Logistik 07.10.2005, 18:40 Uhr

Funkchips beschleunigen Logistikprozesse durch schnellen Datentransfer  

Die Funkerkennung von Waren mittels RFID verspricht mehr Effizienz in der Logistikkette durch zeit- und kostensparende Vernetzung aller Beteiligten. Wo die Technik für den Einsatz bereits rentabel ist, werden Aussteller auf der Messe Cemat zeigen.

Die richtige Ware rechtzeitig am richtigen Ort, so definiert sich Logistik bislang. Weit darüber hinaus geht eine neue Technik: Mit Funketiketten ausgerüstete Container, Paletten und Pakete finden automatisch den günstigsten Weg zum Kunden. Statt der sonst üblichen Bürokratie übernimmt ein Chip die elektronische Abwicklung der Lieferformalitäten. Integrierte Sensoren überwachen die Qualität der Waren. Auch Garantieerklärung, Bau- und Bedienungsanleitung könnten auf dem Etikett gespeichert werden, so die Vision. Kein Wunder, wenn Zygmunt Mierdorf vom Vorstand der Metro-Gruppe von einer „Schlüsseltechnologie“ für die Wirtschaft spricht, „mit der sich Kosten entlang der gesamten Logistikkette einsparen lassen.“

Das Handelsunternehmen testet seit November 2004 den Einsatz dieser Technik in ausgewählten Einsatzfeldern im Zusammenspiel mit seinen Lieferanten. Zunächst wird die „Radio Frequency Identification“ (RFID) an Paletten und Kartons erprobt, die dazu über Funketiketten verfügen. Einzelprodukte sollen ab dem kommenden Jahr folgen. Mit Zahlen zu Einsparpotenzialen und Effizienzgewinnen hält sich der Manager noch zurück, bewertet die bisherigen Erfahrungen als „zufriedenstellend.“ Ein konkretes Fallbeispiel nennt er dann doch noch: Bei der Prüfung von Lieferscheinen habe man die Abwicklung von 15 min. auf die Hälfte reduzieren können.

Auch Fertigungsunternehmen z. B. aus der Automobil- oder Holzproduktion interessieren sich für die Technik. Für Dominik Rotzinger, Geschäftsführer der Villinger Warok Computer & Software GmbH, gehört die RFID-Technologie zum Alltag. „Wir haben Kunden, die seit Jahren diese Technologie nutzen. Früher spielte die Wiederverwendbarkeit der Transponder wegen ihres relativ hohen Preises noch eine wichtige Rolle, heute ist das in der Regel unwichtig, weil speziell die einfachen Tags fast zu Pfennigartikeln geworden sind.“ In der sich fortsetzenden Preisreduzierung sieht der Mobile-Computing-Experte große Chancen für den forcierten Masseneinsatz. „Die Preise müssen deutlich unter zehn Cent fallen, um nicht nur Trägerpaletten, sondern auch so genannte Billigprodukte mit Tags oder Smartlabeln ausstatten zu können“, betont Rotzinger.

Der Preis der winzigen Transponder ist vor allem bei Massenartikeln ein Thema. Peer Witten vom Vorstand der Otto-Gruppe erklärt zum aktuellen Test der Technik in seinem Handelsunternehmen, dass sie „zunächst zur Fehlerkennung in der Logistikkette“ genutz werde. Mit einem Stückpreis zwischen 0,30 € und 0,80 € sei der Einsatz von Funketiketten noch verhältnismäßig teuer. In einem ersten Schritt hat das Unternehmen 80 000 seines 200 Mio. Artikel umfassenden Sortiments mit RFID-Transpondern ausgerüstet. Damit werden Einzelstücke auf ihrem Weg vom Verpacken bis zum Wareneingang der Versanddepots von einem Lesegerät identifiziert. Gespeichert sind Artikel- und Sendungs-Identnummer des Pakets, jedoch keine Kundendaten. Nach Einschätzung von Witten liegen die so erzielten Kostenersparnisse auf einem niedrigen Niveau „unterhalb von 10 Mio. € pro Jahr.“

Zwar erwarten viele Firmen von RFID eine Verbesserung des Kundenservice und eine höhere Profitabilität. Doch noch lässt ein unklares Kosten-Nutzen-Verhältnis bei den Investitionen eine Mehrheit von ihnen abwarten, wie jüngst eine Befragung des IT-Marktbeobachters IDC in den Branchen Fertigung, Handel und Logistik herausgefunden hat.

Das aber könnte sich bald ändern. Die Unternehmensberatung Forrester Research rechnet für 2009 bereits mit 45 Mrd. weltweit verkauften RFID-Chips. Die Kollegen von Frost & Sullivan gehen davon aus, dass bis 2010 die weltweiten Umsätze mit RFID-Ausrüstungen bei 11,6 Mrd. $ liegen werden. Weitere Kostensenkungen in der Herstellung der Transponder sollen den Durchbruch für die RFID-Technologie bringen.

Eine Lösung ist bereits in Arbeit: Funkchips auf der Basis der preiswerten Polymerelektronik. Den Prototypen haben Forscher vom Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration (IZM) in München bereits realisiert. „Wir drucken die Transponder auf PET-Folien und sogar auf Papier“, bestätigt Karlheinz Bock, stellvertretender Leiter des Instituts. „Kernelement des Verfahrens ist ein spezieller Kleber, der ein schnelles und zuverlässiges Zusammenfügen von Chip und Antenne in nur sieben Verfahrensschritten ermöglicht und das ohne aufwendige Reinraumtechnik“, erläutert Bock. Um einen mit der Siliziumelektronik vergleichbaren Miniaturisierungsgrad zu erreichen, seien aber noch Optimierungen nötig.

Offen ist auch noch die Frage nach einer Standardfrequenz, denn noch erfolgen die Entwicklungen für Transponderanwendungen in Europa, Nordamerika und Japan sowohl im Megahertz- als auch im Gigahertz-Bereich. Initiativen aus der Wirtschaft konzentrieren sich auf die Frequenzen 900 MHz und die ISO-Norm 13,56 MHz. S. v. d. WEIDEN/CIU

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