Logistik 22.05.2009, 19:41 Uhr

Spediteure treten auf die Energiebremse  

Angesichts knapper werdender Ressourcen steigern Logistikspezialisten die Energieeffizienz in der Kühlkette und drosseln gleichzeitig die Umweltbelastung: So sollen die ersten mit Erdgas betriebenen Kühl-Lkw in Berlin ihre Praxistauglichkeit unter Beweis stellen und in Neuseeland eröffnete ein deutscher Branchenvertreter jüngst ein „grünes“ Logistikzentrum. VDI nachrichten, Düsseldorf, 22. 5. 09, Si

In der Lebensmittellogistik betritt das hessische Unternehmen Ludwig Meyer, Friedrichsdorf, gerade Neuland bei Frischetransporten. Vier neue Fahrzeuge sollen in einem auf zunächst sechs Monate angelegten Praxistest im Großraum Berlin unter Beweis stellen, dass die leisen und emissionsarmen Erdgas-Lkw Flottentauglichkeit besitzen.

Zwar hat sich die umweltfreundliche Antriebstechnik bereits in leichten Nutzfahrzeugen bewährt, jetzt aber muss die Technologie zeigen, ob sie sich genauso gut für den Dauereinsatz mit mittelschweren Lasten eignet. Zudem werden die Fahrzeuge laut den Unternehmensinformationen deutschlandweit die Ersten sein, deren Kühlaufbauten auch durch das Erdgasaggregat des Zugfahrzeugs gekühlt werden.

Die Kühlmaschinen der Carrier Kältetechnik, Köln, wurden dafür mit einer Hydraulikpumpe verbunden, die als Nebenaggregat des Motors die Kühlgeräte mit der benötigten Energie versorgt. „Wir wollten keine Kühlaggregate mit Dieselmotor einsetzen, denn wir streben eine echte ökologische Verbesserung an“, begründete Matthias Strehl, Geschäftsleitungsmitglied bei Meyer Logistik, die Entscheidung für ein vom Erdgasmotor angetriebenes Nebenaggregat. „Für uns ist es darüber hinaus wichtig“, so der Experte, „die Nachbarschaft von Supermärkten in der dicht bebauten Hauptstadt nicht mehr als unbedingt nötig zu beeinträchtigen.“ Das gelte auch für die Lärmbelastung. Deshalb seien die Aufbauten der Lkw mit leisen Ladebordwänden und Leiselaufböden ausgerüstet worden, die eine geräuscharme Entladung ermöglichen.

Darüber hinaus hätten die Kühlfahrzeuge Mehrkammersysteme. Dadurch könnten in ihnen gleichzeitig Artikel transportiert werden, die unterschiedliche Temperaturen benötigen. Strehl: „Von der Tiefkühlpizza über die Schlagsahne bis hin zu Tomaten und Äpfeln können wir so das ganze Frischesortiment mit einem einzigen Fahrzeug anliefern. Wir müssen also nur einmal, nicht dreimal vorfahren.“

Auf eines der neuen CNG-Kühlfahrzeuge (CNG: Compressed Natural Gas) ist man in Friedrichsdorf besonders stolz. Denn die Frischelogistiker nehmen für den Feldversuch auch bundesweit die erste erdgasbetriebene Sattelzugmaschine von Iveco in Betrieb. Mit seiner höheren Energiedichte sei Erdgas dem Autogas überlegen und eigne sich deshalb auch für den Einsatz in Lkw mittlerer Gewichtsklassen. Als schwerstes der Kühlfahrzeuge aus dem CNG-Quartett erreicht der Sattelzug ein zulässiges Gesamtgewicht von 26 t bei einer Nutzlast von rund 13,5 t. Strehl: „Damit ist die Grenze des derzeit technisch Machbaren erreicht.“

Für den Feldversuch werden die Erdgas-Lkw von der Meyer-Niederlassung in Freienbrink eingesetzt. „Wir haben hier ideale Voraussetzungen für den Test“, begründete Fuhrparkleiter Detlef Fürst den Einsatz der Versuchsträger in der Berliner Region: „Zwölf von 14 Erdgas-Tankstellen im Großraum sind rund um die Uhr geöffnet – und weil unsere Region fast vollkommen eben ist, werden hier die Motoren im Fahrbetrieb nicht übermäßig hart gefordert.“

Gespannt ist Strehl nicht nur auf die ökologische, sondern auch auf die ökonomische Auswertung des Praxiseinsatzes. „Für uns stellt sich auch die Frage der Wirtschaftlichkeit. Denn die Erdgas-Fahrzeuge sind in der Anschaffung rund 30 % teurer als Diesel-Lkw. Die höheren Kosten müssen durch geringeren Verbrauch und niedrigere Treibstoffkosten erst einmal erwirtschaftet werden“, so der Fuhrparkleiter. Weitere Kriterien für die Testphase seien die Versorgungssicherheit und die Preisentwicklung von Erdgas. Beides werde im Versuchszeitraum genau beobachtet.

Einen neuen Standard in der Welt der temperaturkontrollierten Luftfrachtdrehkreuze (HUB) hat Hellmann Worldwide Logistics, Osnabrück, nach eigenen Angaben im März dieses Jahres in Neuseeland geschaffen. „Die inmitten des Flughafens von Christchurch gelegene Anlage basiert auf den Kriterien Ökologie, Effizienz und Energiebewusstsein“, erklärte Chris McCagney, Geschäftsführer der Neuseelandniederlassung. Während andere Kühlzentren klimaerwärmende und ozonschädliche Kühlmittel verwendeten, nutze das neue Anlagenkonzept Ammoniak als primäres Kühlmittel und Glykol als sekundärem Kühlmittel. McCagney: „Traditionelle Kältemittel wie R404A haben ein CO2-Äquivalent von 380 Einheiten, die Ammoniak/Glykol-Lösung hat gerade einmal eine Einheit.“

Ein weiteres Bewertungskriterium sei die Ozonschädlichkeit, die bei der primären Lösung bei Null liege. Darüber hinaus habe das Logistikunternehmen erheblich in die Optimierung des Wärmeleitsystems investiert, sodass weniger Energie für die Kühlung der primären Kältemittel aufgewendet werden müsse. Zudem sei eine energieeffiziente Wasserkühlung anstelle eines energieintensiven traditionellen Luftkühlungssystems angeschafft worden. Damit erreicht das Unternehmen nach eigenen Angaben neben einer Reduzierung der CO2-Emissionen auch eine Senkung des Energieverbrauchs im Vergleich zu herkömmlichen Anlagen um 15 % bis 20 %.

Das Logistik-HUB grenzt im hinteren Bereich an die Bodenverkehrseinrichtungen der Fluglinien. Eine Überdachung des 700 m² großen Hauptumschlagareals ermöglicht die Allwetterabfertigung. Highspeed-Rolltore mit 6 m Höhe führen in den Kühlkettenbereich. Darin ist ein 330 m² großer Ladebereich für die eingehenden Sendungen integriert. An diese Zone sind zwei 100 m² große Kühllager angeschlossen und eine 60 m² große palettenfähige Gefrierkammer, die Tiefkühlprodukte auf minus 18 °C kühlt. Das Hochregellager verfügt über 1500 Palettenstellplätze. ROLF MÜLLER-WONDORF

Von Rolf Müller-Wondorf
Von Rolf Müller-Wondorf

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