Logistik 05.10.2001, 17:31 Uhr

Virtuelle Briefmarke nun Realität

StampIT, das neue Online-Frankiersystem der Post ist seit wenigen Tagen auf dem Markt. Es richtet sich vornehmlich an diejenigen Nutzer, die regelmäßig kleinere Mengen an Briefen verschicken. Portoguthaben wird dabei aus dem Internet geladen und als „Frankiervermerk“ mit dem eigenen Drucker zu Papier gebracht.

Bislang gab es im Frankierwesen eine einfache Zweiteilung: Wer nur eine Hand voll Briefe im Monat verschickte, klebte Briefmarken. Große Massenmailings wurden mit Frankiermaschinen abgewickelt. Doch ein „Zwischending“ gab es bisher nicht. StampIT soll nun diese Lücke schließen und den Kunden dienen, die öfter unterschiedlich frankierte Briefe und ab und an kleinere Massenmailings versenden.

Sicherheitsaspekte in Bezug auf unrechtmäßigen Gebrauch sind laut Deutscher Post ausreichend berücksichtigt. Für jeden Brief erzeugt Stamp-
IT einen Matrixcode, der neben dem Frankierwert auch sendungsspezifische Informationen enthält. Die Gründe dafür erläutert Bernd Meyer, Produktmanagement Serviceprodukte Brief der Deutschen Post: „Durch entsprechende Lesesysteme in allen Briefzentren wird auf Grund des Matrix-
codes eine Überprüfung der ordnungsgemäßen Freimachung sichergestellt. Im Matrix-Code selbst sind sendungsspezifische Informationen enthalten, die ein Kopieren oder Manipulieren wesentlich erschweren.“

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Benötigt wird ein ganz normaler PC mit Internet-Zugang, die StampIT-Software, ein fast beliebiger Drucker und ein Bankkonto, von dem die Portokosten abgebucht werden. Zunächst muss sich der Kunde für StampIT anmelden. Dann wird für ihn ein Konto auf dem Porto-Server angelegt. In der Software lädt man seine „Portokasse“ über das Internet mit einem Guthaben von mindestens 30 Euro auf. Um eine Sendung zu frankieren, wird ein komplexer Matrixcode generiert und auf die Postsendung gedruckt. Zum einen kann der Nutzer mit der Software den Frankiervermerk direkt auf Umschläge aufdrucken. Zum anderen kann er auch in Winword – ein Plugin wird automatisch installiert – frankieren, indem er beispielsweise den Matrixcode auf einen Briefbogen druckt, der in einen Fensterumschlag „eingetütet“ wird. Schließlich können über die Seriendruckfunktion von Winword auch Massenmailings freigemacht werden.

Damit durch falsch eingelegte Blätter oder Umschläge kein Portogeld verschwendet wird, ist eine Testdruckfunktion integriert. Ein Assistent hilft, wenn bei den Abmessungen oder dem Gewicht einer Sendung bezüglich des richtigen Portos Fragen aufkommen. Beim Frankieren muss die Empfängeradresse eingegeben oder aus einer Adressdatenbank wie Outlook übernommen werden. Das Porto für falsch frankierte Briefe oder solche, die doch nicht abgeschickt wurden, kann über ein Rückerstattungsformular, das zusammen mit den ausgedruckten Frankiervermerken mit speziellen Freiumschlägen eingeschickt wird, zurückverlangt werden.

Bislang erfüllt StampIT die in das System gestellten Erwartungen: Einfache Bedienung und problemlose Abwicklung. Doch wer das System nutzen will, muss zunächst tief in die Tasche greifen, denn die Software ist mit 83,50 Euro (161,31 DM) ziemlich teuer. Für das gedruckte Handbuch sind nzusätzliche 8 Euro (15,65 DM) fällig! Zunächst kann das System 6 Monate kostenlos genutzt werden. Danach sind monatlich 2,30 Euro (4,50 DM) an Gebühren zu bezahlen. Der Anwender spart mit der neuen Internet-Frankierung der Deutschen Post also den Weg zum Postschalter, aber kein Geld. Zur Kostenfrage erläutert Bernd Meyer: „Die Deutsche Post ist aus wettbewerbsrechtlichen Gründen nicht berechtigt, eine Software zur PC-Frankierung kostenfrei abzugeben. Sie ist verpflichtet, das System analog anderer Anbieter zu einem marktüblichen Preis zu vertreiben.“

StampIT lohnt sich für alle, die häufiger Briefe auch mit unterschiedlichen Frankierwerten versenden und nicht jedes Mal zur Postfiliale laufen oder Briefmarken unterschiedlicher Werte auf Vorrat kaufen wollen. Kleine und mittelständische Betriebe sind eine Zielgruppe. Der Privatmann, der ab und zu einen Brief verschickt, ist mit der althergebrachten Briefmarke besser und billiger bedient, zumal er die Anschaffungskosten kaum steuerlich geltend machen kann. ANDREAS LERG

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