Logistik 16.02.2001, 17:28 Uhr

Ein Bahn-Nachtsprung spart 150 Lkw-Touren täglich

Güterverkehr per Bahn hat keinen guten Ruf in Deutschland. Geringe Kundenorientierung vergrault potenzielle Nutzer. Sie stören sich vor allem an den zu starren Fahrplänen und der schlechten Termintreue, die ihre Disposition unnötig erschweren. Dass es auch ganz anders geht, beweist die Warenhaus-Logistik von Karstadt und Woolworth.

Über die Schiene werden bereits zwei Drittel der bundesdeutschen Filialen von Karstadt und Woolworth mit Waren versorgt – einbezogen sind immerhin 370 Verkaufsdependancen. Diese weit gehende Schienenlogistik-Lösung für die beiden großen Warenhaus-Unternehmen wurde von der ABX Logistics (Deutschland) GmbH, Duisburg, entwickelt und wird täglich aufs neue mit großem Erfolg erprobt.
„Das Beispiel belegt, dass die Eisenbahn innerhalb eines intelligenten Konzeptes als zuverlässiges und schnelles Transportmittel eingesetzt werden kann“, erklärt Wilhelm Topp. „Ganz wesentlich dabei ist“, so der Leiter des Kompetenzzentrums Bahn bei dem Logistik-Dienstleister, „dass wir nicht nur ein Transportangebot gemacht, sondern ein Produktionssystem umgesetzt haben, das auf die Bedürfnisse eines Großverladers maßgeschneidert ist und die Schiene als wichtiges Glied in die komplette Prozesskette einbindet.“
Täglich verlassen etwa 150 Wechselbrücken und 50 Waggons die Gleisanlagen des Karstadt-Warenverteilzentrums (WVZ) in Unna und des nur 7 km entfernten Woolworth-Lagers in Bönen. Sie werden zu vier Ganzzügen zusammengestellt und erreichen die Ballungsräume Hamburg, Berlin, Mannheim und München, wobei unterwegs Wagengruppen abgehängt und 23 weiteren Relationen zugestellt werden.
Dieser Nachtsprung erspart täglich rund 150 Lkw-Fahrten. Das Basiskonzept wurde in enger Kooperation mit der Optimus Logistics GmbH, Essen, erstellt, der Konzernspedition der Karstadt Quelle AG, die über profunde Kenntnisse hinsichtlich der Bedürfnisse und Abläufe des Warenhausunternehmens verfügt. Im Ergebnis wurde jeder einzelne Vorgang von der Bestellung bis zur Anlieferung bis ins Detail durchgeplant. „Unsere Zusammenarbeit mit ABX hat dazu geführt, dass wir die Unzulänglichkeiten im operativen Bereich des Schienengüterverkehrs überwinden konnten“, bestätigt Karl-Heinz Lippe, Vorsitzender der Geschäftsführung der Optimus Logistics.
Bis spätestens acht Uhr müssen alle Warenanforderungen in Unna eingegangen sein, wo auf 320 000 m2 mehr als 180 000 Artikel eingelagert sind. „Direkt im Anschluss erarbeiten wir die Laderaumdisposition“, so Rainer Schaper, der als Produktionsleiter bei ABX vor Ort in Unna alle Fäden in der Hand hält. Gemäß dieser Vorgaben wird die Ware in den nächsten Stunden zusammengestellt, in einheitliche Transportbehälter verpackt und in rollbare Einheiten zusammengefasst. Zwischen 13 Uhr und 19 Uhr – je entfernter der Zielort, desto früher der Ladeschluss – erfolgt die parallele Verladung an drei Hallengleisen mit jeweils bis zu acht Waggons und 80 Stellplätzen für Wechselbrücken. Sobald diese voll sind, werden sie abgezogen und per Kran auf Schienenfahrzeuge gesetzt. Schon beim Beladen steht exakt fest, in welcher Reihenfolge gedeckte und Wechselbrücken-Waggons am Zielort entladen und per Nahverkehrsfahrzeug den einzelnen Filialen zugestellt werden.
Welche der beiden Varianten gewählt wird, richtet sich nach Zufahrtsmöglichkeiten und Sendungsmenge. In jedem Fall erreichen die Waren am frühen Morgen zwischen drei Uhr und fünf Uhr ihr Etappenziel – zeitgerecht, um per Lkw bis acht Uhr bei Karstadt bzw. 13 Uhr im Falle Woolworth in die Kaufhäuser zu gelangen. Im Schnitt erreicht „Lademeister“ Schaper mit seinem Team einen durchschnittlichen Füllgrad der Wagen oder Wechselbrücken von 94 % – eine Garantie für die Wirtschaftlichkeit der Logistikkette.
Die will Vordenker Topp weiter erhöhen. Zur optimalen Auslastung der Ladekapazitäten ist ABX bemüht, weitere Unternehmen auf die Schienen zu bringen. „Die Rückführung der Transportbehälter lastet im leeren, zusammengeklappten Zustand unsere Wagen nur zu einem Viertel aus“, so Topp. Ein weiterer Aspekt: Schon bald will DB Cargo Transportleistungen nur noch als komplette Züge, nicht mehr als Einzelwagen verkaufen. Auch deshalb ist es sinnvoll, noch mehr Waren zusammenzuführen. So sollen mit großen Beladern bundesweite Kreisläufe aufgebaut werden, um durch eine größtmögliche Auslastung kostengünstige und zudem zuverlässige Logistiksysteme auf der Schiene zu offerieren.
Gespräche mit Kunden aus den Bereichen Hausgeräte, Möbel und Sanitärbedarf sind weit gediehen. Wichtig dabei ist, dass ein Dienstleister die Koordinierung der unterschiedlichen Interessen übernimmt – „geht nicht, gibts nicht“, schmunzelt Problemlöser Schaper.
„Bevor auch nur ein Gleisanschluss aufgegeben wird, sollte das Potenzial genau festgestellt werden“, fordert auch Topp. Und das ist offenbar viel größer, als sich viele Bahner das vorstellen – vorausgesetzt, man bietet Kunden eine Komplettlösung: „Das Interesse auf Seiten der Verlader ist riesig, in dem Sinne gibt es kein schlechtes Bahn-Image. Die Unternehmen erwarten allerdings, dass statt des starren Fahrplandenkens endlich integrierte Logistikkonzepte vorgelegt werden“, bekräftigt der Experte, der selbst lange Zeit bei der DB gearbeitet hat. Mit dem richtigen Konzept sei die Bahn dem Lkw auf längeren Strecken hinsichtlich Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit und Wetteranfälligkeit klar überlegen, wie Karstadt erst kürzlich bewies. So bewältigte der Warenhauskonzern beispielsweise den jüngsten Weihnachtsansturm der Kunden problemlos, die Waren kamen dabei fast ausschließlich über die Schiene, ganz nach dem Motto: „Und es geht doch!“ KLAUS JOPP/Si

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