Logistik 22.12.2006, 19:25 Uhr

Nachts rollen die Kommissionierwellen  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 22. 12. 06, rb – Rund um die Uhr bietet Europas größter Teleshopping-Sender QVC in Düsseldorf rund 300 Artikel pro Tag an. Von Wolldecken über Blusen bis hin zu Schmuck, Küchengeräten und Wein – das Repertoire des TV-Kanals ist riesig. 50 km weiter westlich in Hückelhoven-Baal werden die bestellten Artikel versandfertig gemacht. Doch hier herrscht von weihnachtlicher Hektik keine Spur.

Wenn Sie hier mal 200 km zu Fuß gegangen sind, kennen Sie sich schon ganz grob aus“, sagt Jörg Schlichting nach einem zweistündigen Fußmarsch durch das QVC-Distributionszentrum in Hückelhoven. So lange sind wir schon in dem weißen Industriebau am Rande einer Kleinstadt zwischen Aachen und Mönchengladbach unterwegs und haben noch nicht einmal die Packtische erreicht, an denen zurzeit die Weihnachtspakete versandfertig gemacht werden. Wir sind Treppen gestiegen, haben hunderte Meter lange Gänge passiert, sind auf Leitern geklettert. Noch eine knappe Stunde, dann müssen wir durch sein.

Jörg Schlichting hat sichtlich Spaß an der Führung und kennt sich in den quaderförmigen Bauten aus wie kein anderer. Denn der Senior Manager Industrial Engineering der QVC eDistribution Inc. & Co. KG – so steht es auf seiner Visitenkarte – hat die Abläufe und technischen Anlagen des Versandzentrums mitgeplant. Seit 2001 hat er jeden der 67 000 m2 nicht nur einmal betreten. „So um die 2000 km bin ich hier alleine im Jahr der Inbetriebnahme gelaufen“, sagt der 53-Jährige mit freundlichem Understatement.

Die Maschinerie, eine für den Besucher unüberschaubare, verwirrende Melange aus Fördertechnik, Computern und rund 1100 Mitarbeitern, die sich in den Weiten der Hallen verlieren, läuft gerade vor Weihnachten wie geschmiert. „Genaue Zahlen geben wir immer erst im März bekannt“, bremst QVC-Pressesprecherin Caroline Bierman die Neugier auf Zuwachsraten und unvorstellbare Paketberge. Sicher ist: „Die Bestellzahlen und der Wareneingang nehmen ab Mitte Oktober stark zu.“ Grund genug, nebenan ein weiteres Lager hochzuziehen, einen Steinwurf von der Baustelle des Hausspediteurs Hermes entfernt.

Per Lkw und Container kommt die Ware an. Flinke Fahrer entladen die Paletten mit dem Gabelstapler und stellen sie vorläufig ab. Stichprobenartig prüfen Kontrolleure die Inhalte der Kartons auf Vollständigkeit und Qualität, erst dann sind die Paletten bereit für den Weg ins Hochregallager. Es dauert nur Sekunden, bis der Gabelstapler eine Palette auf einem der Absetzpunkte abgesetzt hat.

Von unten reinigt eine rotierende Bürste die Palette. „Eine Eigenkonstruktion“, bemerkt der gelernte Maschinenbauer Schlichting mit leisem Stolz, „damit kein Schmutz in das Hochregallager kommt.“ Dann wandern die zuvor kodierten Paletten mit ihrer Ladung zu einer Maschine, die rasend schnell eine Folie um die Kartons wickelt, denn die Last soll bei ihrer anschließenden Fahrt auf dem Kran sicher mit der Palette verbunden sein und nicht verrutschen.

Der Weg ins Lager hat Hürden: Erkennen die Sensoren, dass der Stapel aus dem Normprofil ragt, rollt die Palette zurück zu einen Kontrollpunkt. Eine Anzeige signalisiert den Fehler, den ein Transportarbeiter korrigiert.

