Probleme mit Lithium-Ionen-Batterien 14.02.2013, 11:00 Uhr

Boeing will abheben, Airbus überlegt Alternativen

Seit knapp einem Monat stehen die Boeing 787 am Boden, ein endgültiges Urteil darüber, warum die Lithium-Ionen-Batterien brannten, steht noch immer aus. Jetzt hat Boeing bei der FAA Testflüge mit der 787 beantragt. Airbus verfolgt bei seiner neuen A350 offenbar eine zweigleisige Strategie beim Einsatz von Lithium-Ionen-Batterien.

Seit fast einem Monat muss Boeings 787-Flotte am Boden bleiben, weil Anfang des Jahres in einer Maschine eine Lithium-Ionen-Batterie in Flammen aufging.

Seit fast einem Monat muss Boeings 787-Flotte am Boden bleiben, weil Anfang des Jahres in einer Maschine eine Lithium-Ionen-Batterie in Flammen aufging.

Foto: Boeing

Bald einen Monat steht jetzt die gesamte 787-Flotte am Boden, nachdem Anfang des Jahres auf dem Flughafen Boston in einer 787 von Japan Airlines eine Lithium-Ionen-Batterie in Flammen aufging und eine 787 von All Nippon Airways wegen Rauchentwicklung infolge einer überhitzten Batterie notlanden musste. Für 50 Boeing 787 herrscht seitdem ein Flugverbot.

Noch ist es der amerikanischen Untersuchungsbehörde NTSB (National Transportation and Safety Board) und der FAA (Federal Aviation Administration) offenbar nicht gelungen, die genaue Ursache für die Brände der Lithium-Ionen-Batterien in den Boeing 787 zu finden. Deshalb richten sich die Interessen zunehmend auch auf andere elektrische Komponenten wie Ladegeräte und die Elemente, die Batterien mit dem Stromnetz verbinden.

Die NTSB hat zudem Fachleute nach Frankreich geschickt, wo sie bei Thales auch die Kabelsysteme untersuchen sollen, die das Unternehmen für die 787 liefert. Außerdem werden immer neue Institute in die Untersuchung eingeschaltet, wie das Naval Surface Warfare Center, das größte Testzentrum der US-Navy, das nach US-Berichten seit den 1970er-Jahren Erfahrung mit Lithium-Ionen-Batterien haben soll.

Eine US-Tochter des britischen Unternehmens Meggitt, die Ladesysteme für die Batterien der 787 liefert, ist ebenfalls an der Fehlersuche beteiligt. Trotz dieser intensivierten Suche bleiben doch vor allem die Lithium-Ionen-Batterien im Zentrum der Untersuchung. Diese Woche sollen Batterien in einem Test kontrolliert kurzgeschlossen und dabei analysiert werden. In den vergangenen Tagen ist auch bekannt geworden, dass die Probleme mit den Lithium-Ionen-Batterien in der 787 nicht neu sind, wenngleich sie bisher nicht so dramatisch waren.

Probleme mit Lithium-Ionen-Batterien nicht neu

So sind ist bei einigen Fluggesellschaften, die die 787 fliegen, Lithium-Ionen-Batterien in den Flugzeugen schneller ausgewechselt worden, als ursprünglich vorgesehen: Die US-Gesellschaft United hat bei drei Boeing 787 von den sechs in ihrer Flotte die Batterien früher getauscht als geplant. All Nippon Airways gab bekannt, dass bei zehn von ihren 17 Boeing 787 die Batterien zwischen März und Dezember vergangenen Jahres erneuert werden mussten. In mehreren Fällen soll es zu einem unplanmäßigen Ladungsverlust gekommen sein.

Der NTSB hat jetzt auch andere Fluggesellschaften, die die Boeing 787 in ihrer Flotte haben, aufgefordert, solche Probleme zu melden. Völlig offen bleibt die Frage, wie lange es noch dauert, bis belastbare Untersuchungsergebnisse vorliegen. Boeing hat jetzt bei der FAA Testflüge mit der 787 beantragt, was einige Beobachter als ein Signal dafür ansehen, dass es nicht mehr lange dauern wird, bis die 787 wieder abhebt.

Andererseits hat der scheidende US-Verkehrsminister Ray LaHood vor wenigen Tagen betont, dass kein Druck ausgeübt werde, die 787 schnell wieder in die Luft zu bringen. Erst müsse das Problem mit den Batterien gelöst werden: „Wir müssen das hinbekommen und wir werden das hinbekommen.“ Das wurde von einigen Beobachtern als Signal dafür gewertet, dass die Untersuchungen möglicherweise noch länger dauern.

Forderungen nach Schadensersatz

Das wiederum könnte teuer für Boeing werden: Schon haben All Nippon Airways und Japan Airlines signalisiert, dass sie, wenn klar ist, wann die 787 wieder abheben kann, Gespräche mit Boeing über das Thema Schadensersatz führen werden. Boeing-Chef Jim McNerney sagte deshalb auch in der vergangenen Woche, dass das wichtigste Ziel in diesem Jahr sei, die Batterieprobleme bei der 787 in den Griff zu bekommen.

Auch für Boeing-Rivalen Airbus könnte das Ergebnis der Untersuchungen der Batterien der 787 Konsequenzen haben, wenn die FAA etwa den Einsatz solcher Batterien unterbindet. Schon die A 380 von Airbus hat eine Reihe von Lithium-Ionen-Batterien an Bord. Diese dienen aber nur als Back-up für die Energieversorgung von Notfall-Systemen. Sie haben keine zentrale Funktion wie im Fall der 787.

Airbus will aber auch in der neuen A350XWB Lithium-Ionen-Batterien verwenden, allerdings in geringerem Umfang als Boeing (VDI nachrichten 4/2013). Zugleich berichtete Reuters, dass Airbus schon im März 2011 auf die Problematik von Lithium-Ionen-Batterien hingewiesen hatte: „Wir haben“, so Airbus- Chef Fabrice Bregier vor französischen Journalisten, „mit großer Umsicht den Einsatz dieser Batterien in der A350 untersucht.“

Airbus hat Alternative zu Lithium-Ionen-Batterien entwickelt

Demnach hatte Airbus um das Problem der Entzündbarkeit der Batterien von Anfang an gewusst und es seit einem Jahr, so Bregier, wohl auch gelöst. Dennoch hat Airbus auch eine Alternative zu Lithium-Ionen-Batterien entwickelt, ohne bisher Details dazu bekannt zu geben.

Sollten also Zulassungsbehörden wie die FAA sich gegen die Nutzung von Lithium-Ionen-Batterien aussprechen, kann Airbus offenbar auf andere, klassische Batterien ausweichen. Das würde auch die Auslieferung der ersten A350 im zweiten Halbjahr 2014 nicht verzögern.“Ich bin da ganz entspannt“, wird Bregier zitiert.

Ein Beitrag von:

  • Wolfgang Mock

    Redakteur und Reporter VDI nachrichten. Fachthemen: Wissenschafts- und Technologiepolitik, Raumfahrt, Reportagen.

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