Maschinenbau 19.12.2003, 18:27 Uhr

2004: Maschinenbau wächst wieder

VDI nachrichten, Frankfurt, 19. 12. 03 -Darauf, dass nächstes Jahr ein kleiner Aufschwung kommt, freuen sich die deutschen Maschinenbauer, denn die Branche war in den letzten Jahren nicht mit Wachstum verwöhnt. Alles hängt wie immer vom Ausland ab. Bisher aber lässt diese Exportstärke die Inlandskonjunktur noch nicht anspringen.

Im deutschen Maschinenbau machen sich Frühlingsgefühle breit – ganz unerwartet, denn noch steckt die Branche im Konjunkturwinter: Immerhin 2 % Umsatzwachstum prognostiziert der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), Frankfurt, für 2004, nach einem Minus von 2 % in 2003.
Die überwiegende Mehrzahl der Fachzweige rechnet für 2004 mit einer positiven Entwicklung. In den Bereichen Werkzeugmaschinen, Holzbearbeitungsmaschinen, bei Kunststoff- und Gummimaschinen sowie in der Druck- und Papiertechnik sollte es 2004 nach dem tiefen Einbruch der Vorjahre zu ersten Erholungstendenzen kommen. Im Minus verharren laut VDMA die bauabhängigen Aufzüge und Fahrtreppen sowie die Landtechnik, die in den neunziger Jahren deutlich an Niveau gewonnen hatte. Die Textilmaschinen könnten ebenfalls trotz möglicher Belebung im Auftragseingang bei den Umsätzen ins Minus kommen.
„Unsere Zukunft ist abhängig vom Inland: Im 1. Halbjahr 2004 muss es bei uns richtig durchschlagen, damit es endlich aufwärts geht“, sagt VDMA-Präsident Diether Klingelnberg. Wenn es keine grundlegenden Reformen in Deutschland gebe, sei die Prognose von +2 % für das kommende Jahr zu hoch gegriffen. Dann werde die Investitionsschwäche in der Bundesrepublik andauern. Dies treffe eben vor allem die Hersteller von Maschinen und Anlagen.
Ein weiterer Hemmschuh ist nach Ansicht von Klingelnberg das aktuelle Verhalten der Banken. Diese hatten die Kreditvergabe rigoros eingeschränkt: „Da Maschinen sowohl auf Kredit gebaut als auch verkauft werden, wird unsere Lage dadurch nicht besser.“
Auch die „fundamentale Dollarschwäche“ gräbt bei den Vorstandschefs der Unternehmen immer tiefere Sorgenfalten in die Stirn. „Bei Kursen von mehr als 1,10 $ für 1 € ist es für uns kritisch“, skizziert Klingelnberg die Lage, mit einer Exportquote von fast 70 % ist die Branche hochgradig abhängig vom Ausland.
Neben den USA zählt auch China zum dollarabhängigen Raum. Auf absehbare Zeit realistisch bezeichnet der VDMA-Präsident ein Niveau zwischen 1,20 $ und 1,23 $ pro €. Dies könnte zusätzlichen Personalabbau bei einzelnen Firmen nach sich ziehen, befürchtetet Klingelnberg.
In welchem Tempo im nächsten Jahr die Belegschaften dahinschmelzen, lässt sich nach Angaben von Klingelnberg noch nicht absehen. Zum 31. Dezember 2003 könnte die Zahl der Beschäftigten bei 875 000 liegen – rund 30 000 weniger zu Jahresbeginn. Im Januar 2002 zählte der deutsche Maschinen- und Anlagenbau noch 912 000 Mitarbeiter. Aus VDMA-Sicht sollte mit dem erwarteten Produktionswachstum für 2004 der Abbau von Arbeitsplätzen in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres allmählich auslaufen. Zusätzliche Stellen werde es allerdings zunächst nicht geben, dazu sei der bevorstehende Aufschwung zu schwach angelegt. Die magere Plusrate dürfte gerade ausreichen, den Produktivitätsfortschritt abzufangen. „Erst bei einem Produktionswachstum von 4 % bis 5 % oder einem Wirtschaftswachstum von 3 % entsteht bei uns Druck, neues Personal einzustellen“, erklärt der VDMA- Präsident.
Größter Hoffnungsträger für den deutschen Maschinen- und Anlagenbau ist China. Das Land schaffte in den letzten drei Jahren den Sprung von Platz 10 auf Platz 3 der wichtigsten Abnehmer nach den USA und Frankreich. Selbst wenn die Dynamik nachlasse, werde China 2004 auf Platz 2 vorrücken, meint Klingelnberg. Jetzt schon stehe China für 7 % an den Gesamtausfuhren.
Die Auslandsabhängigkeit des deutschen Maschinenbaus, die immer wieder als Exportstärke gewertet wird, bleibt bestehen. Deshalb hoffen die deutschen Firmen auf eine größeren Welthandel. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Berlin/Köln, verweist darauf, dass bei 6 % Welthandelswachstum eine Zunahme der deutschen Exporte insgesamt um 4,5 % möglich ist. Über kurz oder lang profitieren davon auch die Unternehmen zwischen Flensburg und Füssen.
„Wenn es gut läuft, könnte das deutsche Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2004 um 1,75 % zulegen“, so die IW-Prognose. Ein dünner Silberstreif also am Horizont, denn so schlecht wie 2003 ging es der deutschen Wirtschaft lange nicht mehr. Nicht einmal ein klitzekleines Zehntelprozent Wachstum werden die Statistiker zu notierten haben.
Daher ist die 2004-Prognose des Maschinenbau mit viel Positiv-Erwartung gespickt – auch wenn Textilmaschinenbau und Landtechnik schrumpfen werden, was der Durchschnittwert kaschiert.VD/KÄM

 

Ein Beitrag von:

  • Siegfried Kämpfer

    Ressortleiter Produktion VDI nachrichten. Fachthemen: Produktionstechnik, Maschinenbau, Fabrikautomatisierung.

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