Intralogistik 28.01.2005, 18:36 Uhr

Effektive Logistik fördert Profit ins Unternehmen

Deutsche Anbieter von Logistik-Systemen rund um Materialfluss, Förder- und Hebetechnik glänzen mit einem stabilen Wachstum von 3 % – eine Zielmarge, die wohl auch 2005 erreicht wird. Und die weltweite Spitzenstellung kann noch gestärkt werden. Denn mit der EU-Osterweiterung öffnen sich attraktive Absatzgebiete und kostengünstige Produktionsstandorte.

Christoph Hahn-Woernle hat gute Gründe für Branchenoptimismus: „Innerhalb der europäischen Intralogistik-Branche nimmt Deutschland mit einem Marktanteil von etwa 50 % weiterhin unangefochten den Spitzenplatz ein.“ Für 2004 rechnet der Sprecher des Forums Intralogistik im VDMA mit einem europaweiten Umsatz von 22,7 Mrd. € – was einem Wachstum von 3 % gegenüber 2003 entspricht. Und am Ende des gerade gestarteten Jahres könnte ein Zuwachs in der gleichen Größenordnung stehen, so der Geschäftsführer der Stuttgarter Viastore auf der Pressekonferenz des Forums Intralogistik vergangenen Dienstag in Frankfurt. Diese Aussicht hat eine stabile Basis, denn mit einem Exportanteil von 7,5 Mrd. € in 2004 präsentieren sich die deutschen Unternehmen auf einem einsamen Spitzenplatz, gefolgt von Japan mit 3,8 Mrd. € und den USA, deren Firmen Produkte im Wert von 3,4 Mrd. € ausführten.

Die große Bandbreite der Intralogistik hat Hahn-Woernle schnell umrissen: „Wir verstehen darunter den gesamten Materialfluss, mit Ausnahme des reinen Transports, beispielsweise per Schiff, Flugzeug oder Bahn.“ In diesem Bereich tun sich deutschen Firmen jetzt neue Möglichkeiten auf, den Spitzenplatz zu behaupten und weiter auszubauen. Denn dank der zentralen Lage nach der EU-Osterweiterung sieht der Viastore-Geschäftsführer die große Chance, dass Deutschland zur Logistik-Drehscheibe Nummer Eins in Europa wird. Dazu passt es für ihn auch, dass mit der erfolgreichen Einführung der Lkw-Maut dem Staat Mittel für dringend erforderliche Investitionen in die Infrastruktur zur Verfügung stehen. So werde die zunehmende Streckenabhängigkeit der Transportkosten dazu führen, dass Hersteller und Dienstleiter verstärkt auf das Rationalisierungs- und Kostensenkungspotenzial der Intralogistik zurückgreifen müssen.
Wolfgang Albrecht, Geschäftsführer von PSI Logistics in Hamburg, beleuchtet die starke Position der hiesigen Unternehmen noch aus einer anderen Perspektive: „Deutschland ist ein idealer Standort für Intralogistik, weil es auf dem Logistik-Markt im Vergleich zu vielen anderen Märkten einen funktionsfähigen Wettbewerb gibt.“ Immer schon sei Deutschland ein Hochlohnland gewesen und die Logistik ein wichtiges Instrument auf dem Weg zur maximalen Produktivität, so Albrecht. Durch Innovationen wie etwa die Agententechnologie oder RFID (Radio Frequency Identification) als schnellem Datenfunk per Hochfrequenz, habe die Intralogistik dazu beigetragen, die Produktivität zu steigern.

