Anlagenbau 23.04.1999, 17:21 Uhr

Aus der Not eine Tugend machen

Kommunikation zwischen Lieferanten und Anwendern entlang der gesamten Produktionskette kann für mehr Effizienz im verarbeitenden Gewerbe sorgen. So ein Ergebnis des VDMA/VDI-nachrichten- Forums auf der Hannover Messe.

Jammern hilft nicht – zwar hat der Standort Deutschland klassische Industriezweige wie die Textilindustrie und die Fertigung elektronischer Geräte so gut wie verloren, dennoch gibt es nach Meinung von VDMA-Vizepräsident Rolf R. Kuhnke keinen Grund, in Depressionen zu verharren. „Das Dilemma, in einem Hochlohnland kostengünstig zu produzieren, kann die Industrie erfolgreich mit Konzepten für eine durchgehende Automatisierung der Produktionsprozesse lösen“, waren sich die Teilnehmer des Unternehmerforums „Fit for competition“ des VDMA auf der Hannover Messe Industrie einig.
Steigende Lohnnebenkosten in Deutschland hatten in den vergangenen Jahren den Effekt, „daß Unternehmen frühzeitig damit begonnen haben, mit geeigneten Automatisierungsschritten die Produktivität auf einem weltweit konkurrenzfähigen Niveau zu halten“, erläuterte Kuhnke vor fast 200 Zuhörern. Seiner Meinung nach ist die globale Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen immer stärker vom Grad der Automatisierung ihrer Produktion abhängig geworden. Von Bedeutung seien dabei insbesondere alle Elemente, die der Maschine Intelligenz verleihen: unter anderem Sensoren, die menschliche Eigenschaften wie Sehen, Hören und Fühlen ersetzen.
Die Weiterentwicklung und Minimierung der Produkte hat deren Einsatzbereiche deutlich erweitert. Optisch tastende Sensoren sind in den vergangenen zehn Jahren bei gleicher Tastdistanz auf ein Sechstel ihres früheren Volumens geschrumpft. Die Integration der Signalverarbeitungsverfahren auf Chips erschließt dem Nutzer zudem neue Anwendungsfelder – zum Beispiel für die Materialflußintegration. So werden Barcodeleser in der Größe einer Zigarettenschachtel unter anderem bei United Parcel Service (ups) und bei der Deutschen Post für die Verteilung der Briefe und des Frachtgutes eingesetzt.
„Noch ist die Sensorik in den Maschinen jedoch nicht leistungsfähig genug“, beschreibt Walter Reis, Gründer der Reis Robotics in Obernburg, die Herausforderungen für künftige Entwicklungen. Die Bedienung der Maschinen ist noch immer zu kompliziert, die Flexibilität der Software eingeschränkt. Die Zukunft der Automation sieht der selbsternannte „Großvater“ der Robotic in Deutschland, „vor allem im Zusammenschluß verschiedener Kompetenzbereiche“.
Das Zusammenwachsen des Maschinenbaus mit seinen Komponenten eröffnet für bereits bewährte und robuste Antriebe neue Anwendungsfelder und Fertigungstechnologien. Claus Wieder von der SEW Eurodrive in Bruchsal ist sicher, daß die High-Tech-Komponenten der Steuerungs- und Kommunikationstechnik bei den Antrieben die nächsten Innovationsschritte bestimmen werden. Der Kunde verlange inzwischen Produkte, die als Module in Lösungen integriert werden können. Der Anteil der Softwareentwicklung für den Einsatz traditioneller Technologien werde dabei in der Zukunft noch weiter steigen. Geschäftsführer Wieder unterstrich dabei „die Bedeutung funktionaler Schnittstellen vom Leitrechner bis zum Motor, die die flexible Anpassung von Fabrikationsabläufen bei einer Produktumstellung gewährleisten“.
Genau das will Softwaregigant Microsoft, der sich bisher eher im Büroumfeld engagiert hat, mit dem Digital Nervous System (DNS) auch in der Produktion leisten. „DNS soll als standardisierte, skalierbare und vernetzte PC-Architektur alle Abläufe im Unternehmen, vom Büro bis zur Produktion, vernetzen“, erläutert Kai Ingo Greve, Produktmanager bei Microsoft in Unterschleißheim. Er will seinen Kunden „durchgängige Lösungen unter Windows anbieten, mit denen Applikationen aus unterscheidlichen Unternehmensbereichen verknüpft werden können“. Eine einheitliche Oberfläche auf allen Ebenen, vom Büro bis zur Programmierung an der Maschine, nutze dabei das vorhandene Wissen der Mitarbeiter. Bisher sind weniger als 10 % der eingesetzten Lösungen in der Produktion mehr als 40mal installiert , verweist Greve auf das Einsparungspotential für die Unternehmen bei Schulung, Wartung und Integration der Programme in die Produktionsprozesse. Die Experten mögen an den Einzug von Gates-Produkten in die Fabrikhalle jedoch noch nicht glauben: Grenzen sieht Robotic-Experte Reis vor allem im sensiblen maschinennahen Bereich. Seiner Meinung nach wird der Einfluß von Microsoft in nächster Zeit „lediglich bis zum Leitstand der Produktion reichen“.
Beispiele zeigen, daß sich bereits heute in Deutschland komplexe Massenprodukte erfolgreich fertigen lassen. So hat der Telekommunikationsanbieter Motorola in Flensburg 2000 neue Arbeitsplätze für die Fertigung mobiler Telefone geschaffen. Konkurrent Nokia produziert seine Geräte in Bocholt, und der Stuttgarter Anbieter Bosch hat seine Handy-Produktion sogar in das Hochlohnland Dänemark verlegt. Auch die Automobilindustrie habe es verstanden die Produktion am Standort Deutschland zu halten, illustriert VDMA-Vertreter Kuhnke die seiner Meinung nach „führende Stellung der deutschen Automatisierungstechnik im internationalen Vergleich“.
Die besonderen Stärken deutscher Unternehmen sieht Gabriele Jansen von der Quiss GmbH in Puchheim vor allem in der Fähigkeit, „eine hohe technische Kreativität für Details mit der Phantasie zu verbinden, komplexe Systeme zu erdenken und pragmatisch in die Realität umzusetzen“. Diese Qualitäten hätten in der Vergangenheit den Erfolg der deutschen Industrie begründet und würden auch für die Zukunft gelten, betonte die Geschäftsführerin des Unternehmens für bildverarbeitende Systeme in der Qualitätssicherung. Optimismus verbreitet auch der VDMA mit seinem in Hannover vorgestellten Forum Fabrikautomation. Dieser Arbeitskreis im VDMA hat das Ziel ,so Kuhnke, „die Kommunikation zwischen Lieferanten und Anwendern in Gang zu bringen und für mehr Effizienz entlang der gesamten Prozeßkette im produzierenden Gewerbe zu sorgen“.
DOROTHEA WENDELN
Rolf R. Kuhnke, Vizepräsident des VDMA auf dem VDMA/VDI-nachrichten-Forum der Hannover Messe: „Konzepte für durchgehende Automatisierung können das Dilemma lösen, in einem Hochlohnland produzieren zu müssen.“
Führungskräfte zeigten auf dem VDMA/VDI-nachrichten-Forum was dazu gehört, sein Unternehmen „Fit for competition“ zu machen: Rolf R. Kuhnke, VDMA-Vizepräsident, Hans-Jochen Beilke, Leuze electronic, Walter Reis, Reis Robotics, Gabriele Jansen, Quiss, Kay-Ingo Greve, Microsoft, und Klaus Wieder, SEW Eurodrive.

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