Werkzeugmaschinen 09.09.2005, 18:40 Uhr

Das Systemgeschäft ist auch für Mittelständler attraktiv  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 9. 9. 05 – Anlagen aus einer Hand werden für Fertigungsunternehmen immer reizvoller – verlagern sie doch den komplexer werdenden Planungsaufwand zum Lieferanten. Für die mittelständisch geprägten Hersteller von Werkzeugmaschinen bedeutet das, sich neu zu organisieren. Auch Dienstleistungen gewinnen in diesem Umfeld an Bedeutung. Neben den Maschinenkonzepten werden sie deshalb Gesprächsthema auf der EMO in Hannover sein.

Nach drei mageren Jahren des Umsatzrückgangs und der Stagnation zwischen 2001 und 2003 blickt der deutsche Werkzeugmaschinenbau seit 2004 und besonders jetzt im Vorfeld der EMO Hannover 2005 wieder hoffnungsvoller in die Zukunft. Stabilisierend für den Produktionsstandort Deutschland wirkt sich dabei das mittelfristig zunehmende Ersatzteilgeschäft aus. Daneben gewinnen Installation, Wartung und Reparatur sowie ergänzende Dienstleistungen – bis hin zum „Mitbringen der Finanzierung“ – an Bedeutung. Gleichzeitig werden die technologischen Anforderungen der Abnehmerindustrien immer höher und die Investitionszyklen kürzer. Zu den Einschätzungen kommt die IKB Deutsche Industriebank in einer Branchenanalyse.

Gerade im Service als zu bezahlende Leistung und der strategischen Nutzung dieses Instruments im Wettbewerb sehen Branchenkenner für das Management eine der zentralen Aufgaben der Zukunft. Je komplexer Maschinen und Anlagen werden, desto mehr verlagern sich Teile der Wertschöpfung auf Service und Wartung. So sieht es auch der Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken (VDW). Der VDW-Vorsitzende Carl Martin Welcker stellt dazu fest: „Werkzeugmaschinen können weltweit schon lange nicht mehr nur als Hardware verkauft werden. Ebenso wichtig ist die umfassende Dienstleistung, bestehend aus Ersatzteillieferung, Montage, Reparaturen, Schulung, Wartung und Beratung.“ Diese sei ein wichtiger Bestandteil und Wachstumstreiber im deutschen Werkzeugmaschinenbau. Ihr Anteil am Gesamtumsatz der Branche liege mittlerweile in der Größenordnung von 20 %.

Obwohl die Mehrheit der deutschen Werkzeugmaschinenhersteller die Dienstleistung als kaufentscheidendes Kriterium betrachtet, bleibt die Wirtschaftlichkeitsbetrachtung schwer. So wird der Service nahezu ausschließlich mit eigenem Personal erledigt, was bei einem 24-Stunden-Service besonders für Mittelständler kostenintensiv ist. Gleichzeitig können sie die erbrachte Dienstleistung vielfach nur unzureichend weiterberechnen. Für die Maschinenhersteller gilt es deshalb, die Geschäftsleitungen der eigenen Branche sowie der Kunden für den Mehrwert durch Service zu sensibilisieren.

Individuelle Konzepte verdeutlichen die Entwicklungschancen bei Dienstleistungsangeboten rund um die Werkzeugmaschine. So sieht Emag-Geschäftsführer Dr.-Ing. Jürgen Walz einen Trend zum Smart-Shopping auch in seiner Branche: Zum einen würden einfachere Standardmaschinen nachgefragt – andererseits aber auch ganze Systeme. Der Grund: „Die Kunden wollen kein Risiko mehr tragen. Das heißt, wir sind als Hersteller gefordert, Kundenbauteile in einer bestimmten Stückzahl pro Jahr zu fertigen.“ Für sein Unternehmen bedeutet das: „Wir reduzieren die Prozessketten, so dass beispielsweise von zehn Operationen noch acht übrig bleiben.“

Durch neue Konzepte und Systeme sei man als Maschinenhersteller in der Lage, Teile kostengünstiger zu fertigen. Allerdings liege nun auch das Risiko auf der Seite des Maschinenlieferanten. „Für den Kunden“, so Walz, „bedeutet das aber eine deutliche Reduzierung der Investitionskosten pro Teil.“

Dabei habe sich auch die Bedeutung des Begriffs „System“ gewandelt – vom starren zum flexiblen System. „Wir bilden Zellen und sind dadurch – bei gleicher Kapazität – viel flexibler, weil wir gleichzeitig unterschiedliche Produkte oder Familien fahren können“, erklärt Walz. Ebenso profitiere der Anwender: „Flexibilität heißt heute auch Flexibilität in Rüstzeit und in Volumina.“

Mittelständler müssen sich in diesem Umfeld allerdings neu organisieren. Das bestätigt Dr.-Ing. Eberhard Schoppe, Geschäftsführer der Starrag-Heckert GmbH, Chemnitz: „Die mittelständische Struktur des Werkzeugmaschinenbaus in Deutschland kommt natürlich schnell an die Grenzen bei der Lieferung schlüsselfertiger Gesamtanlagen.“ Mittlerweile habe sich aber ein Netz an Spezialprojektanten und Speziallieferanten entwickelt, dass über Partnerschaften die Möglichkeit zur Lieferung schlüsselfertiger Gesamtanlagen gegeben sei.

Ohnehin werde es zur Bewältigung künftiger Aufgaben nötig sein, stärkere Allianzen zu bilden. Mitunter, so Schoppe, „muss allerdings offensichtlich die Not erst groß genug sein, um derartige Zusammenschlüsse zu vollbringen.“

Der Geschäftsführer der Chiron-Werke in Tuttlingen, Dr. Hans-Henning Winkler, sieht es ähnlich: „Konzeption und Realisierung schlüsselfertiger Produktionsanlagen stellen hohe Anforderungen an das interdisziplinäre Know-how. Mit Umfang und Komplexität der Produktionssysteme steigt selbstverständlich auch das finanzielle Risiko.“ Für Turn-Key-Projekte brauchten Anbieter einen technischen und wirtschaftlichen Background, den nicht viele Unternehmen hätten. In das Klagelied der Branche, wonach produktionsbegleitende Dienstleistungen vom Markt zwar gefordert und vorausgesetzt, aber nicht honoriert werden, stimmt Winkler dagegen nicht ein: „In dem Maße, wie unsere Kunden den Nutzen dieser Dienstleistungen erkennen, steigt erfreulicherweise auch deren Bereitschaft, diese angemessen zu honorieren.“ VDW/CIU

Von Vdw/Martin Ciupek
Von Vdw/Martin Ciupek

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