Logistik 03.03.2006, 18:43 Uhr

Logistik-Outsourcing lebt von erfahrenen Dienstleistern und einem schlüssigem Konzept  

Ein schlüssiges Logistikkonzept und versierte Dienstleister verringern Frachtkosten, vermeiden Rampenstaus und sorgen für eine optimale Anbindung aller Standorte an Transport und Materialfluss.

Rund 16 % der Gesamtkosten eines Unternehmens machen Logistikkosten im Schnitt aus. Gemittelt erreichen auch wirtschaftlich erfolgreiche Betriebe nur 66 % bis 74 % der logistischen Leistungsfähigkeit der jeweiligen Top 10 ihrer Branche. Zu diesen Ergebnissen kommt die neue Studie „Logistik-Tacho 2010“ der European Business School (EBS), Reichartshausen, im Rahmen eines Logistik-Benchmarking für unterschiedliche Branchen, wie Fahrzeugbau, Chemie/Pharma oder Handel. Kein Wunder also, dass die Firmen ihre Optimierungsanstrengungen etwa durch Outsourcing von Logistikaufgaben an externe Dienstleister forcieren.

„Das Marktvolumen der Kontraktlogistik wächst bis 2009 zweistellig“, zu diesem Schluss kommt eine Branchenanalyse der Industriekreditbank (IKB), Düsseldorf.

Schätzungen der Deutsche Logistik Outsourcing (DLO) in Potsdam gehen davon aus, dass das Outsourcen logistischer Leistungen Kostensenkungspotenziale zwischen 5 % und 7 % des jeweiligen Unternehmensgesamtkostenblocks bringt.

Darauf zielte auch die Düsseldorfer Rigips GmbH ab: Seit kurzem übernimmt das Rhenus-Logistikzentrum Nürnberg die komplette Lagerlogistik des Gipskarton- und Gipsfaserplatten-Herstellers und versorgt künftig die bayerischen Baustellen. Die Lagerkapazität umfasst bis zu 450 000 m2 Plattenware. Jährlich 70 000 t Produkte wird Rhenus voraussichtlich in Nürnberg durchschleusen. „Wir wickeln für Rigips die logistischen Prozesse Wareneingang, Lagerhaltung, Kommissionierung und Verladung der eingesetzten Spediteure für den Raum Bayern ab,“ so Ralf Jörke, Mitglied der Geschäftsleitung Contract Logistics Süd bei Rhenus. „Zu unseren Aufgaben gehört darüber hinaus die Bestandsdisposition, die ein wesentlicher Bestandteil für die Warenverfügbarkeit und somit Lieferbereitschaft ist.“ Die konnte dadurch bereits auf bis zu 95 % gesteigert werden.

Auch das Spezialchemieunternehmen Ciba, Tochter von Ciba Basel, übergab die Bewirtschaftung seines Gefahrgutlagers in Lampertheim an den Dienstleister Pfenning Logistik aus Viernheim. Bisher waren die Fertigproduktlager für die chemischen Erzeugnisse zum Schützen und Färben von Textilien, Kunststoffen, Autos und Bauwerken sowie Haushalts- und Körperpflegemittel auf fünf externe Lager verteilt, was oft kostspielige Vortransporte erforderte. Teilweise mussten Transporter vom Rhein-Main Safety Port in Frankfurt über Worms nach Lampertheim fahren, um eine einzige Sendung zusammenzustellen. Heute verwaltet Pfenning auf einer Fläche von 30 000 m2 mit eigenen Regalbediengeräten, Frontstaplern und Elektrohubwagen über 1200 verschiedene Artikel. 700 Paletten werden täglich ein- bzw. ausgelagert, was zu einer jährlichen Umschlagsmenge von 155 000 t führt.

