Engineering 04.11.2005, 18:41 Uhr

Das Motto des Erfinders: „Time for a change“  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 4. 11. 05 – Das Leben als angestellter Maschinenbauingenieur mit festen Arbeitszeiten schmeckte Robert Spillner nicht. Das unterdrückt den Erfindergeist, befand der heute 43-Jährige und wandte sich selbst gewählten Herausforderungen zu. Mit seinem Engagement in der Formel 1 erfüllte sich Spillner einen lange gehegten Traum. Jetzt befindet sich der Motorsportfan in der Erfolgsspur.

Robert Spillner hat etwas von einem Vampir. „Wenn ich einmal Blut geleckt habe, dann gibt es für mich kein Halten mehr“, sagt der 43-Jährige, dessen Berufsqualifikation allerdings nicht Blutsauger, sondern Maschinenbauingenieur ist. Am liebsten aber bezeichnet er sich als Erfinder. Und es riecht in seinem Düsseldorfer Labor auch nicht nach menschlichen Relikten, sondern intensiv nach ganz gewöhnlichem Benzin.

„Ich bin früher selbst Bergrennen gefahren. Wenn ich den Sound von Rennmotoren höre, schießt mein Adrenalinspiegel heute noch in die Höhe“, beschreibt Spillner seine Begeisterung für den Motorsport, speziell für die Formel 1. Der Wunsch, eines Tages als Konstrukteur einem Rennstall anzugehören, blieb nicht ungehört. Das britische Team Arrows F1, bei dem auch der deutsche Fahrer Heinz-Harald Frentzen unter Vertrag stand, trat vor vier Jahren bei der Entwicklung einer neuen Servolenkung auf der Stelle und suchte Rat bei Spillners früherem Arbeitgeber TRW Fahrwerksysteme. „Ich war dort 1995 mit einem Energie sparenden Hydraulikventil für Servolenkungen beschäftigt, dessen Entwicklung noch nicht abgeschlossen war, als ich das Unternehmen verließ, um mich selbstständig zu machen.“

Spillners ehemaliger Vorgesetzter bei TRW, Dr. Alois Seewald, erinnerte sich an die vielversprechenden Ansätze seines einstigen Mitarbeiters: „Wäre das nichts für Sie?“ Diese Frage ließ sich Spillner nicht zweimal stellen. „14 Tage später war ich in England. Innerhalb von acht Wochen war ich mir mit John Davies, dem technischen Leiter von Arrows F1, über die Formalitäten einig, hatte das Design erstellt und erste Versuchsteile produzieren lassen.“

Arrows war wie einige andere Rennställe auf der Suche nach einem technischen Neuansatz, und zwar so schnell wie möglich. Um den Kontakt zwischen der Lenkung und den Fachleuten in der Box zu unterbinden, hatte der Dachverband FIA jegliche Elektronik in der Servolenkung untersagt. „Das Geschäft in der Formel 1 ist schnelllebig, es gibt keine solch langen Entwicklungszyklen wie in anderen Bereichen. Die Konstrukteure von Arrows F1 waren bei dem Versuch gescheitert, eine ,feinfühligere“ Servolenkung zu entwickeln. Mein Ventil ermöglichte eine gefühlvollere Fahrweise und dank der besseren Effizienz steigt auch die zur Verfügung stehende Motorleistung.“

Bis Spillner aber mit seiner Erfindung bei Arrows F1 landete, war es ein zwar kurzer, aber steiniger Weg. „Nachdem die Lenkung eingebaut war, klappte zunächst rein gar nichts. Die anfängliche Freundlichkeit meiner Auftraggeber schlug in Nervosität und Skepsis um. Beim letzten Versuch aber platzte der Knoten.“ Erst jetzt wurde Spillner bewusst, was er da angestellt hatte: „Nachdem Enrique Bernoldi von der Testfahrt in Silverstone mit einem strahlenden Gesicht und der Bemerkung ,It feels great“ in die Box zurückgekehrt war, war mir klar: Die werden tatsächlich meine Erfindung einsetzen!“

Arrows F1 hat sich inzwischen aus dem Rennsportgeschehen zurückgezogen, Spillner ist gut im Geschäft. Einige Rennställe haben sein Servolenksystem übernommen, andere zeigen reges Interesse. „Das System ist auch für den Straßenverkehr denkbar. Es wirkt sich nicht nur vorteilhaft auf die Fahreigenschaften aus, es reduziert auch den Energieverbrauch“, wirbt Spillner für seine Erfindung.

Seine Entscheidung, sich aus dem Dasein eines fest Angestellten zurückzuziehen, hat der Mann mit dem Motto „Time for a change“ trotz einiger Rückschläge mit anderen Projekten nie bereut. „Das Korsett mit festem Tagesablauf war mir immer schon zu eng. Die Umsetzung meiner Ideen wäre im Angestelltenverhältnis so gar nicht möglich gewesen.“

Die Bereitschaft, aus der Normalität auszubrechen, sei in deutschen Firmen wenig ausgeprägt. „Viele Ingenieure arbeiten häufig doch nur ihre Tabellen ab und leben ihre sicherlich vorhandene Kreativität nicht aus. Sie werden zum konstruktiven Querdenken allerdings nicht gerade angespornt. Viele Initiativen sind schon frühzeitig durch Abwehrmechanismen blockiert. Die Angst, sich zu blamieren, wird dadurch nur befördert. In diesem Klima ist es schwer, einen Funken Begeisterung für Neues zu entfachen. Hierzulande gilt eine Idee erst dann als praktikabel, wenn sie in ein Produkt umgesetzt ist in den USA glaubt man an eine Idee und schreibt sie erst dann ab, wenn sie gescheitert ist.“

Robert Spillner hält es mit dem transatlantischen Credo: „Ich muss Nüsse knacken, die andere noch nicht geknackt haben. Dazu brauche ich möglichst große Freiheit.“ Nachtschichten sind Teil dieses Freiheitsdenkens. Für einen, der Blut leckt, aber keine abschreckende Herausforderung. WOLFGANG SCHMITZ

Von Wolfgang Schmitz
Von Wolfgang Schmitz

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