Maschinenbau 26.06.2009, 19:41 Uhr

„Abbau von Lagerbeständen geht zu Ende“  

Gerade jetzt gibt es Chancen, mit den richtigen Strukturen erfolgreich auf den Wandel an den Märkten zu reagieren, erklärt Tom Johnstone, Präsident und CEO des Wälzlagerkonzerns SKF, Göteborg. Mit einem ausgebauten Servicegeschäft sieht er sein Unternehmen bereits gut positioniert. Er nimmt aber auch Stellung zu den Themen Stellenabbau, Forschung und Mitbewerber Schaeffler. VDI nachrichten, Nieuwegein/Nl, 26. 6. 09, ciu

Johnstone: Wie andere Unternehmen haben auch wir einen Einbruch in nahezu allen Geschäftsbereichen seit Ende 2008 zu verzeichnen. Positiv entwickelte sich lediglich der Energiesektor.

Bei all den negativen Meldungen verfällt man leicht in eine pessimistische Stimmung. Aber genau das ist die Zeit für Veränderungen. Wir denken, heute besteht für uns die Möglichkeit, uns die richtige Struktur für künftige Aufgaben zu geben und unsere Marktposition zu stärken, indem wir uns auf Anwenderbranchen, auf Kunden und wichtige Märkte fokussieren. Dabei werden wir noch stärker daran arbeiten, unser Wissen zu den Anwendern zu bringen.

Eine solide Basis ist dabei hilfreich. Konnten Sie die in den Boomjahren schaffen?

Wir haben in dieser Zeit unsere fünf Kompetenzbereiche weiter gestärkt. Neben den Wälzlagern haben wir die Bereiche Schmiersysteme, Dichtungen, Mechatronik und Service ausgebaut, unsere Geschäfte in der Industrie erweitert und unsere Präsenz in wachstumsstarken Regionen gefestigt. Wir investierten zudem in neue Fabriken, die Erweiterung unserer Kompetenzfelder durch Übernahmen sowie den Ausbau bestehender Standorte in Schweden und Deutschland. Außerdem investierten wir weiter in Forschung und Entwicklung.

Hat sich durch die Probleme bei der Schaeffler-Gruppe etwas hinsichtlich Ihrer Konzernstrategie geändert?

Nein. Wir haben eine klare Strategie, die unterschiedlich zu der von Schaeffler ist. Unsere Strategie ist es, uns stärker auf die industriellen Märkte auszurichten, was nicht heißt, dass wir nun die Automobilindustrie vernachlässigen wollen. Wir wachsen aber deutlich stärker im Industriebereich.

Was Schaeffler betrifft, so sollte man nicht vergessen, was die Hauptursache für die aktuelle Situation ist. Es sind nicht die Probleme in der Automobilindustrie, sondern die strategische Unternehmensentscheidung von Schaeffler. Wie auch immer, auf unsere Strategie hat das keinen Einfluss.

Auftragseinbrüche zwingen aber auch SKF zu personellen Maßnahmen. Wie sieht es mit dem „Human Capital“ aus?

Das stimmt. Bedauerlicherweise müssen von unseren weltweit gut 40 000 Mitarbeitern etwa 4300 das Unternehmen verlassen. Bis Ende des ersten Quartals sind bereits 2600 Mitarbeiter ausgeschieden. Weitere 1700 werden über sozialverträgliche Programme in nächster Zeit noch ausscheiden.

Darüber hinaus nutzen wir Möglichkeiten wie Kurzarbeit ebenso wie individuelle Vereinbarungen. Aktuell haben wir etwa 18 000 Mitarbeiter in Programmen mit verkürzter Arbeitszeit.

Ob diese Maßnahmen ausreichen werden, kann ich heute noch nicht sagen. Wir müssen sehen, wie sich die Märkte entwickeln. Noch ist unklar, wie viel des Auftragsrückgangs auf Bestandsabbau bei Unternehmen zurückzuführen ist und wie viel durch tatsächliche Einbrüche im Markt. Das sind die beiden Faktoren: Der Abbau von Lagerbeständen wird sicher in nächster Zeit sein Ende erreichen. Dann werden wir sehen müssen, wie sich die Märkte in den nächsten Jahren erholen. Ob das langsam oder doch etwas schneller gehen wird, weiß im Moment niemand. Erst dann können wir definitiv sagen, welche Strukturen wir dafür brauchen.

Sie können aber sicher sein, dass wir versuchen, Personalabbau zu vermeiden – das gehört zu unserer Unternehmensphilosophie. Gleichzeitig müssen wir aber auch den wirtschaftlichen Anforderungen gerecht werden.

Bis vor Kurzem wurde noch eifrig nach kompetenten Fachkräften, insbesondere Ingenieuren gesucht. Wie sieht da aktuell die Situation bei SKF aus, schließlich haben Sie die Ausgaben für Forschung und Entwicklung (FuE) um 30 % erhöht?

Wir haben an unseren Standorten wie hier in Nieuwegein die notwendigen Experten, um unser Engagement in Forschung und Entwicklung entsprechend zu untermauern.

Das Thema Kompetenz sehe ich auch in Verbindung mit Kurzarbeit. Das ist eine Möglichkeit, die Kompetenz im Unternehmen zu behalten. Gleichzeitig kann die Zeit zur Weiterbildung genutzt werden. Das ist uns wichtig, denn es werden auch wieder bessere Zeiten kommen. Die nächste größere Veränderung in der Wirtschaftsentwicklung wird mit Sicherheit eine Aufwärtsbewegung sein. Was wir aber nicht wissen, ist der Zeitpunkt.

Die Investition in FuE ist das eine, wann werden wir mit daraus resultierenden Produkten rechnen können?

Das ist so eine Sache in der Forschung und Entwicklung, schließlich tun wir das ja vor dem Hintergrund, neue Produkte oder Lösungen auszuprobieren. Da lässt sich nie mit Gewissheit sagen, ob das zum gewünschten Ergebnis führt oder nicht. Die Grundlagenforschung ist aber nur ein Teil unserer Ausgaben. Den größeren Teil investieren wir in anwenderorientierte Innovationen. Da werden wir unsere Ausgaben verstärken. In diesem Bereich werden Innovationen in den nächsten ein, zwei und vielleicht drei Jahren auf den Markt kommen.

Es ist auch eine Frage der Fokussierung. Nehmen Sie unsere energieeffizienten E2-Lager, die innerhalb von einem Jahr von der Idee zum Produkt entwickelt wurden. Vor fünf Jahren wäre das nicht denkbar gewesen. Es kann manchmal also sehr schnell gehen.

Verfolgen Sie dabei das Ziel Produkte zu revolutionieren oder geht es eher um evolutionäre Weiterentwicklungen?

Es sind meist evolutionäre Entwicklungen. Ich kann nicht sagen, dass ich im Moment etwas Revolutionäres auf dem Tisch habe. Aber auch Evolutionen können wichtige Veränderungen mit sich bringen. Wenn damit eine Energieeinsparung um 30 % wie bei unseren E2-Lagern möglich ist, dann ist das schon signifikant. MARTIN CIUPEK

Von Martin Ciupek
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