Grüner Flugverkehr 12.07.2019, 14:00 Uhr

Nachhaltiges Fliegen – wird dieser Traum bald wahr?

Fliegen ist weit umweltschädlicher als Autofahren, trotzdem werden die Flughäfen in den Sommerferien wieder alle Hände voll zu tun haben. Was können Passagiere tun, um ihren ökologischen Fußabdruck zu verringern und wie weit ist die Entwicklung grüner Flugzeuge?

Blick aus dem Flugzeug auf die Tragfläche und eine Stadt von oben

Foto: Lisa Schneider

Längst ist der Handlungsbedarf zum Klimawandel und zur Regulierung unseres Fußabdrucks, etwa in Bezug auf den CO2-Ausstoß, in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Sauberere Energien, mehr E-Mobilität, verstärkter Fokus auf nachhaltigen Konsum und ein ressourcenschonender Umgang in allen Lebensbereichen – viele Bürger fragen sich, was sie tun können, um die Umwelt zu schützen und die weitere Erwärmung der Erde zu verhindern.

Doch trotz aller Einsicht fliegen wir alle gerne in den Urlaub, obwohl wir durchaus wissen, dass der Luftverkehr die energieintensivste Art des Reisens ist. Geht das auch anders oder sind Flugreisen bald ein ökologisches Tabu?

Zahlen, Fakten, Perspektiven – ist ökologisches Fliegen möglich?

Laut BUND ist der Anteil des Luftverkehrs am Ausstoß von Treibhausgasen erheblich: 4,9 % der globalen Erwärmung werden durch den Luftverkehr ausgelöst, obwohl nur 10 % der Weltbevölkerung Zugang zur kommerziellen Luftfahrt besitzt. Das liegt nicht nur am Kohlenstoffdioxid, sondern auch an anderen Emissionen wie Wasserdampf und Stickoxiden, die in hohen Luftschichten abgesetzt werden. Zum Vergleich:

  • Bei einer Flugreise werden 211 Gramm Treibhausgase pro Person und Kilometer ausgestoßen,
  • mit dem Auto sind es 142 Gramm,
  • mit dem Zug nur 41 Gramm.

Wie das zu ändern sei, dazu gibt es verschiedene Handlungsvorschläge: Neben dem Erheben neuer Steuern, gehört auch das Stopfen bisheriger Schlupflöcher dazu. Internationale Flüge etwa kosten keine Mehrwertsteuer – gut für den Reisenden, aber schlecht für die Umwelt. Fernreisen werden damit de facto subventioniert, Kerosin ist in Deutschland sogar von der Energiesteuer ausgenommen.

Frankreich plant CO2-Steuer auf Flugtickets

Frankreich hingegen verlangt neuerdings Aufschläge auf Flüge. Die Einnahmen aus dieser Flugsteuer sollen in den Ausbau der umweltfreundlicheren Bahn gesteckt werden. Präsident Emmanuel Macron votiert sogar für eine europäische Abgabe auf Kerosin. Das wird von der Bundesregierung jedoch abgelehnt.

Eine CO2-Steuer muss dabei nicht fix sein, sondern kann flexibel sein. Modell dafür wäre etwa die Schweiz. Die kann ihre Abgabe nämlich laufend anpassen und somit bei hohem CO2-Ausstoß regulatorisch eingreifen und ansonsten Entlastung für Wirtschaft und Bürger schaffen. Auf Rechnungen wird diese Abgabe ganz transparent angegeben, wie etwa die Mehrwertsteuer. Dadurch weiß der Endkonsument genau, wie sich sein Preis zusammensetzt und könnte angehalten werden, umzusteigen. Dass die fehlende Abgabe CO2-Schleudern wie die Kohleindustrie faktisch subventioniert, wie das hier in Deutschland der Fall ist, wäre damit ausgeschlossen.

Der E-Flieger – bald Realität oder noch Science-Fiction?

Elektroautos sind emissionsärmer als Benziner und Diesel. Blenden wir einmal die Frage aus, wie derzeit in Deutschland Energie entsteht und wie Batterien später entsorgt werden, gehört die Zukunft des CO2-neutralen Transports der Elektromobilität (welche Rolle die Brennstoffzelle übernehmen sollte, haben wir uns hier gefragt). Also warum sollte das Prinzip E-Motor nicht auch am Himmel funktionieren?

In der Luftfahrt stößt das auf mehrere Probleme, denn Flugzeuge bleiben im Schnitt 30 Jahre lang im Einsatz. Der Austausch der Flotten geht also nur schleppend voran. Ganz davon abgesehen, dass die Technik, die für einen elektrisch angetriebenen Passagierflieger notwendig wäre, faktisch noch nicht vorhanden ist. Eine Batterie schafft pro Kilogramm nur 3 % der Leistung eines Kilogramms Kerosin. Ein Elektroflugzeug hätte derzeit also einfach nicht genug Leistung, um in der Luft zu bleiben – oder wäre zu schwer, um sinnvoll fliegen zu können.