Ein paar Meter weiter, nach zwei rechtwinkligen Abzweigungen, warten 18 schienengebundene 34 m hohe gelbe Kräne auf die Fahrt in die 116 m langen Regalschluchten. „3 m pro Sekunde fahren die Kräne und sie starten so schnell, dass ihre Masten durchpeitschen“, sich also durchbiegen, erklärt Schlichting. Auf dem Rost der in etwa 10 m Höhe montierten Besucherbühne werden solche Phänomene nicht sichtbar. Wie auch die Kräne, die im Dunkeln zwischen den aufragenden Regalen auf neue Aufträge der Steuerung warten, denn die stählernen Riesen fahren in der chaotischen Lagerhaltung wegeoptimiert.

Sensoren stoppen diese verniedlichend bezeichneten „Regalbediengeräte“, falls sich ein Hindernis in den Weg stellt. Schlichting: „Wenn Sie mal in einem stillgelegten Regalgang stehen und im Nachbargang fährt ein RBG, dann bekommen Sie da unten schon mal feuchte Hände.“

Nach Mitternacht, wenn die Moderatoren in den QVC-Fernsehstudios in Düsseldorf immer noch unverdrossen bis zu zwölf Produkte pro Stunde vorstellen, „rollen die Kommissionierwellen“ in Hückelhoven, wie es Logistiker ausdrücken.

Die Mitarbeiter im zentralen Leitstand wissen, welche Produkte am nächsten Tag über die Bildschirme gehen werden: Mode von Casual & Co., Mikrofaser-Wohlfühlgeschenke um elf Uhr, Last-Minute-Geschenke, ob Uhren, Schmuck oder Küchengeräte, zu allen Tageszeiten, wenn nicht gerade die „Hex vom Dasenstein“ ihr Unwesen im Studio treibt und badischen Rotwein anpreist.

Solche alkoholischen Sixpacks wandern erst gar nicht durch die Lager, sondern bekommen, von der Palette weg, nur ein Versandetikett und die Begleitdokumentation verpasst. Bei allen anderen Produkten beachten die Lagerlogistiker die Wärmeempfindlichkeit, denn oben ist es wärmer im Lagerhaus. Die Pralinen bleiben in kühleren Klimazonen unten.

Die Warenwellen des kommenden Tages enden auf großen Tablaren, die wie große Kuchenbleche aussehen. Denn diese fahren auf den motorisch angetriebenen Transportrollen leichter zu den Nachschublinien, von wo die Kartons in die drei so genannten Pick-Linien gelangen. Hier füllen die Mitarbeiter die 3000 roten Kunststoffbehälter mit den Bestellungen, falls mehr als ein Artikel geordert wurde.

„Pick to Light“ ist das Stichwort für die Stationen, an denen flinke Mitarbeiter täglich einige Kilometer hin und her laufen, um die Ware aus den Kartons in die Behälter zu legen. Ein Licht zeigt ihnen, wo der Artikel zu entnehmen ist, Anzahl und Behälternummer werden eingeblendet.

Sperrgut und Einzelartikel gehen eigene Wege, besonders der in großen Mengen angebotene Schmuck. „Das ist ein besonders abgesicherter Bereich mit Schleusen für Lieferfahrzeuge und Mitarbeiter“, sagt Jörg Schlichting. Aber auch beim Verlassen der gewöhnlichen Hallen muss jeder wie am Flughafen einen Sicherheitscheck durchlaufen. Das gilt auch für Führungskräfte, da ist das US-Mutterhaus streng.

Zuvor lohnt sich noch ein Blick auf die Pack- und Sortierstationen. Routiniert legen meist weibliche Mitarbeiter die Ware aus den roten Behältern in einen rasch aufgefalteten Karton. Welcher passt, hat die Software schon ausgerechnet. Den Versandaufkleber und die Rechnung spuckt der Drucker aus.

