Logistik 27.08.1999, 17:22 Uhr

Leipzig-Halle wird zum idealen Sprungbrett nach Osteuropa

Die Region Leipzig-Halle scheint bei internationalen Investoren zunehmend auf Interesse zu stoßen. Sie lockt vor allem die leistungsfähige Infrastruktur.

Auf Einladung der Sachsen LB und der Wirtschaftsagentur Leipzig-Halle schaute sich kürzlich der Wirtschaftssenator der Stadt Venlo mit zehn Managern aus dem größten niederländischen Industriezentrum am Niederrhein in Sachsen nach Kooperationsmöglichkeiten um – und er will wiederkommen. „Die Ansätze für ein konkretes wirtschaftliches Engagement von Betrieben aus unserer Region sind so deutlich, daß ich noch in diesem Jahr mit einer großen Unternehmergruppe zurückkehren werde, um Nägel mit Köpfen zu machen“, so Wiel Aerts bei seinem Besuch.
Galt Venlo, unweit der deutschen Grenze, noch vor gut zehn Jahren als Problemfall mit mehr als 15 % Arbeitslosigkeit, so sind hier inzwischen Gewerbeflächen und Arbeitskräfte bereits so knapp, daß die Niederländer auf dem Leipziger Arbeitsamt ausloteten, inwieweit zumindest zeitweilig neue Mitarbeiter auch aus Sachsen rekrutiert werden können. Denn im Zusammenhang mit dem raschen Aufstieg der Transportwege aus den Häfen Rotterdam und Antwerpen war Venlo zum logistischen Superknoten mit riesigen Distributionszentren aufgestiegen. Die Warenströme in Richtung Deutschland fließen nicht mehr nur an dem Wirtschaftsraum vorbei, sondern werden hier weiterverarbeitet.
Jan Goedmakers, Chef des rund 120 Logistikunternehmen umfassenden European Logistik Centre Venlo sieht viele Parallelen in dieser Entwicklung mit der Region Leipzig-Halle. „Hier gibt es zwar keine Zollgrenze wie damals bei uns, aber die Nähe zu Osteuropa mit 70 Mio. zukünftigen Kunden und auch Produzenten macht ein Investment auch für uns sehr interessant, zumal inzwischen die Infrastruktur phantastisch ist und wir ohnehin nicht alles in Venlo machen können“, so Goedmakers.
Die Denkweise der „Logistikweltmeister“, wie die Holländer in Fachkreisen achtungsvoll genannt werden, ist leicht umrissen: In der heutigen Zeit werden kaum noch neue Autofabriken, Stahlwerke oder andere Industriekomplexe komplett neu errichtet. Das Wachstum konzentriert sich meist auf Zulieferer, denen Verantwortung für immer größere Baugruppen übertragen wird. So werden längst Kfz-Teile von einem Produzenten quer durch ganz Europa gefahren, Container aus Fernost in Logistikzentren entladen und die Waren verpackt, mit den sprachlich passenden Beizetteln versehen oder komplettiert. „Die Distribution der Zulieferer wird immer wichtiger“, sagt Goedmakers. Für Venlo macht sie bereits mehr als 10 % der gesamtem Wirtschaftskraft aus.
„Ich denke, die Holländer haben die richtige Nase für die besten Standorte“, meint Aerts. Er sieht dabei die Warenströme nicht nur in eine Richtung rollen, sondern erwartet auch eine starken Zuwachs von Rohstoff- und Produktlieferungen aus den Nachbarländern. „Mitteldeutschland bietet als Logistikknoten dabei eine ganze Reihe von Vorteilen, die bei der zentralen Lage und ausgezeichneten Verkehrsanbindung beginnen und über das Potential der Mitarbeiter bis hin zu rechtlicher Sicherheit und Zuverlässigkeit reichen.“
Bisher, so räumt Aerts ein, hätten die Holländer von dieser Region fälschlicherweise kaum Notiz genommen, doch diese Zeit des Abwartens über die Entwicklung Osteuropas sei nun vorüber. „Wir werden allerdings eine gewisse Konzentration dieser Logistikaktivitäten bevorzugen“, so Aerts.
Dabei scheint das Leipziger Güterverkehrszentrum ganz weit oben in der Gunst der Niederländer zu stehen, wo noch in diesem Jahr der Containerumschlag zwischen Straße und Schiene beginnen soll. „Uns kommt es vor allem auf die Standortqualität an, wir bevorzugen immer den besten, nicht unbedingt den billigsten Standort“, sagte Venlos Wirtschaftssenator Aerts.
Auch Klaus Howe, Geschäftsführer der Wirtschaftsagentur Halle-Leipzig, sieht Chancen für eine Art Initialzündung in der Region. Der Chef der von den beiden Städten getragenen Entwicklungs- und Beratungsgesellschaft will in den letzten Wochen eine deutliche Zunahme des Interesses im Ausland gespürt haben und spricht von konkreten Verträgen in verschiedenen Stadien, etwa für das Gewerbegebiet Halle/Queis. Unternehmen, die Autoteile zwischen England und dem tschechischen Skodawerk in Mlada Boleslav transportieren und hier weiterverarbeiten, auch US-Investoren stünden jetzt praktisch schon auf dem Sprung. MANFRED SCHULZE
Am Flughafen Leipzig/Halle – hier der Blick auf die künftige Bahntrasse und Autobahn A14 – ist der nächste infrastrukturelle Leistungssprung schon nicht mehr zu übersehen.

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