Autonomes Fliegen 29.01.2018, 13:54 Uhr

Boeing entwickelt Fracht-Drohne in Rekordzeit

Drohnen werden immer mehr zu Lasteseln: Fast eine Vierteltonne Fracht kann die Drohne tragen, die Boeing nach eigenen Angaben in weniger als drei Monaten entwickelt hat. Der Prototyp soll nicht weniger als ein großer Schritt zur Revolution der Luftfahrt sein.

Boeing entwickelt Fracht-Drohne in Rekordzeit

Viereinhalb mal fünfeinhalb Meter misst die Fracht-Drohne von Boeing, die rund 225 Kilo tragen kann.

Foto: Boeing

Boeing entwickelt Fracht-Drohne in Rekordzeit

Test der Drohne im Forschungslabor.

Foto: Boeing

Boeing entwickelt Fracht-Drohne in Rekordzeit

Drei Monate haben die Boeing-Ingenieure gebraucht, um die Fracht-Drohne zu entwickeln.

Foto: Boeing

Mit einer Spaßdrohne für Hobbyflieger hat dieses Ding nichts zu tun. 340 Kilo schwer, fünfeinhalb Meter lang und viereinhalb Meter breit: Mit dieser Riesen-Drohne will Boeing den Fracht- und Personenverkehr revolutionieren.

In weniger als drei Monaten habe man den Prototyp entwickelt, verkündet Boeing stolz. Und der oberste Techniker des Unternehmens, Greg Hyslop, verspricht im selben Atemzug: „Wir werden einmal auf diesen Tag zurückschauen als einen großen Schritt auf der Reise zu einer neuen Art des Reisens und des Transports.“

Kaum Angaben zur Technik

Das unbemannte Vehikel verfügt über einen elektrischen Antrieb und acht Rotoren, die so angeordnet sind, dass senkrechtes Starten und Landen möglich ist. Erste Testflüge auf dem Boeing-eigenen Versuchsgelände im US-Bundesstaat Missouri habe es erfolgreich absolviert, teilt der Flugzeugbauer mit. Und das war es dann schon auch mit den konkreten Angaben. Details zum Antrieb, etwa der Batterie-Art, Informationen zu Reichweite oder Sicherheitsfeatures – Fehlanzeige.

Derartige Schweigsamkeit kann immer zwei Gründe haben. Entweder ist die Technik so aufregend neu, dass man der Konkurrenz keine Details verraten will. Oder sie ist so unspektakulär, dass man weiß: Wenn wir das preisgeben, interessiert sich niemand für unser Projekt.

Sicherheit als zentraler Faktor

Nun darf man Boeing natürlich durchaus Innovationskraft zutrauen. Auch deshalb, weil das US-Unternehmen erst vor wenigen Monaten die Firma Aurora Flight Services übernommen hat. Und die hat schon fast 30 Jahre Erfahrung in der Entwicklung und dem Bau unbemannter Luftfahrzeuge, außerdem gilt ihr System für die Umweltwahrnehmung als besonders präzise. Für Boeing ist Letzteres ein extrem wichtiger Punkt, weil „die sichere Integration der unbemannten Systeme in die Luftfahrt lebenswichtig dafür ist, ihr volles Potenzial entfalten zu können“ – so sagt es Steve Nordlund, Vizepräsident der Boeing-Tochter Horizon X, die die Fracht-Drohne mitentwickelt hat.

Hier wird Ihnen ein externer Inhalt von youtube.com angezeigt.

Mit der Nutzung des Inhalts stimmen Sie der Datenschutzerklärung von youtube.com zu.

Boeing beschreibt den neuen Prototyp als perfekte Ergänzung zu der Passagier-Drohne, die bei Aurora Flight Services entwickelt wird. Schon in zwei Jahren will Aurora 50 Stück an den Fahrdienst Uber ausliefern – genauer gesagt an dessen Tochter Uber Elevate, die die Drohnen als Lufttaxis einsetzen will.

