Logistik 22.08.2008, 19:36 Uhr

Logistik gewinnt mit Mathematik  

VDI nachrichten, Bremen, 22. 8. 08, Si – Die Kooperation gleichberechtigter Transportunternehmen verspricht mehr Profit. Der Lehrstuhl für Logistik der Uni Bremen hat dafür mit dem Logistikdienstleister Stute einen mathematischen Algorithmus entwickelt, der bei Logistikaufträgen ein gewinnoptimierendes Sharing der Transportdienstleistungen garantiert, ohne dass einer der Partner dadurch einen Nachteil erleidet.

Transportdienstleister die kooperieren, machen mehr Profit. Das zeigt das Logistikunternehmen Stute Verkehrs-GmbH, Bremen, an einem Modell, das es gemeinsam mit dem Lehrstuhl für Logistik (LfL) an der Universität Bremen entwickelt hat.

Das Modell, das die Kooperation von drei eigenständigen Profitcentern bei dem Bremer Logistikdienstleister fördern soll, ähnelt einer Frachtenbörse, in der Transportunternehmen Aufträge untereinander austauschen, die sie selbst nicht ausführen können oder wollen. Anders als eine klassische Frachtenbörse garantiert das LfL-Modell jedoch, dass alle Teilnehmer an einer Kooperation stets einen Gewinn einfahren, der größer oder gleich dem ist, als ob sie bei einem Transport auf eigene Faust handeln würden.

Kai Barwig, Bereichsleiter Logistik bei der Stute Verkehrs-GmbH: „Strategisch haben wir mit dieser Idee grundsätzlich Neuland betreten und könnten, wenn uns eine Implementierung in die bestehende Softwareumgebung gelingt, hier eine Vorreiterrolle einnehmen.“ Zurzeit fänden Gespräche mit Softwareentwicklern für eine bedienerfreundliche Umsetzung des Modells statt.

Gleichberechtigte und vergleichbare Transportunternehmen schaffen sich nach Ansicht von Marta Krajewska, die das Modell am LfL entwickelt hat, Vorteile im Wettbewerb, wenn es ihnen gelingt, Aufträge so auf gemeinsame Ressourcen zu verteilen, dass jedes kostenoptimal arbeiten könne. Allerdings gelte es in der Praxis ein Konkurrenzproblem zu lösen. Krajewska: „Es gibt Neideffekte und man konkurriert – es geht schließlich auch um die eigenen Marktanteile.“

Der Lfl-Modellansatz ging im Beispiel Stute deshalb von eigenständig handelnden Profitcentern aus. Jedes akquiriert selbständig Aufträge und entscheidet dann, welchen er etwa aus Gründen der Kundenbindung selbst ausführt oder der Kooperation zur Verfügung stellt. Diese Aufträge und Auftragsbündel daraus werden in einer kombinatorischen Auktion von einem Softwaremodul versteigert.

An die Logistikaufträge heftet jedes Center seine Kalkulation, zu welchen Kosten es diese ausführen kann. Die anderen Center kalkulieren ihrerseits ihre Ausführungskosten für Aufträge oder Bündel von Aufträgen, die sie interessieren. Diese Kalkulationen bilden die Gebote der Profitcenter auf die Aufträge.

Die Rolle des Versteigerers übernimmt dann die Algebra. Ein Algorithmus kombiniert dazu alle Aufträge und Auftragsbündel so unter den Proficentern, dass sich insgesamt die kostengünstigste Auftragsverteilung ergibt. Dabei gilt die Regel, wer Aufträge zur Versteigerung frei gibt, muss diese auch ausführen, wenn sie niemand anders ersteigert.

Die Kunden zahlen den Preis pro Auftrag, wie ihn das jeweilige Profitcenter angeboten hat. Kann ein anderes diesen günstiger ausführen, steigt die Gewinnspanne. Durch das Verfahren tendiert die Auftragsverteilung stets auf eine Optimallösung hin. Die Gewinnspanne nach der Auktion ist für die Beteiligten damit zwangsläufig mindestens so hoch, als hätte jeder der beteiligten Partner alleine gehandelt. Barwig: „Eine vergangenheitsbezogene Auswertung hat durch das Profitsharingmodell eine Gewinnsteigerung von bis zu 15 % ergeben.“

Der Gewinn wird mit Hilfe der Mathematik so verteilt, dass der Auftragsausführende und derjenige, der einen Auftrag akquiriert hat, ein Plus macht oder sich wenigstens nicht schlechter gestellt sieht. Zudem zerstreut der Algorithmus als blinder Auktionator das Misstrauen unter den Logistikpartnern, eventuell den schwarzen Peter bei der Auktion erwischt zu haben. Damit sind Interessenkonflikte – oft ein gewichtiger Hemmschuh bei Kooperationen – aus dem Weg geräumt.

UDO STEINMETZ/Si

Von Udo Steinmetz/Jürgen Siebenlist

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