Test britischer Flugsicherung 23.10.2015, 10:59 Uhr

Luftraum für Drohnen öffnen: Im regulären Verkehr mitgeflogen

Erstmals war Ende September eine große Drohne im normalen Luftverkehr mit von der Partie. Weit über ihr flogen Maschinen von British Airways, Delta Air Lines und United Airlines. Vergleichsweise nah flogen Verkehrsflugzeuge von VLM und Stobart Air über ihr. Der erste große Test funktionierte reibungslos.

Drohne Watchkeeper: Die schwere Standard-Aufklärungsdrohne der britischen Streitkräfte wurde für einen ersten Test genutzt, bei dem ein unbemanntes Fluggerät im regulären Verkehrsbetrieb unterwegs war. Weitere Tests sollen folgen.

Drohne Watchkeeper: Die schwere Standard-Aufklärungsdrohne der britischen Streitkräfte wurde für einen ersten Test genutzt, bei dem ein unbemanntes Fluggerät im regulären Verkehrsbetrieb unterwegs war. Weitere Tests sollen folgen.

Foto: Richard Seymour/ Thales UK

Verantwortlich für dieses weltweit erste Testprogramm, das Drohnen im regulären Luftverkehrsbetrieb während der Hauptverkehrszeit am Tag mitfliegen ließ, war die britische Flugsicherung, NATS. Das privatisierte Unternehmen, das früher einmal als National Air Traffic Services firmierte, bewertet den Erstflug der Drohne inmitten von Linienflügen am 30. September als “Meilenstein bei dem Bemühen, den Luftraum für Drohnen voll zu öffnen”.

Drohne Prime Air von Amazon.

Drohne Prime Air von Amazon.

Foto: Amazon

Hauptinteressent für diese Tests ist bislang der Amazon-Konzern, der einen Teil seiner Paketzustellungen so rasch wie möglich auf Drohnen umstellen möchte. Dabei gilt Großbritannien als das Land, in dem Amazon am schnellsten zum Zuge zu kommen hofft.

Ablauf des ersten Testflugs

Den ersten Testflug absolvierte die Drohne unter dem Codenamen oder Flugsicherungs-Rufzeichen “Cronus”. Sie starte morgens um 10 Uhr von einem speziellen Drohnen-Flugplatz im westlichen Wales und flog dann über die nahe Küste auf die Irische See hinaus, wo sie sich in den intensiven Flugbetrieb während der Vormittagsstunden einreihte. Überwiegend flog sie in einer Höhe von knapp 5000 Metern. Die kleineren Verkehrsflugzeuge der Luftfahrtgesellschaften Stobart Air und VLM flogen zwischen 6000 und 9000 m über Cronus.

Watchkeeper am Boden: Die Drohne wurde für den Testflug ausgewählt, weil sie eine Fülle von Mess- und Überwachungsgeräten mitführen kann. 

Watchkeeper am Boden: Die Drohne wurde für den Testflug ausgewählt, weil sie eine Fülle von Mess- und Überwachungsgeräten mitführen kann. 

Foto: army-technology.com

Die großen Maschinen von British Airways, Delta und United bewegten sich in einer Höhe von rund 11.000 m, also knapp 6000 m oberhalb von Cronus. Es ist davon auszugehen, dass die Höhenunterschiede bei weiteren Tests im Flugbetrieb verringert werden. Cronus wird also näher an die bemannten Flugzeuge heranrücken.

Bei Cronus handelt es sich um eine Watchkeeper-Drohne

“Watchkeeper” ist die schwere Standard-Aufklärungsdrohne der britischen Streitkräfte, die insgesamt 54 Exemplare des Modells WK450 für mehr als eine Milliarde € bestellt haben. Gebaut wird sie in Großbritannien von einem Unternehmen namens UAV Tactical Systems, das sich zu 51 % im Besitz des israelischen Drohnen-Produzenten Elbit befindet. Der andere Partner ist der französische Wehrtechnik-Konzern Thales.

Watchkeeper kann lange Zeit in der Luft bleiben und verfügt über eine hohe Zuladungskapazität für Aufklärungsgerät aller Art. Diese Drohne ist nicht für die Zustellung von Amazon-Paketen geeignet. Für die Tests eignet sie sich aber besonders gut, weil eine Fülle von Mess- und Überwachungsgeräten für derartige Testflüge mitgeführt werden können. 

Von Peter Odrich

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