Diesel liefert Strom 22.08.2014, 11:26 Uhr

Elektroflugzeug der NASA startet senkrecht dank zehn Kipprotoren

Beim GL-10 Greased Lightning liegt Kippen voll im Trend: Das Elektroflugzeug kann nicht nur wie ein Flugzeug starten, sondern auch senkrecht wie ein Hubschrauber. Dazu kippt es Triebwerksgondeln, Tragflächen und Höhenleitwerk. Jetzt will die NASA prüfen, ob sich das Konzept auf Verkehrsflugzeuge übertragen lässt. 

Elektromotoren sind anders als Verbrennungsmotoren so flexibel, dass sie sich senkrecht kippen lassen. Die Lithium-Akkus erhalten Energie von zwei Dieselmotoren und einem elektrischen Generator. 

Elektromotoren sind anders als Verbrennungsmotoren so flexibel, dass sie sich senkrecht kippen lassen. Die Lithium-Akkus erhalten Energie von zwei Dieselmotoren und einem elektrischen Generator. 

Foto: NASA

Die US-Weltraumbehörde NASA arbeitet derzeit an einem ungewöhnlichen Fluggerät: Das GL-10 Greased Lightning hat einen dieselelektrischen Antrieb, der ihm ganz ungewöhnliche Flugeigenschaften ermöglicht. Es kann nicht nur wie ein Flugzeuge fliegen, sondern auch senkrecht abheben wie ein Hubschrauber.

Damit ist GL-10 zwar nicht das erste Fluggerät mit Kipprotoren. Aber zum ersten Mal werden Elektromotoren eingesetzt. Den Strom liefern zwei Dieselmotoren, die im Flugzeugkörper untergebracht sind. Erste Tests im Forschungszentrum Langley Research Center im US-Bundesstaat Virginia waren bereits erfolgreich. Die Drohne, mit einer Spannweite von 3,30 Meter so groß wie ein Modellflugzeug, ist dabei im sogenannten Fesselflug senkrecht abgehoben – dabei war sie per Kabel mit der Fernsteuerung verbunden.

Dieselmotoren und Elektrogenerator laden Lithium-Akkus

Will GL-10 senkrecht abheben, werden aber nicht nur die Triebwerksgondeln gedreht, sondern die komplette Tragfläche sowie das Höhenleitwerk, auf dem zwei der zehn Elektromotoren installiert sind. Die beiden Dieselmotoren und ein Generator sind an Bord des Fluggeräts untergebracht und laden ständig die Lithium-Batterien zur Versorgung der Elektromotoren.

Senkrechtstarten ist bislang eine Domäne der Düsenjets, etwa der F-35B, die hier im Bild auf einem US-Flugzeugträger landet. 

Senkrechtstarten ist bislang eine Domäne der Düsenjets, etwa der F-35B, die hier im Bild auf einem US-Flugzeugträger landet. 

Foto: US Navy

Und wozu der Umweg? Elektromotoren sind mechanisch weit weniger komplex als klassische Verbrennungsmotoren. Dadurch sind sie flexibler und können in beliebiger Position ihre Leistung bringen. Zweiter Vorteil der Dieselmotoren an Bord: im Vergleich zu rein elektrischen Systemen erhöht sich die Reichweite des Flugzeugs. Deshalb kann eine Großversion des GL-10 künftig genauso lange in der Luft bleiben wie ein moderner Jet.

NASA will Konzept auf Verkehrsflugzeuge übertragen

Die NASA will nun prüfen, ob das Konzept eines Kipprotorflugzeugs mit Elektroantrieb bei einem Verkehrsflugzeug verwirklicht werden kann. Würde sich das Konzept wirklich im Großformat realisieren lassen, hätte das auch am Boden enorme Folgen: Verkehrsflugzeuge könnten dann ohne lange Start- und Landebahnen auskommen und wie ein Helikopter senkrecht starten und landen. Doch zunächst gilt es, das Modell weiter zu entwickeln und von der Leine zu lassen: Im Herbst soll Greased Lightning erstmals schnurlos abheben. 

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