Engineering 26.10.2001, 17:31 Uhr

Das Engineering ist Sache des Dienstleisters

Effektives Engineering als Dienstleistung ist eine Spezialität kleiner, flexibler Ingenieurbüros mit flachen Hierarchien und engagierten Mitarbeitern.

Deutsche Pkw liegen weltweit hoch im Kurs: Im Gegensatz zu den früher so gefürchteten Japanern haben es die deutschen Hersteller nach ihrem tiefen Absturz 1993 geschafft, verlorenes Terrain mit einem wahren „Innovationsfeuerwerk“ zurückzuerobern. „Die Automobilbauer hatten damals den Mut, auf eine neue Unternehmenskultur umzuschwenken. Man hat erkannt, dass es Sinn macht, nicht nur Teile, sondern auch Entwicklungen extern einzukaufen“, weiß Udo Fielenbach, Geschäftsführer der M-Plan GmbH in Leverkusen.

Mitten in die Nachwehen einer Krise hinein, die den deutschen Kfz-Herstellern einen Umsatzeinbruch von rund 20 % bescherte, gründete er im Oktober 1994 mit einigen Partnern eine Ingenieurgesellschaft für Planungs- und Konstruktionstechnik. Dass man damit die Zeichen der Zeit richtig erkannt hatte, zeigt sich an der seither rasant verlaufenen Entwicklung des Unternehmens: Aus ursprünglich 16 Mitarbeitern wurden inzwischen rund 200, aus einer Niederlassung drei. Die Kundenliste liest sich wie ein „Who is who“ der Automobilindustrie und ihrer renommiertesten Zulieferer, aber auch der Chemie- und Pharmaziebranche. Auch hier konnten die Leverkusener Planer durch Leistung überzeugen dies zeigt nicht zuletzt der Großauftrag für die Planung einer Chemieanlage für Bayer, den man erst kürzlich im Konsortium mit weiteren Mittelständlern gegen renommierte internationale Großanbieter hereinholen konnte.

„In großen Unternehmen fühlen sich Ingenieure durch Unübersichtlichkeit der Strukturen und Bürokratisierung der Entscheidungswege oft zu stark eingeengt“, bemerkt Herbert Fuchs, Mitgründer und Technischer Leiter des Unternehmens. Kreativität und Leistungsbereitschaft müsse man jedoch fördern und fordern. Dazu gehörten nicht nur schlanke Strukturen, sondern auch der richtige Umgang mit den Mitarbeitern. Erfolgsgeheimnis jeder Firma sei die Fähigkeit des Managements, deren Potentiale richtig einzuschätzen und zu fördern.

In der Führungsetage erfordere dies die Fähigkeit zu strategischem Denken. Ein Unternehmen laufe nur, wenn die Führung die richtigen Leute an den richtigen Platz stelle und ihnen dann die nötigen Freiräume lasse. Dazu gehöre auch die Bereitschaft, Verantwortung zu delegieren. Generell arbeite M-Plan nicht nach dem Prinzip „Ingenieure zur Miete“, sondern bevorzuge komplette Aufgabenstellungen, mit hohem Anteil an Eigenständigkeit.

In diesem Umfeld werde die Zufriedenheit der Mitarbeiter zu einem ganz entscheidenden Erfolgsfaktor. Dies sei nicht allein eine Frage des Einkommens; gute Leute suchten auch die Herausforderung durch ihre Arbeit. Genau das könne man ihnen im Rahmen des Unternehmens bieten, denn die zu lösenden Aufgaben würden heute immer anspruchsvoller. Deshalb gebe es bei M-Plan auch weder Urlaubs- noch Weihnachtsgeld, aber dafür leistungsabhängige Prämien.

„Wir haben über 7,5 Mio. DM in unsere EDV-Systeme investiert, denn ohne moderne CAD-Unterstützung läuft heute gar nichts mehr“, verrät H. Fuchs in der Abteilung Anlagenplanung, während Dipl.-Ing. Holger Binus durch unterschiedliche 3D-Darstellungen einer komplexen Fabrikationsanlage für die Produktion eines Pharmawirkstoffs zoomt. Auf Wunsch, so erläutert Holger Binus, könne man dem Anlagenbetreiber sogar zeigen, welchen Blickwinkel ihm ein in 1,65 m Höhe angebrachtes Schauglas ins Innere eines Reaktionskessels ermögliche.

Viele früher übliche menschliche Fehler, z.B. Kollisionen von Rohren mit Anlagenteilen oder das versehentliche Verbinden von nicht zusammengehörigen Leitungen, werden durch die Software heute zuverlässig ausgeschlossen. Die Genauigkeit der CAD-Arbeit spart zudem enorme Kosten, weil die Teile fertig zugeschnitten angeliefert werden können. Anpassungen sind kaum noch erforderlich. Dieser hohe Vorfertigungsstand ermöglicht große Einsparungen bezüglich Kosten, Zeiten und Material.

Ergänzend zum „klassischen“ Anlagen-Engineering geht man heute zunehmend dazu über, weitere Dienstleistungen wie eine Simulation der in der Anlage ablaufenden Prozesse zur Nachkontrolle und Optimierung der Auslegungsberechnungen anzubieten.

„Die Automobilhersteller entwickeln ihre Fahrzeuge heute nur noch in ganz bestimmten Kernbereichen wie Motor und Fahrwerk selbst, alles andere geben sie weitgehend in geschlossenen Systemen und Modulen nach draußen“, erläutert U. Fielenbach in der Abteilung Kfz-Entwicklung. Auch hier findet sich praktisch kein Arbeitsplatz mehr ohne Bildschirm, wobei je nach EDV-System des Kunden die CAD-Programme Catia bzw. Unigraphics zum Einsatz kommen. Im Kfz-Sektor erfordert die enge Zusammenarbeit mit den Entwicklern des jeweiligen Kunden häufig die räumliche Nähe zum jeweiligen Werk, weshalb M-Plan mittlerweile Zweigniederlassungen in Wolfsburg sowie in Gaggenau und Sindelfingen bei Stuttgart unterhält.

Das Team in Leverkusen beschäftigt sich vor allem mit der Innenausstattung von Pkw, wobei hierzu heute viel mehr gehört als nur die Konzeption von „Kunststoffblenden nach Designer­vorgabe“. Im Wettbewerb um den Kunden setzen die Automobilhersteller immer mehr auf sowohl komfortable als auch hoch funktionale Innenausstattungen. Statt der schlichten Matte auf dem Kofferraumboden, auf der die Einkäufe rutschen und umfallen, gibt es in Zukunft integrierte „Ladungsmanagement-Konzepte“ mit multifunktionalen Bodenelementen, die sich umklappen, zu Transportboxen entfalten und in verschiedensten Positionen fixieren lassen. Auch die Mittelkonsole für die hintere Sitzbank der nächsten Autogenerationen ist weit mehr als ein schlichtes Ruhepolster, sie enthält ein umfassendes Infotainment-Sortiment aus Handy, Notebook, Navigationssystem und ähnlichem.

„Solche Ideen haben in unseren kleinen Teams aus hoch motivierten Leuten einfach bessere Chancen als in Großbetrieben, wo schon allein die Entscheidungsfindung deutlich länger dauert und viel mehr Energie absorbiert. Das gilt nicht nur für das Interieur, sondern generell. Die Hinwendung zum Outsourcing hat wesentlich dazu beigetragen, dass unsere Kfz-Industrie heute wieder so wettbewerbsfähig dasteht“, ist U. Fielenbach überzeugt. KLAUS VOLLRATH

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