Waffe der Zukunft 04.08.2016, 10:19 Uhr

Taranis-Drohne fliegt jetzt schneller als der Schall

Die britische Taranis-Drohne hat kürzlich über dem australischen Raketentestgelände von Woomera Überschallgeschwindigkeit erreicht. Bei Taranis – benannt nach dem keltischen Gewittergott – handelt es sich um eine Mehrzweckwaffe. Sie ist mit zielprogrammierbaren Bomben und Raketen bestückt und soll für das feindliche Radar weitestgehend unsichtbar sein.

Die Drohne Taranis ist nach dem keltischen Gewittergott benannt.

Die Drohne Taranis ist nach dem keltischen Gewittergott benannt.

Foto: BAE Systems

Das unbemannte Kampfflugzeug Taranis UACV (Unmanned Combat Air Vehicle) wird in Großbritannien seit nahezu zehn Jahren als „Waffe der Zukunft“ entwickelt. Ungewöhnlich ist dabei die äußerst enge gemeinsame Entwicklungsarbeit des Verteidigungsministeriums zusammen mit dem größten Wehrtechnikunternehmen des Landes BAE Systems. Dabei teilen sich die Regierung und das Unternehmen die Kosten : Allein der Prototyp allein hat schon rund 215 Millionen Euro verschlungen.

Seit zehn Jahren wird an der Entwicklung der Drohne gearbeitet. 2012 war der erste Prototyp fertig. Das britische Verteidigungsministerium erwartet, dass Taranis 2030 einsatzbereit ist. 

Seit zehn Jahren wird an der Entwicklung der Drohne gearbeitet. 2012 war der erste Prototyp fertig. Das britische Verteidigungsministerium erwartet, dass Taranis 2030 einsatzbereit ist. 

Foto: BAE Systems

Es handelt sich bei Taranis also nicht um einen voll bezahlten Entwicklungsauftrag. Vielmehr ist das Verteidigungsministerium mit einer Vielzahl eigener Fachleute direkt in die Arbeiten integriert. Der Grund: Die britische Regierung will bei der Entwicklung der nächsten Drohnen-Generationen nicht mehr hauptsächlich von der israelischen und amerikanischen Industrie abhängig sein.

Taranis fliegt schon einige Zeit – aber nicht überschallschnell

Nach vielfältigen Bodentests in Großbritannien fand der Erstflug der Drohne Taranis bereits im August 2013 in Australien statt. Dort laufen auch weiterhin alle Testflüge ab. Der wesentliche Grund dafür ist, dass das Testgelände von Woomera 127.000 km2 misst und nur mit besonderer Zulassung zugänglich ist. Damit können die Tests nicht so einfach beobachtet werden. Die britische Wehrtechnik hat auf diesem Gelände in der Vergangenheit bereits Nuklearwaffen und Raketen getestet. Das australische Verteidigungsministerium bezeichnet Woomera als das größte „Waffentest-Zentrum” der Welt.

Die seit rund zehn Jahren in der Entwicklung befindliche Drohne Taranis kann jetzt Überschallgeschwindigkeit erreichen.

Die seit rund zehn Jahren in der Entwicklung befindliche Drohne Taranis kann jetzt Überschallgeschwindigkeit erreichen.

Foto: BAE Systems

Seit kurzem fliegt Taranis in Australien auch mit Überschallgeschwindigkeit. Wie schnell diese große Drohne genau ist, wird nicht gesagt. Bestätigt wird lediglich, dass sie mit mehr als Schallgeschwindigkeit fliegt. Einzelne dieser schnellen Testflüge dauerten mehr als eine Stunde.

Von Teams am Boden ferngesteuert

Die “Testpiloten” von Taranis sind Entwicklungsingenieure, die schon lange an dem Programm arbeiten. Sie steuern in ganzen Teams die schnelle Drohne – beim Erstflug waren es zehn Techniker.

Taranis ist kompakt gebaut. Bei Testflügen steuern an der Entwicklung beteiligte Ingenieure sie vom Boden aus. Bei Überschallgeschwindigkeit kann sie auch autonom fliegen.

Taranis ist kompakt gebaut. Bei Testflügen steuern an der Entwicklung beteiligte Ingenieure sie vom Boden aus. Bei Überschallgeschwindigkeit kann sie auch autonom fliegen.

Foto: BAE Systems

Für den Überschall-Kampfeinsatz ist Taranis zusätzlich mit einer Software ausgestattet, die die Kampfdrohne unabhängig von menschlichen Eingriffen in das Geschehen macht. Bis die ersten Taranis-Kampfflugzeuge in den Truppendienst kommen, wird noch einige Zeit vergehen: Das britische Verteidigungsministerium geht vom Jahr 2030 aus.

Rund 250 Firmen am Taranis-Programm beteiligt

Am Taranis-Programm sind rund 250 Firmen beteiligt. Die Federführung liegt bei BAE Systems. Ebenfalls in die Programmführung eingebunden ist die ehemals staatliche britische Wehrtechnik-Entwicklung in Gestalt der heutigen Aktiengesellschaft Qinetic. Seit 2014 arbeitet auch das französische Wehrtechnik-Großunternehmen Dassault am Taranis-Progamm mit.

Rund 250 Firmen sind am Taranis-Programm beteiligt.

Rund 250 Firmen sind am Taranis-Programm beteiligt.

Foto: BAE Systems

Große Zulieferer sind Rolls-Royce für den Antrieb der Drohne durch ein Adour-Jettriebwerk und für die Treibstoff- und Stromversorgung an Bord der amerikanische Konzern General Electric über seine britische Tochter Smith Industries.

Kompakte Bauweise

Taranis hat eine Länge von 12,43 m und eine Spannweite von genau 10 m. Die Höhe beträgt 4 m und das maximale Startgewicht 8 t. In den Bau der Drohne ist relativ viel Edelstahl eingegangen. Alle Waffen sind während der schnellen Flüge im Inneren der Drohne verborgen.

In riesigen Behältern sollen Drohnen von alleine wachsen. 

In riesigen Behältern sollen Drohnen von alleine wachsen. 

Foto: BAE Systems

BAE Systems arbeitet auch daran Drohnen quasi wie Pflanzen zu züchten. Der chemische Prozess soll praktisch von alleine ablaufen. Mehr dazu erfahren Sie hier.

Von Peter Odrich

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