Logistik 24.02.2006, 18:42 Uhr

Logistiker schicken Arbeitsplätze auf Reisen  

VDI nachrichten, Frankfurt, 24. 2. 06, rok – Die Zahlen der Wachstumsbranche Logistik in Deutschland können zur Zeit durchaus beeindrucken. Allerdings werde das Wachstum der Logistik-Dienstleister oft mit dem Verlust an Arbeitsplätzen in anderen Branchen erkauft. Trotzdem, so Logistik-Experte Joachim Miebach in seinem folgenden Beitrag, müsse die Logistik hierzulande weiter gestärkt werden.

Der Umsatz der deutschen Logistikwirtschaft dürfte 2005 bei etwa 160 Mrd. € gelegen haben. Dies entspricht mehr als 7% des Bruttosozialproduktes. 2,5 Mio. Menschen sind hier beschäftigt, sowohl in Unternehmen der Industrie und des Handels, als auch in Transport-, Lagerei- und Umschlagbetrieben sowie in Unternehmen der Kontraktlogistik.

Damit ist Deutschland der größte „Player“ in der europäischen Logistik. Innerhalb Deutschlands sind nur die Branchen Fahrzeugbau, Elektrotechnik und Maschinenbau umsatzmäßig größer.

So beeindruckend allein diese Größenordnung ist, noch eindrucksvoller sind in diesen Jahren der allgemeinen Stagnation die Wachstumserwartungen: mindestens 8% p.a., evtl. auch zweistellig, soll die Branche in den nächsten Jahren wachsen, begleitet vom starken Wachstum an Arbeitsplätzen, über 20% in den nächsten Jahren.

Und das Schöne an diesem Jobwunder, so wird argumentiert: Logistik-Arbeitsplätze, von der Briefzustellung bis zur Belieferung von Automobilfabriken, lassen sich nicht nach China oder Indien exportieren! Und: Es handelt sich um Arbeitsplätze im Niedriglohnsektor, der von besonders hoher Arbeitslosigkeit betroffen ist.

Da wundert es nicht, dass lauter Jubel ausbricht: „Logistik ist eine Jobmaschine“ (Generalanzeiger, eine Fraunhofer-Studie interpretierend) „International behaupten deutsche Logistiker eine Spitzenposition“ (Berthold Aden, Vorstand Bundesvereinigung Logistik) „Unsere Branche schlägt alle Rekorde“ (Dr. Klaus Zumwinkel, Deutsche Post AG) „¿ goldene Jahre ¿ ein Ende dieser Entwicklung ist nicht in Sicht“ (FAZ).

Bei so viel Euphorie ist es sicher angebracht, Details zu hinterfragen. Findet das Wachstum etwa zu Lasten anderer Mitspieler statt? Ist das Ganze vielleicht nur ein volkswirtschaftliches Nullsummenspiel?

Thema: Kontraktlogistik

Zum 1. Januar 2006 hat die Karstadt Quelle AG wesentliche Teile Ihrer Logistik (Versorgung der Warenhäuser, Kleiderlogistik, Großgutlogistik) in die Hände der DHL Solutions GmbH übergeben, „outgesourct“ im Business-Jargon. 3600 Beschäftigte wechselten zu einem neuen Arbeitgeber über, mehrere 100 000 m² Logistik-Immobilien samt Einrichtungen haben einen neuen Eigentümer. Karstadt Quelle hat Immobilien in Liquidität verwandelt, hat sich von der Verantwortung für Mitarbeiter getrennt, hat den direkten Einfluss auf die Prozesse abgegeben – hat sich von einer Nicht-Kernkompetenz getrennt. Anstelle von Abschreibungen und Löhne stehen nun die an DHL zu zahlenden Handlingsentgelte in der Karstadt Quelle – Gewinn- und Verlustrechnung.

Dies ist ein gängiger Vorgang: Kontraktlogistiker übernehmen das Nicht-Kerngeschäft eines Handels- oder Industrieunternehmens.

An dieser Stelle muss die Frage gestellt werden, ob das Outsourcing an sich zu Wachstum und steigender Beschäftigung beiträgt. Dem ist leider nicht so.

Die Branche Kontraktlogistik wächst zwar im Beispiel um 3600 Mitarbeiter, aber genauso viele fallen in der Einzelhandelstatistik weg. Umsatzmäßig ist festzustellen, dass die Branche Kontraktlogistik um einen vielstelligen Millionen-Betrag wächst, der Umsatz des Karstadt Quelle Konzerns sich aber nicht reduziert. Neue Arbeitsplätze oder echter Mehrwert wurden nicht geschaffen.

