Breitere Sitze 29.10.2013, 08:30 Uhr

Airbus drängt auf neuen Komfort-Standard für Langstreckenflüge

Der größte europäische Flugzeugbauer, Airbus, drängt die Luftfahrt dazu einen neuen Komfort-Standard für Langstreckenflüge festzulegen und tatsächlich auch zu verwirklichen. Die Hauptforderung betrifft dabei breitere Sitze in der Economy-Klasse. Basis der Forderung sind medizinische Untersuchungen.

Beim Fliegen hat sich in den vergangenen rund 50 Jahren einiges verändert – die Breite der Sitze ist geblieben. Airbus möchte einen neuen Komfort-Standard für Langstreckenflüge durchsetzten.

Beim Fliegen hat sich in den vergangenen rund 50 Jahren einiges verändert – die Breite der Sitze ist geblieben. Airbus möchte einen neuen Komfort-Standard für Langstreckenflüge durchsetzten.

Foto: Screenshot ingenieur.de

Airbus strebt nach einer Sitzbreite von 18 Inch oder Zoll. Das sind umgerechnet 45,72 Zentimeter. Der derzeitige Standard für Langstreckenflugzeuge geht auf die Fünfziger Jahre zurück und beträgt 17 Zoll also rund 2,5 Zentimeter weniger, als das was Airbus für die Luftfahrt empfiehlt. Zur Begründung dieser Forderung betont der Flugzeugbauer, durch die Verbreiterung der Economy-Sitze nehme die Schlaf-Qualität der Langstrecken-Passagiere um 53 Prozent zu. Diese letztere Zahl ist das Ergebnis umfangreicher Untersuchungen des London Sleep Centre, das den Schlaf der Passagiere nach den verschiedensten Kriterien analysiert hat. Die Untersuchungen reichten von den Gehirnströmen beim Schlafen, den Augenbewegungen, den Bewegungen des Oberkörpers wie auch der Hüften und schließlich die Beinbewegungen während des Schlafes. Der Chef des London Sleep Centre, Dr. Irshaad Ebrahim,  erläutert die Studienergebnisse mit dem Hinweis, dass sämtliche an den Experimenten beteiligten Passagiere auf einem 18 Zoll breiten Sitz deutlich besser, länger und vor allem weniger gestört geschlafen hätten. „Gerade bei Langstreckenflügen in der Economy-Klasse macht ein Zoll mehr Sitzbreite einen ganz erheblichen Unterschied im Passagier-Komfort aus.“

Struktur des Langstreckenverkehrs hat sich drastisch verändert

In den zurückliegenden 50 Jahren hat sich die Struktur des Langstreckenverkehrs in der Luftfahrt ganz erheblich verändert. Zum einen ist die Zahl der Langstreckenflüge wesentlich gestiegen. Zum anderen aber nahm die Zahl der Passagiere auf diesen Flügen stark zu. Allein schon nur in den zurückliegenden fünf Jahren stieg die Zahl der täglichen Langstreckenflüge über mehr als 6000 Nautische Meilen oder rund 11 000 Kilometer von anfangs 24 auf schließlich 41 Flüge.

Eine Verbreiterung der Sitze um einen Zoll soll nach einer Studie den Schlafkomfort um mehr als 50 Prozent erhöhen.

Eine Verbreiterung der Sitze um einen Zoll soll nach einer Studie den Schlafkomfort um mehr als 50 Prozent erhöhen.

Foto: Screenshot ingenieur.de

Inzwischen gibt es sogar schon Flüge über mehr als 7000 Nautische Meilen oder rund 13 000 Kilometer ohne Zwischenlandung.  Airbus geht davon aus, dass dieser Trend weiter anhalten wird.  Für die kommenden 15 Jahre sagt der Flugzeugbauer eine Verdopplung des Weltluftverkehrs voraus. Bis zum Jahre 2032 sollen mehr als 29 000 neue Verkehrsflugzeuge in aller Welt den Betrieb aufnehmen.

Airbus geht davon aus, dass längerfristig das Wachstum des Luftverkehrs in Gefahr gerät, wenn sich der Passagierkomfort nicht erkennbar verbessert.  Dabei spielt auch eine Rolle, dass sich der menschliche Körper seit der Einführung des 17-Zoll-Standards in den Fünfziger Jahren beträchtlich verändert hat. Ein nennenswerter Teil der Bevölkerung ist heute größer und vielfach auch massiger als damals. Dem sollte laut Airbus der Sitzkomfort in den Langstreckenmaschinen Rechnung tragen.  Wenn das nicht geschähe, sei mit einer Verweigerung der Passagiere zu rechnen, die alten Sitze auf Dauer noch zu akzeptieren. Diese Haltung deute sich schon heute in den Social Media unverkennbar an, betont Kevin Keniston, der im Hause Airbus für den Aufgabenbereich Passagier-Komfort zuständig ist.

Von Peter Odrich Tags:

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