Diese Botschaften aber sind noch nicht recht bis zu den Anwenderfirmen durchgedrungen, glaubt Dr. Frank Thomas: „Aus unserer Sicht wird die Intralogistik noch nicht in ausreichendem Maße als unternehmensinternes Optimierungsgebiet gesehen.“ Dabei handele es sich aber keineswegs um ein Versäumnis der Unternehmen, hebt der Chef von Dr. Thomas & Partner Materialflussplanung und Automatisierungstechnik in Karlsruhe hervor. Nach seiner Einschätzung wird dieses Themenfeld einfach noch als sehr neu angesehen, was dazu führe, dass es auf der Prioritätenliste im Unternehmen bisweilen etwas unterbewertet sei. „Intralogistik ist bis dato weder intern noch extern ausreichend thematisiert worden, um breites Verständnis und Blick auf den Nutzen zu gewinnen“, lautet seine unmissverständliche Botschaft. Bei einer konsequenten Optimierung ließen sich nach seiner Meinung die internen Kosten sehr zügig und spürbar senken.
Ähnlich denkt auch Wolfgang Heuring, Geschäftsgebietsleiter im Siemens-Bereich Logistics and Assembly bei Siemens in Offenbach. „Im Optimieren der Intralogistik liegen Potenziale, die in den nächsten Jahren gehoben werden können.“ Gleichzeitig sieht er aber auch technische Herausforderungen: „Sie beziehen sich zum einen auf die Intralogistik und ihre Teilsysteme, haben aber auch große Bedeutung, wenn es um die verstärkte Integration der Prozesse entlang der gesamten Wertschöpfungskette geht.“ Hier hat Dr. Christoph Plapp ein wichtiges Arbeitsfeld ausgemacht: „Es kommt auf die reibungslose Integration der IT an, denn es gibt immer noch Kommunikationsprobleme zwischen betriebswirtschaftlicher Ebene und Logistik-Systemen“, so der Vorstand der Münchener Axxom AG.
Integration wird in naher Zukunft aber auch zum strategischen Schwerpunktthema zwischen den Unternehmen – vor allem mit Blick auf potenzielle östliche Zulieferer. Denn schon bald warten neue Kandidaten, um sich in die Wertschöpfung westlicher Supply Chain Management-Ketten einzureihen. Harald Geimer, Direktor der Frankfurter Unternehmensberatung PRTM, legt die Messlatte im Vorfeld einer solchen Unternehmensintegration hoch: „Osteuropäische Unternehmen sollten ihre Fähigkeiten realistisch einschätzen, wenn es um ihre Integrationsfähigkeit in SCM-Ketten geht.“ Denn nur durch Realismus könne das entscheidende Vertrauen im Umgang mit West-Partnern gewonnen werden. Mit Vertrauen allein ist es für den PRTM-Direktor allerdings nicht getan. Denn auch vorspezifizierte Qualitätsmerkmale müssten vom Ost-Unternehmen erreicht und auch gehalten werden. Hier empfiehlt Harald Geimer das Erstellen von Qualitätsplänen für die SCM-Kandidaten, um das vorgegebene Qualitätsniveau zu halten. Das ist aber noch längst nicht alles. „Vor der Lieferung wird der Lieferant unter Fertigungsbedingungen getestet. Es wird also realistisch gecheckt, ob der Kandidat über das nötige Leistungsvermögen verfügt.“ Auch das Einhalten vom aktuellen Qualitätsnormen, etwa die Zertifizierung nach DIN/ISO, könne dabei helfen sich in die westlichen Lieferketten einzureihen.
Gleichzeitig legt Harald Geimer den Ost-Kandidaten die Steigerung ihrer Prozessreife nahe; das gelte allerdings ebenso für Unternehmen im Westen. „Wir haben mit der SAP AG gemeinsam eine Studie durchgeführt. Dort wurde deutlich bestätigt, dass nur Firmen mit ausgeprägter Prozessreife den maximalen Nutzen aus einer leistungsfähigen SCM-Software ziehen.“ Der Unternehmensberater warnt: „Westliche Firmen, die sich nicht aktiv und positiv mit den Chancen und Risiken des Osteuropa-Geschäfts auseinander setzen, könnten auf der Strecke bleiben.“ Eine solche positive Auseinandersetzung sieht er etwa in der teilweisen Verlagerung der Fertigung Richtung Osten. Auch Axxom-Chef Christoph Plapp setzt hier an: „Das ist eine Chance, wie deutsche Logistik-Hersteller ihre Kosten reduzieren und auf dem Weltmarkt konkurrenzfähiger werden können. Günstigere Fertigungskosten bedeuten steigende Wettbewerbsfähigkeit, was letztlich auch Arbeitsplätze in Deutschland sichert.“DIETMAR KIPPELS

Von Dietmar Kippels
Von Dietmar Kippels

Stellenangebote im Bereich Einkauf und Beschaffung

Energie und Wasser Potsdam GmbH-Firmenlogo
Energie und Wasser Potsdam GmbH Wirtschaftsingenieur als Fachbereichsleiter Technischer Einkauf (m/w/div.) Potsdam
KHD Humboldt Wedag-Firmenlogo
KHD Humboldt Wedag Expeditor (m/w/d) Köln-Holweide

Alle Einkauf und Beschaffung Jobs

Top 5 Logistik

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.