Logistik 03.08.2007, 19:29 Uhr

In Hongkongs Nachbarschaft wächst die Hafenkonkurrenz  

VDI nachrichten, Hongkong, 3. 8. 07, Si – Chinas Ausfuhren werden 2007 und 2008 um jährlich mehr als 20 % steigen. Nach einer aktuellen Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) wird die Volksrepublik deshalb im kommenden Jahr Deutschland als Exportweltmeister ablösen. Der anschwellende Warenstrom aus China lässt die Containerpforten an der Küste rasch wachsen. Shenzen macht dabei dem Seehafen Hongkong zunehmend Konkurrenz und will mit Welcome-Schecks für wechselwillige Transporteure seinen Aufstieg sogar noch beschleunigen.

Hongkongs Hafenmanager und die Regierung hätten sich nicht träumen lassen, dass die vor Monaten gestartete enge Kooperation der drei Häfen Shenzens – Yantan, Dachan Bay und Shekou – im südchinesischen Perlfluss-Delta derartige Formen annehmen würde. Wie ein Blitz aus heiterem Himmel traf sie die Entscheidung der Verwaltung der Nachbarstadt Shenzhen, Reeder und andere Akteure der Logistikbranche mit lukrativen finanziellen Prämien zum Umstieg einzuladen.

„Hongkong kann sich schlicht und einfach nicht auf einen Wettlauf in der Laufbahn Geldgeschenke einlassen“, sagte Henry Lee von der Hong Kong Container Terminal Association und schaut wie viele seiner Logistikkollegen hilfesuchend in Richtung Regierung, um einen ruinösen Subventionswettlauf in der Region zu verhindern. Auch Zheng Tianxiang, Wirtschaftsprofessor der Sun Yat-sen University in Guangzhou warnt: „Das ist eine außergewöhnlich aggressive Politik, die Hongkong langfristig zu schaffen machen wird.“ Denn nicht nur das Aus- und Einladen eines Containers ist in den hochmodernen Hafenanlagen von Shenzhen um die 300 $ billiger als in Hongkong, die Hafenkonkurrenten können auch mit besseren Straßen- und Schienenverbindungen zu den Industriezentren in der Provinz Guangdong aufwarten – und die vereinen nicht weniger als ein Drittel aller chinesischen Exporte allein auf sich.

Bereits im vergangenen Jahr wurden 18,4 Mio. Standardcontainereinheiten in Shenzhen bewegt, 23 Mio. in Hongkong. Aber nicht wenige Container werden in Hongkong zweimal gezählt, weil sie von Schiff zu Schiff umgeladen werden. Dieses Doppelzählen – abladen und aufladen – verfälscht das Bild noch mehr in Singapur, wo nach Schätzung von Analysten mindestens 90 % der Wechselbehälter umgeladen werden. Singapur zog bereits im vorletzten Jahr per Doppelzählung an Hongkong vorbei und wurde mit etwas mehr als 23 Mio. Transshipments der weltweit größte Containerhafen.

Bereinigt ist Shenzhen heute einer der ersten Handels-Hubs der Welt, erklärte David O“Rear. Laut dem Chefökonomen der Handelskammer Hongkong haben sich die Hafenmanager von Hongkong den Gegenwind zum guten Teil selbst zuzuschreiben. O“Rear: „Vorteile des Freihafens hin und her, schauen die Versender nur auf den Kostenunterschied.“

Und das Umstiegsangebot an die Reeder und Spediteure „sieht nicht kleinlich aus“, kommentierte Wolfgang Ehmann von der Deutschen Handelskammer in Hongkong die Wettbewerbssituation. So bringt das Verlagern einer einzigen internationalen maritimen Verbindung nach Shenzen eine Prämie von 500 000 €, 150 000 € der Wechsel einer chinesischen Küstenfrachtlinie. Der Umzug regionaler Hauptquartiere von Reedereien wie Hapag Lloyd, Kristian Jebsen, Morning Express Ocean Base oder Gold Star Line wird ebenfalls mit knapp 0,5 € vergolten, die Verlagerung der Steuerzentralen von Spediteuren sowie regionaler Distributionszentren internationaler Logistikunternehmen von Schenker bis zu Kühne + Nagel bringt bis zu 300 000 €.

„Sicher ist das für nicht wenige der Branche interessant“, meinte Jens-Erik Olsen, der Chef der dänischen Reederei Eight Ships in Hongkong und Markus Mücke von Panalpina sieht das ebenso. Der auf Luft- und Seefracht konzentrierte Schweizer Transport- und Logistikdienstleister steuert das China- und Taiwan-Geschäft derzeit von Shanghai aus.

Ehmann wundert sich über die zusätzlichen finanziellen Anreize der Hongkonger Konkurrenz. „Sie haben das nicht nötig, geographische transporttechnische Vorteile sollten doch ausreichen, um weiter zuzulegen“, sinnierte der Vertreter der Deutschen Handelskammer Hongkong und verweist auf den Trend der letzten Jahre. Noch in den 90er-Jahren sei Hongkong mit Abstand die wichtigste Pforte zwischen der Außenwelt und Südchina gewesen. Heute würden bereits 40 % des Handels über Shenzhens Hafenanlagen abgewickelt. Hafenoperatoren wie Modern Terminals und Hutchinson Whampoa investierten zudem in Hongkongs Nachbarschaft, um dort beim Zuwachs dabei zu sein, kaum mehr jedoch in der fernöstlichen Handelsmetropole.

Wo geht die Reise nach dem jüngsten logistischen Aufgalopp der Konkurrenz in Hongkongs Nachbarschaft hin? „Anpassen“, heißt es lakonisch in den Regierungsstuben der einstigen britischen Kronkolonie. Das bedeutet einerseits die Konzentration auf höherwertige Güter und logistische Dienste, die höhere Kosten rechtfertigen, andererseits versuchte die Regierung bereits, mit den Reedereien, die Hongkongs Hafen Kwai Chung anlaufen, niedrigere Kosten für das Containermanagement auszuhandeln. Ohne Erfolg: Die Tarife werden von einer internationalen Reedergruppierung abgezeichnet und die ist wenig kompromissbereit. Eine bessere Straßenverbindung mit Guangdong soll für den alten Handelsknoten logistisch punkten und möglicherweise auch die Regierung in Beijing. Hongkong wurde im anlaufenden Fünfjahrplan immerhin eine Toprolle in der Logistikarena zugesprochen.

Den Worten sollen Taten folgen. Wunschziel: Eine Harmonisierung der Tarife im gesamten Perlfluss-Delta. David O“Rear zweifelt jedoch daran, dass entsprechende Vereinbarungen mittelfristig halten. „Wir sind ohnedies der Meinung, dass der logistische Vorteil Hongkongs künftig weniger mit dem Wasser zu tun hat als mit der Luft“, betonte der Chefökonom der Hongkonger Handelskammer und ergänzt: „Unsere Topposition in der Arena Air-Cargo ist stabil.“ JAN HOEHN/Si

Von Jan Hoehn/Jürgen Siebenlist

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