Natilus plant in ganz anderen Dimensionen

Wie immer beim Thema Drohnen gilt: Essenzielle Sicherheits- und damit Rechtsfragen sind nicht geklärt, ähnlich wie beim Autonomen Fahren. Dass Fracht-Drohnen schon relativ bald flächendeckend im Einsatz sein werden, gilt dennoch als ausgemacht. Wenn auch vielleicht nicht so schnell in den Dimensionen, die das US-Start-up Natilus plant.

Ein amerikanisches Start-up will eine Drohne bauen so groß wie eine Boeing 777. Sie soll 90 t Nutzlast zwischen den USA und Europa und zwischen den USA und Asien transportieren können.

Ein amerikanisches Start-up will eine Drohne bauen so groß wie eine Boeing 777. Sie soll 90 t Nutzlast zwischen den USA und Europa und zwischen den USA und Asien transportieren können.

Quelle: Natilus

Seine Drohne soll so viel Fracht transportieren können wie eine Boeing 747, und das zur Hälfte der Kosten. Konkretes Beispiel: Etwa 90 Tonnen Fracht sind von Los Angeles nach Shanghai zu bringen. Im Flugzeug würde das laut Natilus 11 Stunden dauern und 260.000 Dollar kosten. Im Schiff zwar nur 61.000 Dollar, dafür bräuchte der Frachter aber auch drei Wochen für die Fahrt. Die Drohne würde demnach 30 Stunden brauchen, die Kosten lägen bei 130.000 Dollar. Im Augenblick sammelt Natilus allerdings noch Geld von Investoren ein, um überhaupt in die Produktion gehen zu können.

Boeing ist aber nicht das einzige Unternehmen, das an Drohnen arbeitet, die rund 250 Kilogramm Nutzlast haben. Das norwegische Unternehmen Griff Aviation hat Ende 2016 eine Drohne vorgestellt, die 225 kg tragen kann. Das nächstgrößere Modell soll 800 kg transportieren können.

Ein Beitrag von:

  • Werner Grosch

    Werner Grosch ist Journalist und schreibt vor allem über Technik. Seine Fachgebiete sind unter anderem Elektromobilität, Energie, Robotik und Raumfahrt.

Themen im Artikel

Stellenangebote im Bereich Luft- und Raumfahrt

Dynamic Engineering GmbH-Firmenlogo
Dynamic Engineering GmbH Ingenieur / Techniker Versuch (m/w/d) – Automotive / Rail / Luft- und Raumfahrt München
SCHROTH Safety Products GmbH-Firmenlogo
SCHROTH Safety Products GmbH Entwicklungsingenieur (w/m/d) für den Bereich Luftfahrt Arnsberg
RUAG Aerostructures-Firmenlogo
RUAG Aerostructures Berechnungsingenieur (m/w/d) Coswig bei Dresden
RUAG Aerostructures-Firmenlogo
RUAG Aerostructures Konstruktionsingenieur (m/w/d) Gilching
RUAG Aerostructures-Firmenlogo
RUAG Aerostructures Konstruktionsingenieur (m/w/d) Coswig bei Dresden
RUAG Aerostructures-Firmenlogo
RUAG Aerostructures Berechnungsingenieur (m/w/d) Gilching
RUAG Space Germany GmbH-Firmenlogo
RUAG Space Germany GmbH Testingenieur (m/w/d) Coswig
Knorr-Bremse Systeme für Nutzfahrzeuge GmbH Schwieberdingen-Firmenlogo
Knorr-Bremse Systeme für Nutzfahrzeuge GmbH Schwieberdingen System and Requirements Engineer (m/w/d) Schwieberdingen bei Stuttgart
COMTRONIC GmbH-Firmenlogo
COMTRONIC GmbH Systemingenieur (m/w/d) Schönau bei Heidelberg

Alle Luft- und Raumfahrt Jobs

Top 5 Luftfahrt

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.