Engineering 28.01.2000, 17:24 Uhr

Design mit Charakter hilft der computergestützten Konstruktion

Mit Inquire Design, einer neuen Software für rechnergestützte Formengestaltung, will das Münchener Systemhaus Inquire schnelles, marktnahes Design vorantreiben – ohne die gesamte Entwicklungskette dabei aus dem Auge zu verlieren.

Optimales Produktdesign möglichst effektiv und problemlos in die Entwicklungskette integrieren – aber wie? Das Münchener Systemhaus Inquire hat auf diese Frage einige Antworten parat: „Unser Unternehmen hat sich zum Ziel gesetzt, innovative Softwareprodukte zu entwickeln, die Designer und Entwickler von 3D-Computeranimationen in ihrer täglichen Arbeit unterstützen“, so die Firmengründerin und heutige Vorstandsvorsitzende Jeanine Graf. Sie hat ihre diesbezüglichen Visionen bereits während ihres Studiums entwickelt und gilt heute als eine anerkannte Expertin im Bereich Computergrafik und künstliche Intelligenz.
Auf der Suche nach dem kleinsten gemeinsamen Vielfachen der Designarbeit stießen die Münchener schließlich auf die sogenannten Charakterlinien, auch Featurelines genannt. „Man stelle sich dazu die bestimmende Kontur eines schönen Weinglases vor, den Schattenriss eines Sportwagens oder die Seitenansicht einer Spiegelreflexkamera“, führt Jeanine Graf aus. Jenes also, was beispielsweise Luigi Colani aus dem Unterarmschwung zaubert: die charakteristischen Linien einer Form.
Auf diesen Linien nun baut Inquire Design auf. Die Software beschäftigt sich ausgiebig mit den Möglichkeiten, über diese Linien eine Geometrie zu bestimmen und zu verändern. „Verändert man mit diesem System eine solche Charakterlinie, so kann man damit das gesamte Modell – oder auch nur ausgewählte Teile – verändern“, erklärt Graf die grundsätzliche Vorgehensweise. Während man bei einem normalen CAD-System die einzelnen Flächen und Elemente separat anpassen muss, passen sich unter Inquire Design alle Elemente automatisch und nahtlos der geänderten Linienführung an. Variiert man etwa die Dachkontur einer Autokarosserie, so wird das gesamte Dach, einschließlich der tragenden Säulen, Fahrzeugtüren oder Fenster der neuen Linie angepasst. Der Designer zupft und drückt am Bildschirm an seinen Basislinien, so als ob er sie als Plastikschlangen vor sich hätte.
Die Bedienung, heben die Münchener Entwickler hervor, sei dabei sehr einfach. Unter Unix und Windows gibt es jeweils eine spezifische Oberfläche, die den Designern entgegenkommen soll: Wenige Icons, geringe Menütiefe und sinnfällige Symbole. Alles, was für kompliziertere Arbeiten gebraucht wird, ist im Hintergrund „gelagert“, behindert also nicht die alltägliche Entwickler-Arbeit und kann bei Bedarf sofort hervorgeholt werden. Inquire Design erlaubt es darüber hinaus, von einem Grunddesign sehr schnell Variationen zu erstellen. Dabei können auch Charakterzüge eines Modells auf ein anderes Design-Vorhaben übertragen werden.
„Nehmen wir an, ein Designer hätte drei Weingläser als Ausgangspunkt seiner Arbeit. Von dem einen gefällt ihm der Fuß, von dem anderen der Stiel und von dem dritten der Kelch. Nehmen wir nun weiter an, der Fuß gefällt ihm sehr gut, der Stiel so mittelmäßig und der Kelch nur wenig“, führt die Firmenchefin aus. Dann könne der Entwickler auch das noch dem System mitteilen – beispielsweise über Prozentzahlen. „Er bewertet also Designmuster und lässt sich dann die möglichen Varianten errechnen und anzeigen. Das geht außerordentlich rasch und rechtfertigt den Begriff Designmaschine“, betont Jeanine Graf. Es könnten so auch ganze Formserien entstehen, die den gleichen Charakter vermitteln, aber eben mit unterschiedlicher Ausprägung. Sie zieht hierbei einen Vergleich mit der Natur: „Die Variation und Kombination einfacher Formen führt schließlich zur komplexen Ausprägung“.
Wichtig für die Designer, aber auch für die „Nachfolgekonstrukteure“, ist es natürlich, dass mit diesem System geschlossene Geometrien ohne Lücken entstehen. „Sind in einer erzeugten oder aus einem anderen CAD-System importierten Geometrie Datenlöcher zwischen verschiedenen Objekten, so bietet Inquire Design die Möglichkeit, diese mit Hilfe der Charakterlinien zu schließen“, ergänzt Jeanine Graf. Dabei würden die Randbedingungen der einzelnen Objekte aufeinander abgebildet und projiziert.
Das System sei gleichzeitig mit guten Import-Exportfunktionen ausgerüstet, um nicht isoliert, sondern mitten im Produkt-entstehungsprozess zu stehen. Das Programm kann dabei alle wesentlichen Grafikformate sowie die wichtigsten CAD-Formate verarbeiten, so die Münchener Software-Entwickler. Dazu gehören DXF, IGES und STEP (STEP 203 und 214). Auch lassen sich die Daten von anderen Designsystemen, wie 3D-Studio Max, Alias Wavefront oder Open Inventor problemlos weiterverarbeiten
Für das Publizieren der Modelle im Internet steht VRML I und II zur Verfügung. Gerade dieses Medium sieht die Inquire-Chefin im Mittelpunkt, wenn es um die Zusammenarbeit von Designern untereinander oder mit Kunden geht – rund um den Erdball. Sie initiierte daher einen „Raum“, in dem sie sich treffen können. „Design Universe“ ist kein Produkt, sondern eine Initiative von Jeanine Graf zur Gründung einer Internet-Community, in der sich Designer unter einer Homepage zusammenfinden und Erfahrungen, Ideen, Daten, Modelle etc. austauschen können. K. OBERMANN
Design – kreativ und computergestützt: Mit „Charakterlinien“ lassen sich die Geometrien künftiger Produkte – wie etwa dieses Haarföns – schnell und umfassend variieren bzw. durchspielen.

Ein Beitrag von:

  • Karl Obermann

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