Gasturbinen als Übergangslösung für den Flugverkehr

Funktionieren könnte es aber mit Gasturbinen, damit erzeugt jedes Flugzeug während des Flugs seinen eigenen Strom. Es würde funktionieren wie ein Hybridmotor, denn für den energieintensiven Start müsste nach wie vor Kerosin verbrannt werden. Immerhin ein Fortschritt. Rund 20 % bis 40 % weniger Treibstoff würden laut einer Studie der Universität Stuttgart verbraucht. Batteriegetriebene Motorsegler gibt es bereits, die bieten aber nur Platz für zwei Personen.

Das Fliegen mit Hybridmotoren bleibt weiter Zukunftsmusik. Laut Siemens könnten Hybridflugzeuge aber 2050 den Himmel dominieren. Das ist allerdings zu spät, wenn wir den Klimawandel noch nachhaltig beeinflussen wollen.

Ökosprit noch nicht reif für den Markt

Emissionen lassen sich auch durch die Beimischung von Ökosprit reduzieren. Wissenschaftler von DLR (Deutsche Luft- und Raumfahrtagentur) und Nasa versprechen sich eine Reduktion von 50 % bis 70 % der Rußpartikel. Wirklich umweltverträglich ist aber auch das nicht, denn auch der Biosprit muss irgendwie gewonnen werden.

Die Lufthansa setzte testweise etwa auf Öl aus der giftigen Nuss Jatropha, auch Palmöl ist eine denkbare Lösung. Dort wo Palmöl angebaut wird, muss aber in der Regel Regenwald weichen und gerade der ist sehr effizient im Binden von CO2. Getestet wurden auch Alternativen zum Kerosin aus gebrauchtem Bratfett oder auf Basis von Zucker, allerdings im Rahmen von Forschungsarbeiten. Ob das jemals für den kommerziellen Flugverkehr praktikabel zu realisieren ist, ist zweifelhaft. Dabei berichteten wir bereits 2011 von Biokraftstoffen in Le Bourget

Aerodynamik könnte Nachtflugverbote aufheben

Außer Hybridantrieben gibt es aber noch andere Lösungen und die liegen in der Aerodynamik. Haben Maschinen weniger Luftwiderstand, verbrauchen Sie weniger Treibstoff, das funktioniert unabhängig vom Treibstoff. Das größte Incentive für die Fluggesellschaften ist dabei nicht der Treibstoffwechsel, Kerosin verursacht für Lufthansa, Ryanair und Co. nur rund 20 % der laufenden Kosten. Vielmehr können die Gesellschaften logistisch sparen, denn aerodynamischere Maschinen mit Hybridantrieben können leiser fliegen, das bedeutet weniger Nachtflugverbote und entsprechend mehr Möglichkeiten für Starts und Landungen. Genau das könnte aber für mehr Flugverkehr sorgen und so gegebenenfalls die CO2-Reduktion negieren.

Mit Kompensation bereits heute „grün“ fliegen

Doch nicht nur aus den Bereichen Technik und Forschung gibt es Ansätze zum ökologischen Reisen. Ein Aspekt, der wenig Erwähnung findet, ist die Kompensation. Anbieter zur CO2-Kompensation ermöglichen es Reisenden bereits heute, Ihren ökologischen Fußabdruck durch die Fernreise zu relativieren. Das funktioniert ganz einfach: Reisende geben bei den Kompensationsanbietern ihre Reisedistanz ein und können sich so anzeigen lassen, wie viel CO2 die Reise freisetzt. Durch die Unterstützung eines Klimaschutzprojektes, in der Regel ist das Aufforstung, wird der Ausstoß von Treibhausgasen durch die Bindung der gleichen Gase rechnerisch auf Null gesetzt.
Dieser moderne Ablasshandel hat natürlich positive Auswirkungen, subventioniert aber langfristig eine wenig ökologische Technologie und trägt nicht dazu bei, dass der Ausstoß von Treibhausgasen reduziert wird. Die Kompensation ist entsprechend eine kurzfristige Lösung, aber immer noch besser als ein Flug ohne Kompensation. Ob und wann das sinnvoll ist, muss jeder Reisende für sich entscheiden.

Alternatives Fliegen oder eine Alternative zum Fliegen

Werden wir also jemals ökologisch nachhaltig und umweltbewusst in die Lüfte steigen? In absehbarer Zukunft lautet die Antwort klar „nein“. Wer umweltbewusst reisen will, sollte auf kurzen Strecken die Bahn nehmen und inländische Flüge vermeiden. Die Ära der Billigflieger könnte zudem ihr Ende erreicht haben, spätestens dann, wenn mehr Staaten eine CO2-Steuer verlangen oder zumindest geltende Steuervorteile streichen.

Fliegen kann und wird in den nächsten Jahren ökologischer werden, die wirklich ökologische Art zu fliegen, wird aber den Vögeln vorbehalten bleiben. Der Mensch hingegen sollte aus der Perspektive des Umweltschutzes besser auf dem Boden der Tatsachen bleiben.

 

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