Hohenmölsen GmbH-Firmenlogo
AGCO Hohenmölsen GmbH Segmentleiter (m/w/d) Komponentenfertigung Hohenmölsen
VPA Prüf- und Zertifizierungs GmbH-Firmenlogo
VPA Prüf- und Zertifizierungs GmbH Prüfstellenleitung / Laborleitung (w/m/d) Remscheid

Alle Maschinenbau, Anlagenbau Jobs

Top 5 Maschinenb…

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.