Logistik 16.01.2009, 19:39 Uhr

Förderband rollt künftig um die Kurve  

Genutzt werden sie überall in Industrie und Logistik aber: Förderbänder sind Energiefresser, wenn sie um Kurven geleitet werden. Das lässt sich vermeiden, wenn ein neues Rollelement der TU Chemnitz zum Einsatz kommt, welches den Energiebedarf und Verschleiß von Förderbändern deutlich verringert. VDI nachrichten, Chemnitz, 16. 1. 09, kip

Durch die Rollen wird die Reibung minimiert, das Förderband läuft leichter und der Antriebsmotor muss weniger arbeiten. In Langzeitmessungen haben die Wissenschaftler nachgewiesen, dass die Rollelemente einen Bewegungswiderstand haben, der zehn- bis 15-mal geringer ist als in herkömmlichen Anlagen. „Unsere Messungen zeigen, dass der Kraftaufwand beim Antrieb je nach Anwendungsfall um 60 % bis 80 % sinkt. Der genaue Wert ist von der jeweiligen Anlage und ihrer Belastung abhängig“, betonte Rasch.

Das ermöglicht, auch lange Anlagen aus weniger Einzelstücken zusammenzusetzen. So verringert sich die Zahl der Übergabestellen, an denen die transportierten Güter von einem Band aufs nächste wechseln. „Diese Stellen bergen immer Risiken. Außerdem verringert sich die Zahl der benötigten Antriebe“, zeigte der Chemnitzer Forscher einen weiteren Vorteil der Neuentwicklung auf. Auch das Thema Erwärmung ist Vergangenheit, berichtete der Wissenschaftler: „Wir haben Aufnahmen mit einer Wärmebildkamera gemacht, die zeigen, dass die Erwärmung keine Rolle mehr spielt.“ Das reduziere den Verschleiß, der zu einem großen Teil auf der bisher auftretenden thermischen Überlastung der eingesetzten Werkstoffe beruhte.

Die neuen Elemente bestehen ausschließlich aus Kunststoff und sind schmierungs- wie wartungsfrei. Dadurch könnten sie auch unter rauen Umgebungsbedingungen sowie in der Lebensmittelverarbeitung und in Reinräumen eingesetzt werden, hebt man in Chemnitz hervor. Ein weiterer Vorteil sei, dass der Stick-Slip-Effekt nicht auftrete, bei dem aufeinander reibende Oberflächen ins Rucken geraten. Das Förderband läuft durch die Rollenführung ruhiger. Die Walter Reist Holding AG gab auch den Anstoß für die Entwicklung und den Aufbau erster Anwendungen des neuen Systems. Doch bis es so weit kam, haben die Chemnitzer und Züricher Wissenschaftler rund ein Jahr lang getüftelt. Basierend auf der Grundidee, Gleitreibung durch Rollreibung zu ersetzen, entstand die Lösung. „Ein weiterer wichtiger Punkt in der Entwicklung war die richtige Materialauswahl“, erklärte Rasch.

Hierbei gab es immer wieder Schwierigkeiten, weil die getesteten Materialien den Belastungen nicht gewachsen waren. „Wir haben letztlich ein Material gefunden, das den dynamischen Belastungen standhält und auch eine effektive Herstellungstechnologie ermöglicht. Es ist für diese Art Belastung optimal“, so Rasch. Insgesamt sei ein System entstanden, das maximale Vorteile biete, schätzte der Wissenschaftler ein.

„Diese Technologie könnte ein breites Einsatzspektrum in der Industrie finden“, ergänzte Klaus Nendel, Direktor des Instituts für allgemeinen Maschinenbau und Kunststofftechnik der TU Chemnitz. Derzeit befinde sich das System in der Erprobungsphase bei Ferrero in Italien. CHE/KIP

 

Ein Beitrag von:

  • Dietmar Kippels

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