Neunte Etappe 22.04.2016, 13:48 Uhr

62 Stunden Nonstop: Solar Impulse 2 unterwegs nach Mountain View

Solar Impulse 2 ist wieder in der Luft. Das Schweizer Solarflugzeug startete am 21. April nach langer Pause auf Hawaii zur neunten Etappe seiner Weltumrundung. Ziel ist Mountain View in der Nähe von San Francisco. Ursprünglich sollte es Phoenix in Arizona sein. Pilot ist Bertrand Piccard. 

Point of no return: Seit gestern ist Bertrand Piccard mit dem Solarflieger Solar Impulse 2 wieder unterwegs. Von Hawaii nach Mountainview. Geplante Flugzeit: 62 Stunden. 

Point of no return: Seit gestern ist Bertrand Piccard mit dem Solarflieger Solar Impulse 2 wieder unterwegs. Von Hawaii nach Mountainview. Geplante Flugzeit: 62 Stunden. 

Foto: Solar Impulse

In 62 Stunden soll das Schweizer Solarflugzeug von Hawaii nach Kalifornien fliegen. Das ist eine wahnsinnig lange Zeit, wenn man bedenkt, dass es nur einen Piloten an Bord gibt. Immerhin kann Bertrand Piccard ab und an ein kurzes Nickerchen machen – maximal 20 Minuten dürfen an einem Stück geschlafen werden. In dieser Zeit kommt der Autopilot zum Einsatz, der bereits Piccards Piloten-Kollegen André Borschberg geholfen hat, fünf Tage und fünf Nächte im Cockpit zu überstehen, als er im vergangenen Jahr von Japan aus ins 8300 Kilometer entfernte Hawaii flog.

Dort musste der Flieger dann neun Monate lang am Boden bleiben, die Weltumrundung unterbrechen. Die Batterien waren irreparabel beschädigt und mussten erneuert werden.

Immer wieder spielt das Wetter einen Streich

Wegen schlechten Wetters musste der Start der Solar Impulse 2 schon mehrfach verschoben werden. Auch diesmal wäre er beinahe wieder geplatzt. Zu starker Wind drohte.

Der Solarflieger Solar Impulse 2 auf dem Flughafen in Hawaii kurz vor der Wiederaufnahme der Weltumrundung

Der Solarflieger Solar Impulse 2 auf dem Flughafen in Hawaii kurz vor der Wiederaufnahme der Weltumrundung

Quelle: Christophe Chammartin/ Solar Impulse 2/Global Newsroom

Am Ende flaute er aber ab, das Kontrollzentrum in Monaco gab grünes Licht für den Start.

Werbung für saubere Energie

Dass 150-Millionen-Franken-Projekt wird von zahlreichen Organisationen unterstützt, darunter von der Schweizer Regierung. Die Initiatoren wollen keinen Vorgeschmack auf den Flugverkehr von Morgen geben, sondern für den Einsatz erneuerbarer Energien werben. Wenn ein Flugzeug allein mit der Kraft der Sonne die Erde umrunden kann, sei es auch möglich, Haushaltgeräte, Autos und Maschinen mit Solarenergie zu betreiben, so die Botschaft. „Wir wollen die Bedeutung von sauberer Energie für eine nachhaltige Entwicklung demonstrieren“, sagt Piccard. „Wissenschaftliche Abenteuer sollen wieder für Träume und Emotionen sorgen.“

Langes Warten auf den Neustart

Die Solar Impulse 2 war am 9. März 2015 in Abu Dhabi zur Weltumrundung gestartet. Dramatisch verlief die achte Etappe von Japan nach Hawaii. Die Batterien an Bord, die während der Nacht die Antriebsenergie liefern, wurden irreparabel beschädigt. Auf der Pazifikinsel mussten sie komplett ausgetauscht werden, ehe an einen Neustart zu denken war. Schließlich verhinderten starke Winde über einen längeren Zeitraum den Weiterflug. Bisher haben die Schweizer 35.000 Kilometer zurückgelegt, also weit mehr als die Hälfte der Gesamtdistanz.

André Boschberg (li.) und Bertrand Piccard am 21. April 2016 in Hawaii. Kurz darauf startet Piccard zum dreitägigen Flug nach Mountain View. 

André Boschberg (li.) und Bertrand Piccard am 21. April 2016 in Hawaii. Kurz darauf startet Piccard zum dreitägigen Flug nach Mountain View. 

Quelle: Jean Revilliard /Solar Impulse 2/Global Newsroom

Von Kalifornien aus fliegt die Solar Impulse 2 nach New York, wobei eine Zwischenlandung eingeplant ist. Dann soll es über Europa oder Nordafrika zurück nach Abu Dhabi gehen.

Die Spitzengeschwindigkeit ist Tempo 140

Das Solarflugzeug hat eine Spannweite von 72 Metern. Eine Boeing 747 begnügt sich mit 60 m. Während der Jumbojet auf ein Startgewicht von bis zu 450 Tonnen kommt, wiegt die Solar Impulse 2 gerade mal 2,3 Tonnen, vor allem, weil sie weitgehend aus faserverstärktem Kunststoff besteht. Allein die Batterien kommen auf 366 Kilogramm.

Im engen Cockpit kann Piccard auf seinem 62-Stunden-Flug zwischendurch maximal 20 Minuten am Stück schlafen. 

Im engen Cockpit kann Piccard auf seinem 62-Stunden-Flug zwischendurch maximal 20 Minuten am Stück schlafen. 

Quelle: Solar Impulse

17.248 Solarzellen versorgen die vier Elektromotoren, die die Propeller antreiben, mit Strom. Die Batterien haben eine Leistung von 15 Kilowatt. Die Solarzellen kommen auf eine Spitzenleistung von 50 Kilowatt. Die Spitzengeschwindigkeit liegt bei 140 Kilometern pro Stunde.

Ein Beitrag von:

  • Wolfgang Kempkens

    Wolfgang Kempkens studierte an der RWTH Aachen Elektrotechnik und schloss mit dem Diplom ab. Er arbeitete bei einer Tageszeitung und einem Magazin, ehe er sich als freier Journalist etablierte. Er beschäftigt sich vor allem mit Umwelt-, Energie- und Technikthemen.

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