Logistik 27.09.2002, 18:21 Uhr

Klar Schiff für mehr Containertransporte

Mit der Inbetriebnahme eines der leistungsfähigsten Umschlagterminals Europas bereitet sich der Hafen Duisburg auf ein rasant wachsendes Containeraufkommen vor. Denn durch die zunehmende Vernetzung mit den Nordseehäfen muss das wichtige Hinterland-Hub bis zum Jahr 2010 die doppelte Menge an Standardcontainer-Einheiten bewältigen können als heute.

Strategische Allianzen zwischen Schifffahrt und Schiene treiben den Containerumschlag in die Höhe, bestätigt eine aktuelle Studie des Deutschen Verkehrsforums, Berlin. Für Duisburg als Logistik-Drehscheibe des Ruhrgebiets bedeutet diese Voraussage beispielsweise, sich bis spätestens zum Jahr 2010 auf einen jährlichen Umschlag von rund 1 Mio. TEU (Twenty Foot Equivalent Unit) vorbereiten muss – also doppelt so viele dieser Standardcontainer-Einheiten wie im Jahr 1999.
„Wir müssen deshalb den Duisburger Hafen dringend an die Erfordernisse moderner Logistikmärkte anpassen“, forderte Wolfgang Clement am 11. September bei der offiziellen Einweihung des neuen Hochleistungs-Umschlagterminals Duisburg Intermodal Terminal (DIT) auf dem Logport-Gelände in Duisburg-Rheinhausen. Auf dem Areal des ehemaligen Krupp-Hüttenwerkes ist nach Aussage des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten bereits heute ein Zentrum für Logistik, Transport und Serviceleistung entstanden, das europaweit höchsten Maßstäben gerecht wird.
„Logport ist zum Symbol für den Strukturwandel in Nordrhein-Westfalen geworden. Es ist ein herausragendes Beispiel für die Entwicklung eines traditionellen Industriestandortes hin zu einem modernen Dienstleistungszentrum“, sagte der Ministerpräsident. Durch den europäischen Binnenmarkt habe sich zudem die Beziehung zwischen dem Duisburger Hafen und denen der Benelux-Länder beträchtlich intensiviert. Die enge Vernetzung des Binnenhafens mit den großen Seehäfen in den Niederlanden und Belgien werde dazu führen, dass Duisburg ein noch wichtigerer Partner für Logistikunternehmen aus den USA oder Asien wird. In diesem Zusammenhang appellierte Clement an die niederländische Regierung, bei dem Ausbau der grenzüberschreitenden Verkehrswege, wie etwa beim „Eisernern Rhein“, künftig noch enger zusammenzuarbeiten. „Die Reaktivierung der Güter-Schienenverbindung zwischen Antwerpen und Duisburg bedeutet für den Duisburger Hafen eine weitere erhebliche Verstärkung seiner Wettbewerbsposition sowie eine zusätzliche Öffnung in die internationalen Märkte“, sagte der NRW-Ministerpräsident.
Nach Ansicht von Erich Staake, Vorstandssprecher der Duisburger Hafen AG, stärkt das DIT den Standort Logport in seiner Funktion als Verkehrsträger übergreifende Schnittstelle für den Containerumschlag zwischen den Nordsee-Häfen und dem europäischen Hinterland. Der Rheinhafen dokumentiere damit seine Bedeutung als internationaler Logistikstandort von hoher Attraktivität und fördere die Verlagerung von Verkehren auf Wasser und Schiene. Zudem bräuchten die Nordsee-Häfen leistungsfähigere Hinterlandsysteme und Pufferlager zur Abwicklung der deutlich wachsenden Containermengen. Das DIT sei deshalb als ein Seehafenterminal konzipiert, das als Hinterland-Hub insbesondere für die großen Seehäfen Rotterdam und Antwerpen fungieren könne. Die Leistungsfähigkeit der Vernetzung ins Hinterland werde bereits heute mit einem Schienen- und einem Wassershuttle bewiesen. „Auf einer Schienen-Shuttle-Verbindung zwischen Duisburg und Hamm im östlichen Ruhrgebiet werden jährlich 6300 Container transportiert und damit etwa 8000 Lkw-Ladungen substituiert“, so Staake. Darüber hinaus habe der Binnenschiff-Containerdienst Dortmund – Duisburg Anschluss an den Binnenschiffahrtsdienst „Duisburg Express“ mit täglichen Verbindungen nach Rotterdam und Antwerpen.
Auf den Kombinierten Verkehr (KV) als den nach seiner Ansicht herausragenden Wachstumsmarkt des Gütertransports setzt auch Kurt Bodewig. „Die Umschlaganlagen des Kombinierten Verkehrs als Schnittstellen zwischen den Verkehrsträgern“, so der Bundesverkehrsminister, „sind eine wesentliche Voraussetzung zur Sicherung der Mobilität im Rahmen des integrierten Verkehrskonzeptes der Bundesregierung“. Diese in Duisburg neu entstandene trimodale Umschlageinrichtung, dessen Bau die Bundesregierung mit 22 Mio. Euro in Form von Subventionen und Darlehen unterstützt habe, ermögliche das Be- und Entladen von Schiffen, Zügen und Lkw. Angesichts der rasant steigenden Güterverkehre hält der Bundesverkehrsminister diese Investition für notwendig. „Im Jahr 2015 werden wir 64 % mehr Güterverkehr haben als 1997. Dafür brauchen wir intelligente Lösungen“, begründete Bodewig seine Forderung, die erwarteten Mengenströme sinnvoll auf unterschiedliche Verkehrsträger aufzuteilen. Als Maßnahme habe die Bundesregierung seit 1998 die Fördermittel für den Aus- und Neubau von Umschlaganlagen des KV auf jetzt jährlich 76 Mio. ! verfünffacht. Bislang seien 39 Anlagen mit insgesamt 253 Mio. ! gefördert worden. Auch im kommenden Jahr werde ein Betrag von 76 Mio. ! für den Bau und Erweiterung von KV-Terminals zur Verfügung stehen. Das sei „gut angelegtes Geld“, betonte Bodewig, denn im Kombinierten Verkehr liege ein Verlagerungspotenzial, von dem das gesamte Verkehrssystem profitiere. ROLF MÜLLER-WONDORF/SI

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