Stabiler und spritsparender 29.10.2014, 16:39 Uhr

Neue Flugzeugkabine hat Displays statt Fenster

Wie fliegt es sich wohl in einem Flugzeug mit scheinbar transparenten Außenwänden? Diese Illusion wollen britische Forscher realisieren, indem sie Fenster durch Displays mit einem Live-Rundumblick ersetzen. Der Flugzeugrumpf soll stabiler, leichter und spritsparender sein.

Nichts für Passagiere mit Flugangst ist diese visionäre Flugzeugkabine des britischen Forschungsverbunds Center for Process Innovation (CPI). Statt Fenstern geben riesige Displays den Passagieren das Gefühl, sie würden ohne Flugzeug über den Wolken fliegen. 

Nichts für Passagiere mit Flugangst ist diese visionäre Flugzeugkabine des britischen Forschungsverbunds Center for Process Innovation (CPI). Statt Fenstern geben riesige Displays den Passagieren das Gefühl, sie würden ohne Flugzeug über den Wolken fliegen. 

Foto: CPI

Man stelle sich eine Flugzeugkabine vor, in der es statt der üblichen Fenster mit Sonnenblende ultraleichte Bildschirme gibt. Zwar kann der Passagier nicht mehr selbst nach draußen sehen, aber über Außenkameras bekommt er eine riesige Panorama-Aussicht eingespielt. In fünf bis zehn Jahren könnte die Vision zur Realität werden, sagt der britische Forschungsverbund Center for Process Innovation (CPI), der die Technologie für das fensterlose Flugzeug entwickelt.

Durch das Weglassen der Fenster wird der Flugzeugrumpf stabiler und leichter und verbraucht deshalb weniger Kerosin. Für jedes Prozent, das sich beim Gewicht sparen ließe, könnten etwa 0,75 Prozent an Kerosin gespart werden.

Ultradünne und flexible Screens aus organischen Leuchtdioden

Und so soll die neue virtuelle Innenhaut des Flugzeuges aussehen: Ultraleichte, dünne und flexible, hochauflösende Touchscreens überziehen die Seiten des Flugzeugrumpfes.

Auf den Touchscreens könnten sich Passagiere auch Informationen anzeigen lassen, beispielsweise zur Position der Internationalen Raumstation ISS. 

Auf den Touchscreens könnten sich Passagiere auch Informationen anzeigen lassen, beispielsweise zur Position der Internationalen Raumstation ISS. 

Quelle: CPI

Die Paneele bestehen aus extrem dünnen und biegsamen OLED-Elementen, die als organische Leuchtdioden in den letzten Jahren für großflächige Raumbeleuchtung populär geworden sind. 

Kameras machen Illusion perfekt

An den Tragflächen befindet sich eine Reihe von Weitwinkelkameras, die ihre Umgebung in Rundumsicht aufnehmen. Die Bilder sieht der Passagier nun auf den Monitoren und fühlt sich im besten Fall leicht und über den Wolken schwebend. Eingebaut werden sollen außerdem weitere Kameras im Innenraum, die mit den äußeren Kamerabildern gekoppelt werden. Dadurch entstehen unterschiedliche An- und Aussichten, je nachdem, wo der Passagier sich befindet. Die Illusion, tatsächlich nach draußen zu gucken, wäre perfekt. Ein Patent für ein fensterloses Cockpit hat übrigens Flugzeugbauer Airbus schon eingereicht. 

Spektakulär wäre auch der Flug bei Nacht, beispielsweise über eine beleuchtete Stadt. 

Spektakulär wäre auch der Flug bei Nacht, beispielsweise über eine beleuchtete Stadt. 

Quelle: CPI

Neben der zentralen Steuerung der Displays, etwa wenn die Kabine bei Nacht abgedunkelt werden soll, könnte jeder Passagier auch seine eigene Multimedia-Auswahl treffen. Einen Film schauen, aufs Internet zugreifen oder einen Drink beim Bordpersonal bestellen – das alles soll möglich sein. 

Für Menschen mit Flugangst problematisch

Kritik gibt es bereits an den futuristischen Plänen für ein fensterloses Flugzeug. Auf der Internetseite des CPI sehen skeptische Leser in den Kommentaren neben der versprochenen tollen Aussicht auch einige Probleme. Neben der Befürchtung, über die großflächigen Screens nun ungehindert mit Werbung zugemüllt werden zu können, finden einige Leser auch die Aussicht auf blaue Leinwände nach einer Softwarepanne für beunruhigend. Ein ernst zu nehmendes Problem könnten auch die Menschen sein, die mit Flugangst zu kämpfen haben. Ob sie sich im fensterlosen Flugzeug mit Panoramablick auf Wolken wohlfühlen werden, dürfte fraglich sein.

  • Gudrun von Schoenebeck

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