Experimente in Schwerelosigkeit 08.05.2015, 14:39 Uhr

Ehemaliger Kanzler-Airbus dient erfolgreich der Wissenschaft

Die A310 Zero-G hat ihre erste Kampagne erfolgreich absolviert: Zwölf Experimente fanden in der jeweils 22 Sekunden dauernden Schwerelosigkeit statt. Früher war das Parabelflugzeug als Kanzler-Airbus Konrad Adenauer bekannt.

Das Parabelflugzeug Zero-G: Der Airbus A310 hat 26 Jahre auf dem Buckel. Heute lässt er Wissenschaftler im Sturzflug die Schwerelosigkeit erleben.

Das Parabelflugzeug Zero-G: Der Airbus A310 hat 26 Jahre auf dem Buckel. Heute lässt er Wissenschaftler im Sturzflug die Schwerelosigkeit erleben.

Foto: DLR

Im Juni 2014 kaufte die französische Firma Novespace mit Sitz in Bordeaux-Mérignac den knapp 26 Jahre alten A310-304 VIP Konrad Adenauer der deutschen Bundesregierung für rund 2,5 Millionen Euro ab. Zero-G prangt nun in Riesenlettern seitlich am ehemaligen Kanzlerflieger. „Die Herausforderung war, ein bezahlbares und dennoch durch Starts und Landungen relativ wenig beanspruchtes Flugzeug zu finden“, erläutert Ulrike Friedrich, die seit 1999 das DLR-Parabelflugprogramm leitet. „Denn beim Starten und Landen ist die Flugzeugstruktur den stärksten Belastungen ausgesetzt.“

Der Kanzler-Airbus wurde von der Lufthansa Technik AG in Hamburg für seine neue Aufgabe umgebaut und stark modifiziert. Prominent in der Mitte des Flugzeugs befindet sich nun die rund 100 Quadratmeter große, rundherum mit weißen Kunstledermatten ausgekleidete fensterlose Experimentierzone. Sie ist von schwarzen Netzen begrenzt, damit nichts herausschweben kann während der Schwerelosigkeit. Es gibt Haltegriffe und besondere Licht- und Bodenleisten, damit nach der dritten Parabel kein Wissenschaftler völlig orientierungslos in die Netze geht.

Satelliten im Parabelflug-Experiment: Die Geräte sind allerdings nicht echt, es sind nur Dummies.

Satelliten im Parabelflug-Experiment: Die Geräte sind allerdings nicht echt, es sind nur Dummies.

Foto: DLR

Am 7. Mai landete das neue Parabelflugzeug A310 Zero-G zum letzten Mal im Rahmen der ersten Parabelflug-Kampagne. „Das ist eine Gemeinschaftskampagne des DLR, der Europäischen Weltraumorganisation ESA und der französischen Raumfahrtagentur CNES“, berichtet Friedrich. „Wir haben insgesamt zwölf Experimente an Bord, von denen acht aus Deutschland kommen – vier davon wurden von der ESA ausgewählt.“

Ein Parabelflug zehrt an den Grundfesten der Maschine

Eine Parabel bedeutet: Zuerst fliegen die Piloten den Kanzler-Airbus steil nach oben, um ihn dann im kontrollierten Sturzflug in Richtung Erde zu lenken. Im oberen Bereich dieser Flugkurve gibt es für 22 Sekunden Schwerelosigkeit. In den Phasen davor und danach herrscht an Bord nahezu doppelte Schwerkraft. Das zehrt an den Grundfesten der Maschine. Einige Teile der Flugzeugstruktur müssen bei einer solchen Parabel Belastungen aushalten, die bis zu 30 Mal so groß sind wie beim normalen Einsatz.

Forscher im Sturzflug: Schwerelosigkeit kann auch Spaß machen, neben all dem wissenschaftlichen Ernst.

Forscher im Sturzflug: Schwerelosigkeit kann auch Spaß machen, neben all dem wissenschaftlichen Ernst.

Foto: DLR

Der neue Parabelflieger bietet gegenüber dem Vorgänger einige Vorzüge. So steht den Wissenschaftlern mehr Energie für ihre Experimente zur Verfügung. „Die verfügbare elektrische Energie und der Experimentierraum entscheiden darüber, wie viel Experimente wir mit an Bord nehmen können“, erklärt Friedrich. Fünf bis sechs solcher Parabelflug-Kampagnen werden mit der A310 Zero-G jährlich geflogen.

„Die Qualität der Schwerelosigkeit war exzellent“

„Wir haben drei erfolgreiche Flugtage bestritten. Die Qualität der Schwerelosigkeit während der Parabeln war exzellent. Wir können daher auf gute Ergebnisse hoffen“, blickt Prof. Stefan Schneider von der Deutschen Sporthochschule Köln auf diese Parabelflugkampagne zurück. Sein Team untersuchte, ob sich chronischer Stress, dem Astronauten und Kosmonauten durch ihre Isolation im Weltall ausgesetzt sind, auf die kognitive Leistungsfähigkeit auswirkt. Gleichzeitig wurde erforscht, ob ein individuelles Sport- und Bewegungsprogramm diesem Stress entgegenwirken kann.

Schwebende Forscherin: Konzentration ist gefragt, um die Experimente in jeweils 22 Sekunden der Schwerelosigkeit zum Erfolg zu führen.

Schwebende Forscherin: Konzentration ist gefragt, um die Experimente in jeweils 22 Sekunden der Schwerelosigkeit zum Erfolg zu führen.

Foto: DLR

Dazu absolvierten die Testpersonen während der Schwerelosigkeit das virtuelle Andocken eines russischen Raumschiffes an die ISS. Neurophysiologische Messungen sollen helfen, die Bedeutung von Sport und Bewegung für die mentale Gesundheit im All herauszustellen.

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