Engineering 06.11.1998, 17:19 Uhr

Deutsche innovativer als ihr Ruf

Innovative Unternehmen sind die Sterne am Wirtschaftshimmel. Eine länder- und branchenübergreifende Studie stellte jetzt fest, daß kanadische, amerikanische und schweizer Unternehmen kaum heller leuchten als die deutschen.

Otto Wolff von Amerongen hat schon viel gemacht und viel gesehen – nur war wenig Neues dabei. Da kam der findige Ex-Präsident des Industrie- und Handelstages (DIHT) auf die Idee, die unternehmerischen Stars der Innovationen weltweit zu untersuchen. Das war pfiffig, denn zu der Unternehmensgruppe des Ost-Experten gehört auch eine Unternehmensberatung die Agamus Consult in Starnberg – die unter anderem Innovationskonzepte verkauft. Amerongen beauftragte sie mit der Studie, die die Starnberger nun ebenfalls vertreiben sollen. Jetzt hat die Agamus Consult das Innovationsmanagement erfolgreicher Unternehmen beleuchtet. Das Ergebnis des Fragebogens, den 716 Unternehmen zu Beginn diesen Jahres beantworteten, bietet auf rund 400 Seiten einige Überraschungen. Bei der Präsentation der Studie „Stars der Innovationen“ am Mittwoch dieser Woche in Frankfurt legte sich der Agamus-Geschäftsführer Leonhard Weck denn auch mächtig ins Zeug: „Neue Produkte erfinden, sie zu entwickeln und erfolgreich zu vermarkten, ist der Schlüssel zum unternehmerischen Erfolg“. Lean Management, also die effiziente Ausgestaltung der Leistungserstellung, sei auf dem Rückzug, erklärte der Unternehmensberater, der auch das Projekt leitete. Da Innovation in den 90er Jahren die modische Magersucht der 80er abgelöst hat, richten die befragten Unternehmen in den Vereinigten Staaten, Kanada und Japan ihr Interesse verstärkt auf neue Ideen. Dabei können sie sich laut Weck leicht mit anderen messen. Schließlich sei die Studie ein wahrer Wegweiser zu mehr Innovationen, ein Meilenstein geradezu: „Das ist das Rezept für Erfolg. Jedes Unternehmen kann sich anhand einfacher Kennzahlen – wie etwa Länderzugehörigkeit, Branche oder Mitarbeiterzahl – mit den entsprechenden erfolgreichsten Innovatoren vergleichen.“ Weck s Kalkül: Schneidet ein Konkurrent besser ab, so liegt es an dessen Innovations-Konzept. Dieses muß das Unternehmen nur noch kopieren – und schon stellt sich der Erfolg ein. Natürlich sagt Weck das nicht so direkt. Der Unternehmensberater will vielmehr nachdenklich stimmen – zum Beispiel mit dem Hinweis, daß nur 67 % der mittelständischen Unternehmen parallel zu ihren Innovationsvorhaben ein Marketing- und Vertriebskonzept erstellen – im Gegensatz zu 85 % der Konzerne. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, daß innovative Manager auch die am Markt erfolgreichsten sind. Doch die durchschnittliche Innovationskraft von Unternehmen in verschiedenen Ländern weist nur geringe Unterschiede auf (siehe Grafik): Der Abstand zwischen dem innovativsten Land der Studie – den USA mit 761 von möglichen 1000 Punkten – und Deutschland (Platz vier) beträgt gerade mal 13 Punkte oder 1,7 %. „Das ist ein Argument gegen die Schwarzmalerei des Innovations-Standortes Deutschlandes“, sagt Weck, „unsere Studie zeigt, daß es jedes Unternehmen selbst in der Hand hat, ein erfolgreicher Innovator zu werden.“ Den größten Nachholbedarf bei der Einrichtung eines erfolgreichen Innovationsmanagements haben die Unternehmen in den Ländern Spanien (708 Punkte), Dänemark (692 Punkte) und Schweden (670 Punkte), die die Schlußlichter bilden. Ein weiterer Schwerpunkt der Studie war die Frage, wie die Unternehmen den eigenen Innovationserfolg einschätzen. Während deutsche Manager eher einen realistischen Blickwinkel einnehmen, überschätzen sich die Unternehmen in Österreich, Dänemark und Frankreich. Dagegen belegen die Vereinigten Staaten in der Selbsteinschätzung nur den ehrenvoll-bescheidenen drittletzten Platz. „Die Vorsichtigen streben höhere Ziele an als die Selbstüberschätzer“, begründet Weck. Laut dem Unternehmensberater betrachten amerikanische Unternehmen beispielsweise ihre Produktinnovation erst bei 30 % Umsatzsteigerung als Erfolg. Selbstsicherere Manager gäben sich auf der anderen Seite wahrscheinlich mit weit weniger zufrieden. Der Einfluß des Innovationsklimas im eigenen Land hat laut der Studie keinen signifikanten Einfluß auf den Erfolg der Unternehmen. „Schließlich ist das keine objektive Größe“, stellt Weck klar. Natürlich würden die erfolgreichen Innovatoren das Klima immer günstiger einschätzen als die weniger erfolgreichen Innovatoren. So bewerteten die Niederländer das Umfeld in ihrem Land zum Beispiel positiver als die Deutschen. Dennoch sind unter deutschen Unternehmen relativ mehr erfolgreiche Innovatoren als in Holland anzutreffen. Konjunktur hin oder her: Weck ist sicher, daß ein gut funktionierendes Innovationssystem den Erfolg mehr beeinflußt als äußere Faktoren. Auch die Anzahl der vom Unternehmen angemeldeten Patente sagt laut „Stars der Innovation“ nichts über die Innovationskraft aus. „Nicht die Quantität neuer Produkte ist für den Erfolg verantwortlich, sondern die Qualität“, begründet Projektleiter Weck. Der Markterfolg unterscheide den erfolgreichen vom weniger erfolgreichen Innovator. Auch die Tiefe der Innovation spiele eine entscheidende Rolle will sagen: neue Besen kehren besser. Je neuer ein Produkt ist, desto erfolgreicher das Unternehmen. Eine bloße Änderung des Designs bestehender Produkte – auch Scheininnovation genannt – sei kein Erfolgsgarant. Eine Studie des Instituts für Wirtschaftsforschung (Ifo) kommt zu ähnlichen Ergebnissen. Die deutsche Industrie verfüge über ein ausreichendes Innovationspotential, um der internationalen Konkurrenz gewachsen zu sein, stellten die Kölner 1997 fest. Auch wenn deutsche Unternehmen nicht in allen Bereichen zur Spitze zählten, würden sie doch in einem breiten Spektrum das Feld anführen. Drei Viertel der Unternehmen seien innovativ. Problematisch sind laut Ifo jedoch die steigenden Innovationskosten. Die Ergebnisse der Ifo-Studie stimmen mit den „Stars der Innovation“ überein. Wenig Neues also. Aber Otto Wolff von Amerongen hat es neu interpretiert.
ARNDT WERNER/ CORDELIA BECKER
Die Studie (400 Seiten) ist für 1850 DM erhältlich bei Agamus Consult, Fax: 0 81 51/ 90 28 28.

Von Arndt Werner/Cordelia Becker
Von Arndt Werner/Cordelia Becker

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