Entwicklung in Rekordzeit 13.07.2016, 07:23 Uhr

Chinas Riesenflugzeug Y-20 bringt Airbus in Bedrängnis

Können chinesische Ingenieure schneller und besser ein Großraumflugzeug entwickeln als die Kollegen von Airbus? Es scheint so: China hat in nur drei Jahren das Riesenflugzeug Y-20 entwickelt, das jetzt ausgeliefert wird. Eine Klatsche für Airbus und seine pannengeschüttelte Militärmaschine A400M. 

A400M der Bundeswehr

Die Konkurrenz des A400M (Bild) feierte auf der Flugshow 2014 im chinesischen Zhuhai Premiere: Vier Manteltriebwerke beschleunigen die Y-20 auf eine Höchstgeschwindigkeit von 918 km/h. Der Militärtransporter kann mit 66 t Fracht an Bord bis zu 10.000 km weit fliegen.

Foto: Andrea Bienert/Bundeswehr

Was da aus dem Hangar des staatlichen Flugzeugbauers Xi´an Aircraft rollt, ist an Wuchtigkeit kaum zu überbieten. Der neue militärische Großraumtransporter Y-20 ist 47 m lang, hat eine Spannweite von 50 m und wiegt stolze 100 t. An den Flügeln sitzen vier Mantelstromtriebwerke, die genügend Schub erzeugen, um eine Nutzlast von 66 t in die Luft zu heben, auf eine Höchstgeschwindigkeit von 918 km/h zu beschleunigen und bis zu 10.000 km weit zu fliegen.

Gedacht ist der neue Transporter für Militäreinsätze, Katastrophenunterstützung und humanitäre Hilfeleistungen. Xi´an Aircraft liefert die Maschinen dieser Tage an die Truppen aus.

Nur drei Jahre vom Erstflug bis zur Auslieferung

Der Transporter Y-20 stellt das Konkurrenzmodell A400M von Airbus in den Schatten. Nicht unbedingt, weil der chinesische Riesenflieger fast doppelt so viel Fracht transportieren kann und drei Mal so weit fliegt –schließlich ist er mit der Boeing C-17 vergleichbar und somit eine Klasse größer als die A400M.

Vielmehr deshalb, weil die Chinesen nach dem Erstflug nur drei Jahre brauchten, um den Truppen ein funktionierendes Flugzeug zur Verfügung zu stellen. Y-20 sei schon jetzt militärisch umfangreicher nutzbar als die A400M, zitiert die Tageszeitung Die Welt einen chinesischen Militärexperten. Airbus muss sich derweil mit einer langen Problemkette herumschlagen.

A400M: kaputte Triebwerke, eiskalte Frachträume

Im Besitz der Bundeswehr sind derzeit drei A400M, von denen zwei wegen Schäden an den Triebwerken nicht fliegen dürfen. Schlimmstenfalls muss Airbus die Getriebe aus Italien sogar umkonstruieren und eine neue Zulassung bei den Behörden beantragen. Ein Zeitfresser.

Und es gibt weitere Probleme. Mittlerweile hat sich herausgestellt, dass es während des Flugs in großen Höhen im Inneren des Frachtraums kälter als -30 °C wird. Um Personen zu schützen, kommt provisorisch ein Vorhang zum Einsatz, der die Kälteregion im Heck abtrennt. Um das Problem zu beheben, muss Airbus allerdings Heizung und Isolierung umbauen. Bis zu zweieinhalb Jahre könnten vergehen, bis die Umbauten entwickelt und zugelassen sind.

Ein Problem der A400M: In großer Flughöhe wird es in der Maschine zu kalt. Die Laderampe des Militärtransporters kann außerdem nur drei Tonnen Gewicht tragen – gefordert waren 4,5 Tonnen. 

Ein Problem der A400M: In großer Flughöhe wird es in der Maschine zu kalt. Die Laderampe des Militärtransporters kann außerdem nur drei Tonnen Gewicht tragen – gefordert waren 4,5 Tonnen.

Quelle: dpa/Andy Rain

China will jährlich bis zu 1000 Maschinen bauen

Bei der Y-20 sind bislang keine Probleme bekannt geworden. Ob das an der reibungslosen Entwicklung oder der Medienkontrolle liegt, sei dahingestellt. Zukünftig will der chinesische Flugzeugbauer angeblich bis zu 1000 Exemplare der Militärmaschine pro Jahr bauen, um die Truppen zu versorgen.

Airbus hingegen schlägt sich mit Lieferproblemen herum und kann dem Wunsch der Bundeswehr nach mehr Flugzeugen derzeit nicht nachkommen. Der französische Flugzeugbauer wird in diesem Jahr sein Ziel von mindestens 20 Auslieferungen nicht erreichen.

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