Der Clou dabei: die Pfenning-eigene Lagerverwaltungssoftware. Sie kommuniziert mit dem Ciba-Zentralrechner: In Verbindung mit den Datenkommunikationssystemen der Stapler-Funkterminals und Barcode-Laserscanner stellt das Warehouse-Managementsystem (WMS) sicher, dass jeder Artikel stets auffindbar ist. Dadurch konnte gleich zu Beginn eine Senkung der Lagerbewirtschaftungskosten um etwa 25 €/t erreicht werden.

Die externe Abwicklung verläuft allerdings keinesfalls immer so reibungslos. Statistiken gehen davon aus, dass rund 50 % aller Outsourcing-Projekte in der Logistik im ersten Anlauf scheitern. „Der Prozess der Fremdvergabe logistischer Leistungen verläuft langsamer als von manchen Experten erwartet,“ weiß Wolf-Rüdiger Bretzke, Mitglied des Vorstands der Bundesvereinigung Logistik e.V. (BVL), Bremen. Ein Hemmnis sei dabei die Komplexität sowie die Furcht vor Bindung und Abhängigkeit. Ein weiterer Grund: Es wird auf ein schlüssiges Logistikkonzept verzichtet. Das kennt auch Bernd Müller-Daupert, Mitglied der Geschäftsleitung bei der Unternehmensberatung Miebach Logistik Deutschland: „Viele Auftraggeber starten die Ausschreibung einfach nach dem Motto: Gucken wir mal, was dabei rauskommt.“

Besonders die Automobilwirtschaft ist vom Logistik-Outsourcing geprägt. „Das Management komplexer Logistikketten zählt zu den größten Herausforderungen, die anspruchsvolle Kunden in der Automobilwirtschaft an die Dienstleister richten“, so Bernd-Rüdiger Pahnke, Vorstandsmitglied bei Schenker Deutschland in Kelsterbach. Er sieht das Optimierungspotenzial allerdings nicht allein in der Beschaffungslogistik, sondern vor allem in einer bestmöglichen Kommunikation zwischen Produzenten, Zulieferern und Dienstleistern.

Wie solch ein Zusammenspiel aussehen kann und Logistikdienstleistungen zu einem Mehrwert der Produkte führt, verdeutlicht die Teamarbeit von DaimlerChrysler und der Bremer Autotec, mit über 400 Mitarbeitern die größte Autowerkstatt Europas.

Alle für den europäischen Markt bestimmten US-gefertigten Fahrzeuge der neuen M-Klasse werden zentral über das Autoterminal der BLG Logistics in Bremerhaven importiert. Dort werden die Autos direkt vom Schiff in die 74 m lange Serviceanlage gefahren, wo sie zunächst schonend entkonserviert, gereinigt, und getrocknet werden. In dieser Art und Größe gilt die 600 000 € teure Anlage mit automatischer Förderung der Fahrzeuge unter Fachleuten als technisches Novum. Auf dem sich anschließenden 42 m langen Prüf- und Modifizierungsband inspizieren Autotec-Mitarbeiter die Wagen sorgfältig und beseitigen kleinere Transportschäden.

Die technische Betreuung umfasst auch die Ausstattung mit Sonderzubehör, wie DVD-Anlagen, Handys, Navigationssystemen und Glasdächern. Aber auch Sonderlackierungen, Lackierungen von Stoßstangen oder Rammschutzleisten übernimmt Autotec. Dies erfordert natürlich ein exzellentes Zusammenspiel der IT-Systeme aller Beteiligten. Einschließlich der gehobenen R-Klasse, deren Markteinführung in diesem Jahr erfolgt, sollen künftig pro Jahr bis zu 90 000 Fahrzeuge aus der US-Fertigung von DaimlerChrysler in Bremerhaven technisch betreut werden. EDGAR LANGE/KIP

Unternehmen erwarten spürbare Kostensenkungen

Ein Beitrag von:

  • Dietmar Kippels

    Redakteur VDI nachrichten im Ressort Produktion. Fachthemen: Maschinenbau, CAD, Lasertechnik

  • Edgar Lange

    Freier Fachjournalist in Düsseldorf. Schreibt vor allem über IT-Themen.

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