Bombe an Bord 05.11.2015, 11:43 Uhr

Flugzeugabsturz über dem Sinai war wohl ein Terroranschlag

Eine an Bord geschmuggelte Bombe im Gepäckraum war offenbar der Grund für den Absturz der russischen Passagiermaschine auf der Sinai-Halbinsel. Großbritannien hat deshalb die Flugverbindungen zwischen Scharm el-Scheich und London gestoppt. 

Brachte eine Bombe an Bord den russischen Airbus A321 zum Absturz? Die britische Regierung und US-Geheimdienste halten dies inzwischen für wahrscheinlich. 

Brachte eine Bombe an Bord den russischen Airbus A321 zum Absturz? Die britische Regierung und US-Geheimdienste halten dies inzwischen für wahrscheinlich. 

Foto: Maxim Grigoriev/dpa

Großbritanniens Außenminister Philip Hammond erklärte heute, es bestehe „eine hohe Wahrscheinlichkeit“, dass die Terrororganisation Islamischer Staat für den Airbus-Absturz auf der ägyptischen Halbinsel verantwortlich sei. Ohnehin hatte sich der IS bereits mit dem Absturz gebrüstet. Einen Raketenabschuss hatten Experten aufgrund der hohen Flughöhe der Maschine zuvor und den technischen Möglichkeiten der Terroristen nahezu ausgeschlossen.

Hinweise der Geheimdienste auf Terroranschlag

Inzwischen haben sich die Hinweise der Geheimdienste verdichtet, dass der Absturz durch eine Bombe an Bord verursacht wurde. Bereits am Mittwochabend hatte Hammond nach einer Sitzung des britischen Sicherheitskabinetts erklärt, es gebe Grund zu dieser Annahme. Ein Sprengkörper an Bord sei eine „signifikante Möglichkeit“, sagte Hammond in London. Es seien verschiedene Quellen ausgewertet worden, bevor die Regierung zu dem Schluss gekommen sei. 

Großbritannien zog umgehend drakonische Konsequenzen und verbot britischen Verkehrsflugzeugen, den ägyptischen Badeort Scharm el Scheich weiterhin anzufliegen und erteilte zudem ein Startverbot für alle drei britischen Verkehrsflugzeuge, die sich dort befinden.

Von dem Urlaubsort am Roten Meer war Samstag der Airbus A321 der russischen Gesellschaft Metrojet gestartet und wenige Minuten später mit 224 Menschen an Bord abgestürzt. Schon früh gab es Spekulationen, dass eine Bombe an Bord das Unglück ausgelöst hat.

Kämpfe mit dem IS auf der Sinai-Halbinsel

Seit Monaten liefern sich im Sinai-Gebiet ägyptische Sicherheitskräfte und aufständische Islamisten erbitterte Auseinandersetzungen. Nicht nur die Briten meiden nun das Kampfgebiet. Seit dem Unglück umfliegen die Lufthansa, die Air France und Emirates das Sinai. Auch irische Flugzeuge umfliegen die Halbinsel, teilte die irische Luftfahrtbehörde IAA in Dublin mit. Auch niederländische Fluggesellschaften wollen zunächst bis Sonntag die ägyptische Urlaubsregion von Scharm el-Scheich nicht mehr anfliegen – obwohl sich dort noch rund 400 Holländer aufhalten.

Im Zielflughafen in Sankt Petersburg des abgestürzten Airbus A321 wird den 224 Opfern mit Blumen und Kerzen gedacht. 

Im Zielflughafen in Sankt Petersburg des abgestürzten Airbus A321 wird den 224 Opfern mit Blumen und Kerzen gedacht. 

Foto: Anatoly Maltsev/dpa

Mehrere US-Medien berichten, amerikanische Geheimdienste hätten Hinweise darauf, dass eine Bombe möglicherweise von einem Mitarbeiter des Gepäckservices oder durch den Cateringdienst an Bord geschmuggelt worden sei. Offiziell ist das alles nicht. US-Präsident Barack Obama hält sich mit öffentlichen Äußerungen zurück. Der Sprecher des Weißen Hauses, Josh Earnest, wollte nicht einmal bestätigen, dass Obama von den Geheimdiensten über mögliche Absturzursachen informiert wurde.

Chef des Flughafens Scharm el-Scheich abgesetzt

Fakt ist, dass in Ägypten selbst gestern Abend der bisherige Chef des Flughafens von Scharm el-Scheich versetzt und durch einen Piloten ersetzt wurde. Dies habe aber nichts mit der medialen Skepsis rund um die Flughafensicherheit zu tun, beteuerte Adel Mahgub, der Vorsitzende des ägyptischen Staatskonzerns, der für die zivilen Flughäfen des Landes zuständig ist. 

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