In den allermeisten Fällen sind mit dem Outsourcing jedoch durchaus nennenswerte Arbeitsplatzverluste verbunden: Unternehmen trennen sich von ihren Randkompetenzen nicht nur, weil sie hierfür keine „Lust“ mehr haben oder weil sie sich von den Profis mehr Qualität und Präzision erhoffen, sondern weil konkrete Kostenreduzierungen angestrebt werden. Dies bedeutet konsequenterweise Arbeitsplatzabbau. Ein Nullsummenspiel?

Thema: Billige Importe

Aufgrund der fortschreitenden Transportrationalisierung wird eine Flasche Rotwein aus Chile, die um die halbe Welt zu uns kommt, für den Transport zwischen Valparaiso und der Bahn-Bereitstellung im Hamburger Hafen heute nur noch mit 0,13 € „befrachtet“.

Dies bedeutet, dass Transport- und Logistikkosten ihre Funktion als Importbremse, als Import-„Zoll“, weitestgehend verloren haben. Der Lohnkostenunterschied zwischen dem Hochlohnland Deutschland und den sogenannten Billigländern geht „ungebremst“ in den Preisvergleich ein.

Lohnintensive Branchen wie die Textilindustrie oder die Konsumelektronik haben dies in den vergangenen Jahren erfahren müssen, sie sind aus Deutschland praktisch verschwunden. Ein Nullsummenspiel? Thema: Produktionsverlagerung

Wie viele Produktionsarbeitsplätze in den letzten Jahren ins Ausland verlagert wurden, ist statistisch nicht belegt, ihre Zahl dürfte jedoch eher in den 100 000ern als in den 10 000ern liegen. Die Tendenz ist eindeutig steigend, wenn nicht sogar sich beschleunigend.

Da es die Lohnunterschiede zwischen Deutschland und Billiglohnländern schon vor 20 und 10 Jahren gegeben hat, stellt sich die Frage: Warum so viele Produktionsverlagerungen gerade jetzt? Eine Antwort, die sicherlich nicht alles, aber doch das Wesentliche beschreibt, lautet: Weil die Logistik so viel besser geworden ist.

Im Einzelnen hat sich gezeigt, dass die Einrichtung von Transportbeziehungen (Wer liefert, was an wen?) der einfachere Teil der Übung ist. Die Beherrschung der ständigen Veränderungen stellt die „hohe Kunst“ des Supply Chain Managements dar: Die Produktion muss z. B. kurzfristig erhöht werden, obwohl noch keine Zulieferteile disponiert sind eine technische Änderung muss kurzfristig umgesetzt werden, obwohl die Altteile schon verschifft sind ein fehlgeleiteter Container bringt die Endmontage zum Stillstand.

Die Essentials sind: hervorragende Kommunikation, die zeitgenaue Kenntnis von Zustand und Ort jeder Transaktion (Tracking and Tracing), die Kenntnis von Kosten und Zeitaspekt von Alternativmaßnahmen, eine ausgefeilte Software, und, last but not least, hervorragendes Personal.

Also: Neue Arbeitsplätze in der Logistik, aber Produktionsverlagerung ins Ausland. Mehr als ein Nullsummenspiel?

Auch wenn die weitere Professionalisierung und Produktivitätssteigerung in der Logistik auf gesamtwirtschaftlicher Basis zum Abbau von Arbeitsplätzen beitragen sollte, kann die Antwort nicht sein: Zurück zur Speicherschuppen-Romantik mit Wipp-Kranen und Flaschenzügen. Wer Logistikkosten (im Industrie- und Handelsdurchschnitt etwa 10% vom Umsatz) und Logistikqualität nicht beherrscht, kann im nationalen und internationalen Wettbewerb nicht bestehen. Eine gute Logistik mag zwar kurzfristig Arbeitsplätze in anderen Bereichen wegrationalisieren, bei schlechter Logistik benötigen wir jedoch bald insgesamt nur noch sehr viel weniger Arbeitsplätze.

Die stetige Verbesserung der Logistik ist Aufgabe der beteiligten Unternehmen. Die nationale Logistik-Infrastruktur (Straßen, Schienen, Flughäfen, ¿) kann jedoch kein Unternehmen alleine „stemmen“. Die Politik ist deshalb gefordert, die Logistik-Infrastruktur in Deutschland nicht nur zu warten, sondern stetig dem Bedarf anzupassen. Seiten 12 und 13 JOACHIM MIEBACH

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