Maschinenbau 29.12.2000, 17:27 Uhr

Auf dem Weg zur Plug-and-Play-Druckmaschine

Seine Aufträge dürften bald noch schneller erledigt werden.

Schneller, aktueller und immer besser auf die jeweilige Zielgruppe hin – die Kundschaft stellt an die Unternehmen des Druckgewerbe immer höhere Anforderungen. Für die nächsten Jahre kreisen deswegen die Forschungs- und Entwicklungsschwerpunkte der Großen im Druckgeschäft – MAN Roland, Koenig & Bauer und Heidelberger Druckmaschinen – unisono darum, wie die Druckereien Aufträge besser und schneller abwickeln können.
Das größte Innovationspotential der nächsten Jahren liegt nach Ansicht von MAN Roland insbesondere in der Automatisierung des Workflows. „Unsere Kunden interessiert heute vor allem der ganzheitliche Ansatz der Lebenszyklus-Kosten“, erläutert Hans Mamberer, Geschäftsfeldleiter Zeitungsdrucksysteme. Er erwartet Einsparungen von bis zu 20 % der Betriebskosten pro Jahr durch eine verfügbarkeitsorientierte Wartung und einer Minimierung der Makulatur- und Energiekosten.
Die Forschungsschwerpunkte legt der Offenbacher Maschinenbauer auf eine weitere Automatisierung des High Volume Offset Printing und die Weiterentwicklung der preisgekrönten Dicoweb-Technologie. Mit ihr lassen sich die Druckzylinder beim Offset direkt und wiederbeschreibbar bebildern, so dass Einrichtzeit und Kosten verringert werden.
„Auf der gleichen Plattform können ohne aufwändige Änderungen sowohl Zeitungsdruck als auch Magazindruck ausgeführt werden, später auch Tiefdruck“, erläutert Josef Schneider, Geschäftsfeldleiter Digitaldruck. Außerdem sei es mit Dicoweb-Technologie möglich, Druckmaterial aller gängigen Dicken zu bedrucken. Weitere Einsatzmöglichkeiten der Dicoweb-Plattform verspricht sich MAN Roland durch ein Projekt mit der Universität Chemnitz, in dem die Nutzung von Memory-Keramik als zukünftigem Druckbildträger erforscht wird.
Angesichts tendenziell sinkender Auflagen sieht Klaus Schmidt, Marketingdirektor bei der Koenig & Bauer-Gruppe (KBA) den Schwerpunkt der Entwicklung in den nächsten Jahren in der verfahrenstechnischen Optimierung des Druckprozesses. „Erhebliche Rationalisierungs- und Innovationspotenziale liegen im Workflow, der heute in weiten Bereichen der Druckindustrie immer noch eher handwerklich als industriell abläuft.“ Die Gesamtforderungen lauteten hohe Nettoleistung der einzelnen Drucksysteme bei optimaler Qualität, minimierter Makulatur und personalsparender Bedienung. Gefragt ist also ein Stück Plug-and-Play, selbst bei Offsetdruckmaschinen.
Die Forschungs- und Entwicklungsschwerpunkte bei KBA lägen in der digitalen Bebilderungstechnologie mit Schwerpunkt Computer-to-Press, die Workflow-Optimierung, neuen Verfahren für die Inline-Veredlung im Bogenoffset – mit Schwerpunkt Verpackungen – und dem wasserlosen Offsetdruck. Der Offset werde aber auf absehbare Zeit auch weiterhin das dominierende Druckverfahren bleiben.
Die größten Potenziale zur Produktivitätssteigerung im Druckgewerbe liegen nach Einschätzung von Schmidt allerdings in der Druckereiorganisation, sprich in der digitalen Vernetzung des gesamten Produktionsprozesses. Das Internet biete für die Computer-to-Press- und Computer-to-Print-Verfahren die Chance, bei Kleinauflagen die Akquisitionskosten über entsprechende Portale deutlich zu senken und auch weit entfernte Kunden zu erreichen.
Das Finishing wird nach Ansicht von Klaus Schmidt bei Massenauflagen für die Herstellung und den Versand immer stärker zielgruppenorientierter Produkte immer bedeutender. Nachholbedarf gebe es allerdings noch bei der Eingliederung der Weiterverarbeitung in einen digitalen Workflow. Hier sei die Lücke deutlich größer als zwischen Vorstufe und Druck.
Die Geschwindigkeitssteigerung der Maschinen wird nach Ansicht des Technologievorstandes bei Heidelberger Druckmaschinen, Klaus Spiegel, keine dominante Rolle mehr spielen: „Bei den Maschinen wird durch weitere Geschwindigkeitssteigerungen noch nicht automatisch eine Effizienzsteigerung im Gesamt-Herstellungsprozess erreicht.“
Auch für ihn ist der Workflow eine zentrale Aufgabe, denn fehlende Transparenz im Control-Workflow treibe heute viele Druckereien fast in den Ruin, weil sie nicht wüssten, wo die Kosten entstünden. „Bei kleiner werdenden Auflagen spielten die Beherrschbarkeit und Transparenz des Prozesses eine große Rolle.“ Genau die Entwicklung hin zum Digitaldruck läuft aber parallel mit der Nachfrage der Kundschaft nach kleineren Auflagen. Softwareentwicklung ist für Heidelberger Druckmaschinen (HDM) deswegen nach Spiegels Aussage einer der Schwerpunkte in der nächsten Zeit.
Am hart umkämpften Verpackungsbereich will HDM ebenfalls arbeiten. „Dort spielt Flexo eine zunehmend wichtige Rolle – mit vielen Möglichkeiten, aber einer entscheidenden Einschränkung: Die Herstellung einer Druckform dauert meist 24 Stunden und wird extern abgewickelt“, so Klaus Spiegel. Das Ziel müsse eine vergleichbar schnelle Plattenherstellung wie im Offset sein. „Hier könnte sich die Direktgravur als Lösungsmöglichkeit anbieten.“ swe

Von Stephan W. Eder
Von Stephan W. Eder

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