EMIRATES STORNIERT A350-BESTELLUNG 11.06.2014, 14:24 Uhr

Airbus verliert Milliarden-Auftrag über 70 Maschinen

Ein Verlust, der es in sich hat: Schon 2007 hatte die arabische Fluggesellschaft die Langstreckenjets bestellt. Immer deutlichere Kritik von Emirates-Chef Tim Clark an dem neuen A305 hatte aber schon ahnen lassen, dass der Deal noch platzen könnte. Der Listenpreis für die 70 Maschinen liegt bei rund 16 Milliarden Dollar.

Besonders leicht, sparsam und komfortabel soll der neue A350 sein – dennoch gibt Emirates nun Boeing den Vorzug. 

Besonders leicht, sparsam und komfortabel soll der neue A350 sein – dennoch gibt Emirates nun Boeing den Vorzug. 

Foto: Airbus

Der A350 ist der neue Hoffnungsträger des europäischen Flugzeugbauers. Mehr als 800 Stück standen auf der Auftragsliste von Airbus. 70 Exemplare sollten ab 2019 an Emirates geliefert werden, zu einem Preis im zweistelligen Milliarden-Euro-Bereich, selbst wenn man die marktüblichen Rabatte auf den Einzelpreis einkalkuliert. Diesen Auftrag hat Emirates nun zurückgezogen. Die Begründung, die Airbus angibt, lässt reichlich Raum für Spekulationen: Man sei in Verhandlungen über die „Anforderungen an die Flotte“ zu diesem Ergebnis gelangt.

Was genau Emirates an dem Flieger kritisiert, bleibt in der Stellungnahme unklar. Airline-Chef Tim Clark hatte schon vor zwei Jahren von Problemen mit den Tragflächen und dem Gewicht gesprochen, ohne sie näher zu beschreiben. Dabei soll das Gewicht gerade einer der großen Pluspunkte des A350 sein: Wegen seines hohen Anteils an Kohlefaser-Verbundstoffen ist er besonders leicht, damit sparsam und auch wesentlicher leiser als vergleichbare Maschinen. Dies allerdings spiegelt den Trend in der gesamten Branche wider, auf den auch Konkurrent Boeing setzt. Die Amerikaner haben nun das Rennen gemacht.

„Sie hätten mit uns reden sollen“

Clark hatte vor zwei Jahren schon öffentliche Kritik am Management von Airbus geübt. Zwar habe der Hersteller gegenüber der ursprünglichen Entwicklung einige Verbesserungen angeboten, aber: „Es war eben das, wovon sie dachten, dass der Markt es verlangt. Es hätte geholfen, wenn sie vorher mit uns gesprochen hätten.“ Produktpolitik an den Marktbedürfnissen vorbei – deutlicher kann man die Vorwürfe wohl kaum äußern. Im selben Atemzug lobte Clark Boeing für genau das Gegenteil.

Die Konsequenz: Emirates bestellte schon im vergangenen Jahr bei Boeing die neue Variante der 777 mit dem Namenszusatz „X“, die auch ab 2019 ausgeliefert werden soll. Für Airbus ist die jetzige Stornierung ein Schlag ins Kontor, auch wenn immer noch 742 Bestellungen vorliegen. Auch der Triebwerkshersteller Rolls-Royce muss Einbußen in Milliardenhöhe hinnehmen.

Deutscher Airbus-Standort betroffen

Betroffen von dem Verlust ist auch ein deutscher Airbus-Standort: In Hamburg-Finkenwerder werden große Teile der Maschine produziert. Der A350, der eine Reichweite von 15.000 Kilometern hat, war noch im Mai Star der Internationalen Luftfahrtmesse in Berlin. Positiv aufgenommen wird bei vielen Fluggesellschaften neben dem geringen Verbrauch der hohe Komfort für die Passagiere, die überdurchschnittlich viel Platz haben. Die Beleuchtung in der Kabine kann sogar farblich auf den Biorhythmus der Fluggäste abgestimmt werden. Airbus hofft, dass sich die Qualitäten des Modells in der Praxis erweisen und neue Kunden anlocken. Die ersten Maschinen sollen Ende des Jahres nach Katar geliefert werden.

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