Reboot erforderlich 04.05.2015, 13:09 Uhr

Ohne Neustart der Bordsysteme kann beim Dreamliner der Strom ausfallen

Beim Langstreckenjet Dreamliner von Boeing fällt der Strom aus, wenn die Bordsysteme nicht alle vier Monate neugestartet werden. Grund ist ein interner Software-Zähler, der nach 248 Tagen im Dauerbetrieb überläuft und die Abschaltung der Generatoren auslöst. Helfen soll ein turnusmäßiger Neustart alle vier Monate.

Ein Dreamliner von Boeing beim Flug über die amerikanische Hauptstadt Washington DC: Beim Dreamliner kann wegen eines Software-Problems die Stromversorgung ausfallen. Deshalb muss die Bordelektronik alle vier Monate neu gestartet werden.

Ein Dreamliner von Boeing beim Flug über die amerikanische Hauptstadt Washington DC: Beim Dreamliner kann wegen eines Software-Problems die Stromversorgung ausfallen. Deshalb muss die Bordelektronik alle vier Monate neu gestartet werden.

Foto: Boeing

Es gibt sensiblere Lösungen, um ein Software-Problem zu beheben: Beim Boeing-Langstreckenjet 787, eher als Dreamliner bekannt, müssen die Bordsysteme alle vier Monate neu gestartet werden, um einen Totalausfall der Stromversorgung zu vermeiden. Das jedenfalls ist die Quintessenz der Handlungsempfehlung der US-Luftfahrtbehörde Federal Aviation Administration (FAA), die die Behörde am vergangenen Freitag veröffentlicht hat.

Zähler läuft nach 248 Tagen Dauerbetrieb über

Auslöser des Problems ist ein typischer Software-Fehler: Der FAA-Warnung zufolge kann „ein Software-Zähler in den Kontrolleinheiten der Stromgeneratoren nach 248 Tagen Dauerbetrieb überlaufen, was dazu führt, dass die Steuerungseinheiten in einen Schutzmodus umschalten“.

Produktion des Boeing 787 Dreamliner in South Carolina: Ein interner Software-Zähler muss regelmäßig durch einen Reboot auf Null gestellt werden, um einen Ausfall der Stromversorgung zu verhindern.

Produktion des Boeing 787 Dreamliner in South Carolina: Ein interner Software-Zähler muss regelmäßig durch einen Reboot auf Null gestellt werden, um einen Ausfall der Stromversorgung zu verhindern.

Foto: Boeing

Das hat Konsequenzen: Der von der Kontrolleinheit überwachte Generator wird dann einfach abgeschaltet. Von diesen Generatoren stecken je Triebwerk zwei Stück in einem Flugzeug. Das Problem ist also eher ein theoretisches. Denn erst wenn alle vier Stromgeneratoren zur gleichen Zeit abgeschaltet werden, droht der totale Stromausfall.

Boeing selbst hat den Fehler bei Labortests entdeckt

Boeing selbst hat die FAA auf das Problem aufmerksam gemacht, nachdem die Fluggesellschaft den Fehler bei Labortests festgestellt hat. Die Lösung des Problems: Alle vier Monate werden die Generatoren im Dreamliner stromlos gestellt und dann neu gestartet. Dabei wird bei allen vier Generatoren der Software-Zähler wieder auf Null gesetzt und ein Überlaufen wirksam verhindert.

Der Dreamliner ist bei den Fluggesellschaften beliebt, auch wegen seiner Wirtschaftlichkeit. 847 Bestellungen hat Boeing noch in seinen Auftragsbüchern verzeichnet. 

Der Dreamliner ist bei den Fluggesellschaften beliebt, auch wegen seiner Wirtschaftlichkeit. 847 Bestellungen hat Boeing noch in seinen Auftragsbüchern verzeichnet. 

Foto: Boeing

Verglichen mit den Problemen überhitzter Lithium-Ionen-Akkus zu Beginn des Flugeinsatzes des Dreamliners ist das neue Problem zum Glück leicht beherrschbar. Damals im Januar 2013 mussten die Flieger von Boeing wochenlang am Boden bleiben. Das totale „Grounding“, wie das Flugverbot genannt wird, hob die FAA erst am 25. April 2013 wieder auf.

847 Dreamliner stehen in den Auftragsbüchern

Trotz der Häufung von Pannen beim Dreamliner ist der Langstreckenflieger für Boeing eine Erfolgsgeschichte. Die Nachfrage ist ungebrochen hoch. 258 der über 60 Meter langen Flugzeuge hat der US-Konzern mit Sitz in Chicago bisher ausgeliefert. Weitere 847 stehen als gebuchte Bestellungen in den Auftragsbüchern. Dieser Erfolg ist auch nötig. Denn die Entwicklung des Flugzeuges hat 32 Milliarden US-Dollar gekostet.

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