Maschinenbau 02.07.2010, 19:47 Uhr

Deutsche Kunststoffmaschinenbauer wehren sich gegen bedrohlich werdende Produktpiraterie

Während der „K 2010“, der Weltleitmesse für Kunststoff und Kautschuk vom 27. Oktober bis 3. November in Düsseldorf, wollen die deutschen Kunststoffmaschinenbauer gezielt gegen Produktfälscher vorgehen. Denn Kunststoffmaschinen made in Germany werden von den Plagiatoren besonders gerne kopiert. Einer aktuellen Umfrage der Arbeitsgemeinschaft Produkt- und Know-how-Schutz (AG Protect) im VDMA zufolge sind bereits zwei Drittel der befragten deutschen Unternehmen von Produktpiraterie betroffen.

Deutsche Kunststoff- und Gummimaschinen genießen weltweit einen hervorragenden Ruf. Allerdings zieht dieses positive Image der deutschen Hersteller laut Thorsten Kühmann, Geschäftsführer des VDMA-Fachverbands Kunststoff- und Gummimaschinen, Frankfurt am Main, auch seine Schattenseiten nach sich. Unter den von Produktpiraterie betroffenen VDMA-Mitgliedsunternehmen stammen bereits 9 % aus dem Kunststoff- und Gummimaschinenbau, wie der Fachverbandssprecher Ende Mai auf der Jahrestagung 2010 in Mainz erklärte.

Im Durchschnitt war laut dem Umfrageergebnis unter den insgesamt rund 3000 meist mittelständischen VDMA-Mitgliedern mehr als jedes zweite Unternehmen von Produktpiraterie betroffen. Knapp zwei Drittel der Unternehmen, die sich an der Umfrage beteiligten, meldeten vermeidbare Täuschungen der Herkunft. An zweiter Stelle der Rechtsverletzungen standen Geschmacksmuster mit 26 %. Danach folgten Patent- und Gebrauchsmusterverletzungen mit 16 %. Markenverletzungen waren von 11 % der Befragten gemeldet worden.

Den Umfrageergebnissen zufolge waren mit 74 % die meisten der von den Unternehmen gemeldeten Plagiatfälle in Asien verbreitet worden. Bei den Ländern stand China mit 68 % der Produktfälschungsmeldungen an der Spitze.

Im VDMA-Fachverband Kunststoff- und Gummimaschinen wurden 63 % der betroffenen Hersteller durch Hinweise von Kunden auf die Plagiate aufmerksam. 58 % der Melder hatten auf Messen und mithilfe eigener Marktkenntnisse die Rechtsverletzungen erkannt. Immerhin 16 % der betroffenen Unternehmen wurden durch einen Absatzrückgang auf die Plagiate aufmerksam.

Die Branche will sich jetzt verstärkt gegen dreiste Produktfälschungen wehren. So wird laut Kühmann während der internationalen Weltleitmesse in Düsseldorf ein vielversprechender Ansatz weiter verfolgt: Bereits auf früheren Veranstaltungen seien beispielsweise über den „Blick auf die Produktsicherheit“ einige Versuche von Produktpiraten vereitelt worden, in Europa Geschäfte zu machen. „Das Überprüfen der auf der Messe ausgestellten Maschinen auf Konformität mit den Bestimmungen der EU-Maschinenrichtlinie sowie auf CE-Schutzbestimmungen öffnet einen neuen Weg, um Plagiatore in die Schranken zu weisen“, so der Fachverbandsgeschäftsführer. Darüber hinaus biete der VDMA seinen Mitgliedsunternehmen – zusätzlich zu Publikationen und Informationen – bei Veranstaltungen rechtliche Beratung speziell zu Verletzungen ihres Know-hows und ihrer gewerblichen Schutzrechte an. Denn der Kampf gegen Produktpiraterie müsse an vielen Fronten gleichzeitig geführt werden.

Die juristische Unterstützung ist eine wichtige Maßnahme im Kampf um den Schutz von materiellem und geistigem Eigentum, wie Marc Wiesner, der Experte für Produktpiraterie der Abteilung Recht im VDMA in Mainz hervorhob. Aber auch die modernen Medien tragen dazu bei, sich gegen Produktfälscher erfolgreich zu wehren. Wiesner: „Das Internet macht vieles transparenter.“ Viel schneller als früher könnten beispielsweise die Unternehmensvertreter heutzutage bemerken, wenn Produkte angeboten werden, die den eigenen täuschend ähnlich sind oder eindeutig illegale Nachahmungen darstellen. Das weltweite Datennetz helfe damit nicht nur beim Verkauf illegaler Waren, es bringe ebenso Rechtsverletzungen schnell ans Licht.

Allerdings kopieren die Fälscher heutzutage nicht nur die Ideen oder Produkte der Originalhersteller, sondern sie gehen sogar noch einen Schritt weiter. „Immer häufiger werden die Fotos und Werbeprospekte der Originalhersteller verwendet“, stellte Wiesner in Mainz fest. „Damit erzielen die Plagiatore ein maximales Ergebnis bei minimalem Arbeitseinsatz, denn“, so betonte der Experte, „sie machen sich nicht einmal mehr die Mühe, ein Foto von den nachgebauten Produkten oder Maschinen anzufertigen.“ Vor allem in diesen Fällen sei eine Urheberrechtsverletzung meist eindeutig festzustellen.

Als Beispiel dafür nannte Wiesner den Fall eines indischen Unternehmens, das im Internet nicht nur mit illegalen Produkten, sondern auch mit Kopien der Originalbilder dieser Produkte potenzielle Kunden auf sich aufmerksam machen wollte. Dies sei mit Unterstützung des VDMA-Büros in Kalkutta umgehend abgestellt worden.

Durch den illegalen Nachbau ist die deutsche Investitionsgüterindustrie laut den VDMA-Informationen am stärksten betroffen, aber gleichzeitig sei die Branche Weltmarktführer bei der Entwicklung von Technologien zu deren Abwehr. Die neue Arbeitsgemeinschaft Produkt- und Know-how-Schutz (AG Protect) wird laut ihrem Geschäftsführer Rainer Glatz allen VDMA-Mitgliedern die neuesten Entwicklungen und Maßnahmen gebündelt zu Verfügung stellen. Denn durchschnittlich 4 % Umsatzverlust, so der AG-Protect-Sprecher, seien nicht als Bagatelle abzuschreiben. Vor zwei Jahren habe der Prozentsatz noch bei 3,7 % gelegen. Den durch Produktpiraterie für die Investitionsgüterindustrie insgesamt entstehenden Schaden schätzt Glatz aufgrund des VDMA-Umfrageergebnisses 2010 auf 6,4 Mrd. €.

Aus dem Fachzweig Kunststoff- und Gummimaschinen zählt jetzt bereits jedes elfte Unternehmen zu den von Plagiaten betroffenen deutschen Unternehmen. Bei der Umfrage 2008 war es noch jedes 20. Unternehmen. „Bei diesen Zahlen ist es absolut erforderlich, sich zu schützen“, betont Kühmann. Auf der Kunststoffmesse in Düsseldorf will die Arbeitsgemeinschaft deshalb zeigen, welche Schutzmechanismen gegen Produktpiraterie von Ersatzteilen bis zur gesamten Maschine bereits vorhanden oder gerade in der Entwicklung sind. ROLF MÜLLER-WONDORF

Von Rolf Müller-Wondorf
Von Rolf Müller-Wondorf

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