Anlagenbau 08.11.2002, 18:22 Uhr

ABB sucht Kapital und Vertrauen

Verluste im laufenden Geschäft, immense Schulden und hohe Schadensersatzforderungen in den USA – der Anlagenbauer ABB steht mächtig unter Druck. An diesem Freitag will Konzernchef Jürgen Dormann den Sanierungsplan vorstellen.

Der Aktienkurs des Schweizer Anlagenbauers ABB spiegelte in den vergangenen Wochen die Gemütslage der Aktionäre wie eine Fieberkurve wider: Mal ging es 60 % runter, dann wieder 50 % rauf.
Die Gründe für dieses Wechselbad der Gefühle sind vielfältig. Seit langem drücken den Konzern hohe Schulden. Nun hieß es Ende Oktober, dass die Kosten für die Prozesse der Tochter Combustion Engineering (CE), die asbesthaltige Materialien für die Isolierung von Kesseln verwendet hatte, die bislang dafür rückgestellten 940 Mio. $ übersteigen würden. Mithin werde das ohnehin schon negative Geschäftsergebnis noch weiter belastet.
In dieser Situation scheinen auch immer mehr Kunden das Vertrauen in die ABB zu verlieren, der Bestand an Großaufträgen ist jedenfalls um drei Viertel eingebrochen. Dieser Vertrauenskrise versucht Jürgen Dormann, der neue Chef, entgegenzuwirken. Der frühere Aventis-Vorstand bemüht sich eifrig um Kontakt zu den Investoren, hat die Analysten mit vier, fünf Telefonkonferenzen seit seinem Amtsantritt am 5. September gepflegt – sonst ein ganzes Jahresprogramm für die Finanzmarkt-Kommunikation.
Freilich hatte Dormann auch Boden gutzumachen: Er hatte die Ertragsaussichten seines Vorgängers Centermann übernommen. „Das war ein Fehler“, sagte er später, und zwar ein doppelter: Denn bevor er Konzernchef der ABB wurde, hatte er als Verwaltungsratspräsident die Aufsicht geführt. Die Schwächen, die nun den Konkurs nicht ausschließen, hätten ihm bekannt sein müssen. Dormann arbeitet also an seiner Glaubwürdigkeit, ohne die auch die Glaubwürdigkeit der ABB nicht wieder erstehen kann.
Am Montag gab es mit dem Kurssprung um 50 % auf 2,45 Franken immerhin einen Hoffnungsfunken. Vom letztjährigen Hoch bei knapp 20 Franken bleibt die ABB-Aktie indes weit entfernt. Experten werten es aber als ersten Erfolg Dormanns, dass die ABB nun beschlossen hat, für die amerikanische Tochter Combustion Engineering (CE) Gläubigerschutz zu beantragen.
Für mehr als bessere Stimmung ist damit aber nicht gesorgt. Denn ob es juristisch gelingt, die gut 110 000 Schadensersatzklagen wegen Asbestverseuchung bei der US-Tochter zu isolieren, also die Durchgriffshaftung auf den ganzen Konzern zu kappen, ist offen. ABB versucht, einen Fonds zu bauen, ihn mit Guthaben von CE und einigen ABB-Millionen auszustatten, um damit Schadensersatzansprüche zu bedienen, aber vor allem zu begrenzen.
Beobachter warten nun darauf, ob es gelingt, den Bereich Finanzdienstleistungen für 2,3 Mrd. $ an die amerikanische General Electric zu verkaufen. Das würde die Verschuldung von 5,5 Mrd. $ deutlich mindern.
Doch selbst dann, so Analyst Erhard Schmitt, der ABB für Helaba-Trust beobachtet, dürfe man sich aus dem laufenden Geschäft keine Stärkung der ausgezehrten Eigenkapitalbasis erwarten. Denn statt der geplanten 4 % bis 5 % Gewinnmarge kam ABB im dritten Quartal nur auf 0,9 % – vor Steuern und Zinsen. Unter dem Strich sind die Ausgaben also höher als die Einnahmen. Etwa 2,1 Mrd. $ Reserven hat ABB noch. „Zu wenig für 23 Mrd. $ Umsatz“, sagt Andreas Gujan, ABB-Analyst der Bank Vontobel in Zürich.
Verschlankung gilt als die Lösung für den Konzern, der die Bahntechnik und den Kraftwerkbau schon vor Jahren abgegeben hat. Dormann will die Gebäudetechnik und den Bereich Petrochemie verkaufen und die Hauptumsatzträger Energie- und Automatisierungstechnik mit den Bereichen „Versorgungsunternehmen“ und „Industrieunternehmen“ zusammenlegen.
Das mag auf der Vorstandsebene und in der Zentrale für Kostensenkung sorgen, gesteht Schmitt zu. Aber ob die neue Organisation wirklich zusätzliche Synergien freisetzt, scheint Schmitt fraglich. Und Gujan beschreibt das Problem, dass ABB „von einer Restrukturierung in die andere fällt“. 800 Mio. $ will Dormann jetzt sparen, „eine Herkulesaufgabe, die viel Zeit erfordert“, meint der Mann von Vontobel.
Von den Produkten her sei ABB aber immer noch gut positioniert. „Die haben Know-how“, meint Gujan. Das erinnert zumindest entfernt an die stolze schweizerische BBC und die schwedische ABB, die sich 1987 zusammentaten, um den Weltmarkt zu erobern.
Aktuell erinnert die ABB-Geschichte aber mehr an die der Swissair: Auch dort sanken die Anleihekurse auf ein Drittel, auch dort wurde – am 11. September 2001 – ein angeschlagenes Unternehmen von externen Ereignissen getroffen wie ABB von den Asbestklagen, auch bei der Swissair hat eine fahrlässige Finanzierung die Eigenmittel schrumpfen lassen. Das Schicksal der Swissair ist bekannt: Konkurs, danach Weiterleben als kleine Einheit in der Form, die vor den globalen Träumen den Ruf gemehrt hatte. M. BRAUN

ABB in Deutschland
Die ABB AG in Mannheim ist eine von mehr als hundert Landesgesellschaften des Konzerns, mit 19 000 von weltweit 150 000 Mitarbeitern allerdings die größte. Im ersten Halbjahr 2002 sank der Umsatz der deutschen AG um 3 % auf 1,3 Mrd. !, der Auftragseingang um 15 % auf 1,5 Mrd. ! allein aus dem Ausland kamen 25 % weniger Aufträge herein. mib

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