Schlafanzug, Wolldecke und andere Textilien sehen die Packerinnen in diesen Tagen am häufigsten. Mit geübten Handgriffen werden Prospekte und Füllstoffe dazugelegt und das Paket mit Klebeband versiegelt. Schon rollt der Karton zur höher gelegenen Sortierstation. Hochwertige Kleidung auf Bügeln geht im dritten Stock auf die Reise, wo aufgebügelt einige zehntausend Kostüme, Jacken, Mäntel und Blusen neben der Qualitätsprüfstation auf die Vermarktung warten.

An den 82 Packplätzen im lauten Erdgeschoss wird konzentriert, aber ohne Hektik gepackt. „Eine anspruchsvolle Arbeit, denn das ist die letzte QVC-Station zum Kunden“, erklärt Schlichting. Einzelne versandfertige Pakete werden von zwei Mitarbeiterinnen wieder geöffnet. Sie prüfen, ob alles in Ordnung ist und kleben den Versandkarton mit einem Siegel zu. „Wir legen großen Wert auf Qualität“, kommentiert Pressesprecherin Caroline Bierman. „Schließlich steht QVC für Quality, Value und Convenience.“

Die Sortierstation verschlägt einem die Sprache. Mit zwei Metern pro Sekunde sausen die Pakete präzise beschleunigt zielgenau auf Kippschalen, die sie blitzschnell auf die 40 Verteilstellen rutschen lassen – ein mechanisches und elektronisches Meisterwerk.

Im Hermes-Lkw rollen dann die Pakete und Versandtüten zu den Kunden. Das muss schnell gehen, denn Kundenservice und -zufriedenheit haben bei QVC oberste Priorität. „Wenn wir schnell in der richtigen Menge und Qualität liefern, macht sich das auch durch weniger Retouren bemerkbar“, verrät Schlichting. Er kennt die QVC-Kunden, von denen übrigens zwei Drittel Kundinnen sind. F. WEIDELICH

www.qvc.de

Von F. Weidelich

Stellenangebote im Bereich Einkauf und Beschaffung

Kölner Verkehrs-Betriebe AG-Firmenlogo
Kölner Verkehrs-Betriebe AG Vorstandsreferent (w/m/d) Betrieblich-technischer Bereich Köln
EUROVIA Teerbau GmbH-Firmenlogo
EUROVIA Teerbau GmbH Kalkulator (m/w/d) Kiel, Langenhorn (Nordfriesland)
FAUN Umwelttechnik GmbH & Co. KG-Firmenlogo
FAUN Umwelttechnik GmbH & Co. KG Strategisch-technischer Einkäufer (w/m/d) Elektrik / Elektronik Osterholz-Scharmbeck
Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen (LBIH)-Firmenlogo
Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen (LBIH) Ingenieure (m/w/d) der Fachrichtung Versorgungstechnik (HKLS) Gießen
Windmöller & Hölscher KG-Firmenlogo
Windmöller & Hölscher KG Wert- und Kostenanalytiker Fachrichtung Elektrotechnik (m/w/d) Lengerich
STAUFEN.AG-Firmenlogo
STAUFEN.AG Partner / Principal (m/w/d) Supply Chain Management verschiedene Einsatzorte
Rittal GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Rittal GmbH & Co. KG Technischer Planer / Projektleiter (m/w/d) Umform- / Automatisierungstechnik Herborn
Bürkert Fluid Control Systems-Firmenlogo
Bürkert Fluid Control Systems Technischer Einkäufer für den Bereich Elektronik (m/w/d) Ingelfingen
Plansee SE-Firmenlogo
Plansee SE Supplier Quality Engineer (m/w/d) Reutte (Österreich)
GESOBAU AG-Firmenlogo
GESOBAU AG Ingenieur / Architekt als Mitarbeiter (m/w/d) Einkauf / Vergabe Berlin

Alle Einkauf und Beschaffung Jobs

Top 5 Logistik

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.